Vereinsnachricht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Bestes aus der Nähe: "Jazzlife" überzeugten im Club

Ellen und Bernd Marquart aus Wernau gastierten am Freitag mit ihrer Band im Köngener Schloss

Jazzlife - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 24.09.2004
"Jazzlife" - Ellen und Bernd Marquart, Joel Locher und Patrick Manzecchi (von links) erhielten ein ums andere Mal Szenenapplaus. Foto: heb

"Warum in die Ferne schweifen", hatte sich der international renommierte Jazztrompeter und -kornettist Bernd Marquart gefragt, als er von der Existenz des Köngener Jazzclubs erfuhr. Logisch, dass es dessen Vorsitzendem Eberhard Götz dann nicht mehr allzu schwer fiel, den im benachbarten Wernau ansässigen Musiker zusammen mit seiner Band "Jazzlife" für ein Konzert in der ehemaligen Kapelle des Köngener Schlosses zu engagieren.

Was dieser in keinster Weise zu bereuen brauchte: Götz sprach am Ende des Konzertes von einer "Supergruppe" und verglich den Bandleader mit einem Giganten des Flügelhorns (Kornett) wie Ack van Rooyen. "Wenn ich die Augen zumachte, glaubte ich wirklich, da spielte Paulchen Kuhn am Flügel", fiel das Kompliment des Köngener Freizeit-Saxophonisten an Marquarts aus den USA stammende Frau Ellen nicht geringer aus, und auch Bassist Joel Locher aus Leonberg und der aus Konstanz angereiste Schlagzeuger Patrick Manzecchi hatten ein ums andere Mal Szenenbeifall abgeräumt.

Bernd Marquarts (instrumentale) Liebe gehört dem Flügelhorn, das sanftere, zartere Töne und Nuancen zu entwickeln in der Lage ist, als es der eher metallisch klingende, strahlende Charakter der Trompete erlaubt. So fügt sich, vor allem in den Balladen, die eine Liebe zur anderen, denn das fein perlende, selten hart akzentuierte Flügelspiel seiner Gattin Ellen ergänzt den Kornettklang ebenso fugenlos wie ihre feine, anschmiegsam wirkende Stimme, die mehr durch ihre Musikalität als durch massives Volumen zur Wirkung kommt.

Mit einer ausgewogenen Mischung aus eigenen Stücken und Standards sorgte das "Jazzlife"-Quartett zwei volle Stunden lang dafür, dass keinerlei Langeweile aufkam. Schließlich hatte Bernd Marquart bei den Fremdkompositionen etwas tiefer in die Standardkiste gegriffen, so dass einige, auch aufgrund ihres gesteigerten Schwierigkeitsgrades nicht allzu häufig gehörte Nummern in der alten Schlosskapelle erklangen. Ein Paradebeispiel für diese Kategorie bot Marquart mit Sonny Rollins' "Oleo", einer Bebop-Uptempo-Nummer, die einem Trompeter in Sachen Atem- und Spieltechnik allerhand abverlangt. Was Frontmann Bernd Marquart hier mit seinem Instrument anzustellen in der Lage sich erwies, war schon allererste Sahne und erregte auch prompt einen spontanen Extra-Applaus.

Dass sich das Quartett auf Köngens Jazzbühne Nummer 1 wohlfühlte, war nicht zu überhören: Die Spiellaune schien Stück für Stück zu wachsen und übertrug sich entsprechend auf die Zuhörer, die am Ende bei "Bye Bye Blackbird" sogar mitzusingen begannen, was in keiner Weise unangemessen, sondern einer stimmungsvollen Club-Atmosphäre eher zuträglich war. Davor hatten die vier höchst versierten Musiker mit ihrer eigenen Version von "Caravan" Duke Ellingtons Jungle-Style eine neue Nuance hinzugefügt.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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