Vereinsnachricht

Esslinger Zeitung

Das Schloss mit Jazz belebt

Gerhard Götz prägt seit Jahrzehnten das kulturelle Leben der Gemeinde

Das Saxophon ist die Leidenschaft von Gerhard Götz. Obwohl der ehemalige Köngener Unternehmer mit seiner Firma für Werkzeugtechnik jahrzehntelang sehr eingespannt war, hat er sein Können auf diesem Instrument immer verbessert. Oft probte er mit seinen Mitstreitern in der Maschinenhalle im Köngener Gewerbegebiet. Und er spielte nicht nur mit seiner Band, der Götz-Hirschmann-Swing-And-Jazz-Group, deren Kopf er gemeinsam mit dem Pianisten Eckart Hirschmann ist. 2002 gründete er mit seinen Mitstreitern den Jazz-Club Köngen. In der Schlosskapelle spielten die leidenschaftlichen Musiker regelmäßig als Vorgruppe. Sie laden seit der Gründung des Vereins auch Bands ein, die für verschiedene Richtungen des Jazz stehen. Für seine großen Verdienste wurde Götz nun die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg verliehen. Beim Weihnachtskonzert der Swing-And-Jazz-Group ehrte Köngens Bürgermeister Hans Weil den 72-Jährigen, der die hohe Auszeichnung sichtlich gerührt entgegen nahm. Götz habe mit den Jazzkonzerten in der Schlosskapelle „dazu beigetragen, dass das historische Gemäuer schon vor der Renovierung wieder mit kulturellen Veranstaltungen belebt wurde“. Das hat nach den Worten Weils „das Bewusstsein der Köngener geschärft, dass das Schloss saniert und für spätere Generationen erhalten werden muss“. So habe der Jazz-Club dazu beigetragen, dass der Bürgermeister das Sanierungsprojekt trotz anfänglicher Widerstände durchsetzen konnte.

BESONDERE ATMOSPHÄRE
Heute ist die Schlosskapelle schön renoviert und bietet optimale Voraussetzungen für Kulturveranstaltungen. Auch bei kalten Temperaturen ist es dort schön warm. Als der Jazz-Club dort 2002 seine Konzerte veranstaltete, war es manchmal für die Gäste noch ziemlich feucht. „Wir haben die besondere Atmosphäre trotzdem genossen“, erinnert sich Götz. Allerdings seien er und seine Musiker froh gewesen, dass sich die Gemeinde für die Sanierung des Denkmals entschied.

Mit seinem langjährigen Weggefährten, dem ehemaligen Fachhochschul-Professor Rolf Martin, tüftelt Götz das Programm für den Jazz-Club aus. Meist sind die Konzerte schon kurze Zeit nach Beginn des Vorverkaufs ausverkauft. „Wir haben immer Lust auf Neues“, erzählt Götz augenzwinkernd. Sogar eine jazzige „Freischütz“- Bearbeitung war schon in Köngen zu erleben.

Über seine Auszeichnung, die Bürgermeister Hans Weil auch im Namen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann überreichte, freut sich der Senior sehr. „Diese Wertschätzung tut gut.“ Mit seiner Band, die ihre Fans „die Götz-Hirschmänner“ nennen, spielt der Saxophonist vor jedem der Gastspiele eine Stunde lang. „Es gibt Leute, die sagen, sie kommen hauptsächlich wegen uns.“

LIEBEVOLL GARNIERTE BROTE
Großen Anteil am Erfolg des Jazz-Clubs habe aber auch seine Frau Ingeborg. „Sie hält mir nicht nur den Rücken frei, sondern organisiert mit anderen Damen die Bewirtung.“ Denn auf Geselligkeit legen die Köngener Jazzer großen Wert. Liebevoll garnieren Ingeborg Götz und ihr Team Brote - ganz stilvoll mit Schnittlauch. Dazu gibt es hübsche Servietten. Zum Weihnachts-Jazzabend erhielten die Besucher Rentiere aus Holz, die die Seniorin alle einzeln verpackt hat. Die Bühne hat sie mit Nußknackern und Tannenzweigen dekoriert. „Das ist manchmal schon anstrengend“, sagt die Seniorin, die ihrem Ehemann in Sachen Temperament in nichts nachsteht.

Nicht nur für den Jazz-Club engagiert sich Götz seit Jahren. Der drahtige 72-Jährige, der immer ein bisschen unter Strom steht,war von 1973 an zehn Jahre lang Vorsitzender des Tennisclubs Köngen. Auf dieses gesellschaftliche Engagement des Unternehmers verwies Bürgermeister Hans Weil in seiner Laudatio. Und der Bürgermeister, der selbst aus seiner Liebe zu Musik und Poesie keinen Hehl macht, hat auch einige Zeilen für seinen langjährigen Freund Gerhard Götz gedichtet.

Mit weihnachtlichen Weisen, swingend vorgetragen, stimmte die Hausband das Publikum auf die Weihnachtszeit ein. „Rudolf, The Red Nose Raindeer“ bürsteten die Jazz-Senioren jugendlich-frisch gegen den melodiösen Strich.