Blues

Von ROLF MARTIN

Der Blues entstand im 19. Jhdt. aus den Worksongs und Klageliedern der afroamerikanischen Sklaven in den Südstaaten der USA. Es ist also zunächst einmal eine Liedform, in welcher der Text eine besondere Rolle spielt. Formal hat sich das 12-taktige Blues-Schema, über das auch reine Instrumentalisten ohne Gesang improvisieren können, gegen 1910 endgültig etabliert. 

In der einfachsten Form besteht die Bluesformel aus drei Teilen mit jeweils vier Takten. Die ersten vier Takte mit Akkorden auf der ersten Tonstufe (Tonika) bilden den Anrufungsteil. Hier wird etwas festgestellt oder behauptet. Dann erfolgt zur Bekräftigung eine Wiederholung, wobei sich die Melodie häufig kaum ändert, aber in die vierte Akkordstufe (Subdominante) gewechselt wird. Da die Blues häufig als Stegreifdichtung entstehen, gibt die Wiederholung dem Blues-Sänger ausreichend Zeit, um die Beantwortung zu formulieren, die dann harmonisch auf der fünften Stufe (Dominante) gegeben wird.

Das grundlegende Akkordgerüst wird gelegentlich leicht verändert. Beispielsweise taucht in W.C. Handys berühmtem „St. Louis Blues“ bereits im zweiten Takt die Subdominante auf und später noch einmal im zehnten.

Die besondere Blues-Stimmung, das Blues Feeling, wird erzeugt durch die häufige Verwendung von Blue Notes. Das sind Töne, die von ihrem Charakter her nach europäischen Maßstäben zwischen Dur und Moll schwebend angesiedelt sind. In C-Dur notiert sind dies Töne, die zwischen Es und E (kleine und große Terz) sowie zwischen B und H (kleine und große Septim) liegen. Auch die verminderte Quinte, zwischen Ges und G ist eine Blue Note. Vermutlich entstanden diese Töne dadurch, dass die pentatonische Tonleiter, die in Afrika weit verbreitet ist, nicht vollständig zur europäischen Tonleiter passt.

Bedeutende Interpreten des ländlichen Blues waren u.a. Leadbelly, Big Bill Broonzy, Blind Lemon Jefferson, Sonny Terry und Brownie McGhee sowie John Lee Hooker. Mit der Migration der Musiker nach Chicago entstand dort und in anderen Großstädten eine städtische Variante mit Interpreten wie Muddy Water, T-Bone Walker, Willie Dixon und Memphis Slim. Als bedeutendste Frau des Blues mit dem Ehrentitel „Empress of the Blues“ gilt Bessie Smith.