Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Blues-Feeling im Schloss

Das Duo „Making Blues“ gastierte in Köngen – Klatschen, bis die Hände wehtun

Making Blues - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 28.10.2016
Ignaz Netzer und Klaus “Mojo” Kilian

Wieder einmal wurden zwei Blues-Barden in den Köngener Jazzclub eingeladen, die anstatt mit Neckar- und Mainwasser mit Mississippiwasser getauft schienen. Ignaz Netzer, Gitarrist, Sänger und Mundharmonikaspieler aus Hohenlohe und Klaus Kilian aus Frankfurt a.M., Mundharmonikaspieler, Sänger und Gitarrist erzeugten eine knisternde Spannung, welche die Zuhörer von Anfang bis Schluss gefangen hielt. Das erfahrene Köngener Publikum wurde auch immer wieder mit einbezogen und unterstützte die Musiker durch rhythmisches Klatschen, natürlich auf die Taktteile 2 und 4, wie es sich im Jazz gehört.

Ignaz Netzer beherrscht alle Facetten des Blues-Gitarrenspiels mit Melodiespiel und simultaner Begleitung. Dabei werden die Saiten so geschoben und gezogen, dass die charakteristischen Blue-Notes entstehen, die das besondere Blues-Feeling bewirken. Und dann seine Stimme – es scheint, als seien seine Stimmbänder mit Schmirgelpapier aufgeraut worden. Jedenfalls kann ein Wanderarbeiter aus dem Süden der USA nicht „schwärzer“ singen als Ignaz Netzer. Klaus „Mojo“ Kilian zeigte sich als Meister der diatonischen Blues-Mundharmonika. Er verstand es, Netzers Gesang zu umspielen und ließ seine kleinen Instrumente in seinen Soli schluchzen, jubilieren und rhythmisch schmatzen, dass es eine Freude war. 

Nun zeigte sich, dass beide Musiker jeweils auch das Hauptinstrument des Kollegen beherrschen, so dass immer wieder interessante Wechsel der Instrumente und des Gesangs erfolgte. Ein besonderes Schmankerl war Sonny Boy Williamsons Blues „Bye Bye Bird“, der ohne Gitarrenbegleitung mit zwei Mundharmonikas gespielt wurde, kräftig unterstützt vom rhythmisch klatschenden Publikum. 

Wahre Begeisterungsstürme erntete „Mojo“ als er mutterseelenallein mit einer Mundharmonika auf der Bühne stand und die Jazzfans auf eine Reise in einem Zug mitnahm, den man bei geschlossenen Augen buchstäblich durch die Schlosskapelle dampfen hörte. Katzenfreund Ignaz Netzer trug als Solist einige seiner Kompositionen vor, die sich um seinen Kater Willy bzw. die entlaufene Katze Bessie drehten, welche mit „Bessie please come home“ wieder den Weg nach Hause fand. Doch auch der echten Bessie Smith, der „Empress of the Blues“, wie ihr Ehrentitel hieß, wurde mit ihrem „Backwater Blues“ gedacht.

Neben Eigenkompositionen Netzers wurden alte Bluesaufnahmen wieder lebendig gemacht, beispielsweise mit einer echten Blechgitarre aus dem Jahr 1932, mit der Mississippi Fred McDowells „You Gotta Move“ begleitet wurde. Natürlich durfte auch als Reminiszenz an das legendäre Blues-Paar Sonny Terry und Brownie McGhee deren „Walk On“ nicht fehlen, wobei das Publikum kräftig singend die Antworten zu Netzers Phrasen setzte. 

Die beiden Musiker gestalteten den Abend ausgesprochen kurzweilig und Netzers launige Ansagen sorgten immer wieder für Heiterkeit. Als ehemaliger Pädagoge kam er auch seinem Bildungsauftrag nach und erläuterte in Kurzform den Unterschied zwischen Blues und Gospel: Gospel – eher in der Kirche, Blues – eher in der Kneipe; beim Blues singt nur einer … 

Mit Blind Blakes „Police Dog Blues“ wurde das Konzertende angekündigt und schließlich nach zwei Zugaben mit dem Traditional „Will the Circle be Unbroken“ vollzogen. Das zufrieden summende und Finger schnipsende Publikum verließ nach einem erlebnisreichen Konzert die Schlosskapelle, dabei waren sicher einige Hände rot vom Klatschen.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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