Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Ein Ausflug ins Dixieland

Die Bosch All Stars begeisterten die Jazzliebhaber im Köngener Schloss

Bosch All Stars - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 27.01.2017
Die Bosch All Stars zeigten eine unbändige Spielfreude. Foto pm

Die Freunde des klassischen Jazz kamen am vergangenen Freitag in der proppenvollen Köngener Schlosskapelle voll auf ihre Kosten, denn die sechs Musiker entfachten ein Feuerwerk an altbekannten und lieb gewonnenen Dixieland‑Standards.

Mitarbeiter der Robert Bosch GmbH spielen seit Mitte der 1980er‑Jahre zusammen bei den Bosch All Stars. Der in manchen Betrieben beklagte Burn‑out der Mitarbeiter hat diese Gruppe offensichtlich nicht erreicht, denn die Musiker spielten mit einer unbändigen Spielfreude, obwohl einige schon im Rentenalter sind.

Zu Ehren des Firmengründers erklang dann auch als Eröffnungsstück der Blues „Solid Old Man“. Trompeter Michael Habele führte launig durch den Abend und glänzte mit einer strahlenden Lead‑Trompete, die er dynamisch und flüssig, mitunter in enormer Höhe, zu spielen verstand. Posaunist Walter Scherer blies ganz in der Tradition der Tailgate‑Posaunisten im alten New Orleans mit kräftigem, teils rauem Ton. Als sicherer Stilist prägt er auch mit vielen Arrangements den Stil der Band. Die Blechbläser wurden virtuos umspielt von Manfred Schütt mit seiner Klarinette und gelegentlich mit Tenorsaxofon oder Querflöte. Er lotete alle Register seines Instruments aus, vom einschmeichelnden tiefen Schalmeienklang bis in die höchsten Höhen, alles mit vollem Körpereinsatz.

Michael Habele und Manfred Schütt betätigten sich auch als Sänger, wobei die Jazzfreunde besonders angetan waren von verschiedenen selbst verfassten, witzigen deutschen Texten zu altbekannten Stücken. Die Melodiespieler konnten sich auf eine präzise agierende und swingende Rhythmusgruppe stützen mit Norbert Schmidt am Banjo, Karl‑Otto Schmidt an der Tuba und am Kontrabass sowie Karel Vlach am Schlagzeug. Die drei Rhythmiker boten die stabile Basis, auf der sich die Bläser ausleben konnten, glänzten aber auch durch eigene Soli.

Das Repertoire der Bosch All Stars bewegt sich im Genre des Oldtime Jazz von A wie „Ain’t she sweet“ über B wie „Basin Street Blues“ bis W wie „’s Wonderful“. Als Hommage an den großen Stuttgarter Trompeter Horst Fischer spielte und sang Michael Habele dessen Komposition „Nur ein armer Jazztrompeter“. Ein besonderes Schmankerl war „Sentimental Journey“, zu dem der befreundete Rolf Martin auf die Bühne geholt wurde, sodass der Song als Männer‑Gesangsquartett aufgeführt werden konnte. Jazzclub‑Vorstand Gerhard Götz hielt es dabei auch nicht mehr auf seinem Stuhl und so steuerte er noch einen Chorus mit seiner Klarinette bei. Zum großen Vergnügen des Publikums demonstrierte Rolf Martin schließlich noch seine Russischkenntnisse mit „Moskauer Nächte“.

Der Abend verging wie im Flug und war mit dem anvisierten Schlussstück „Blueberry Hill“ noch nicht zu Ende. Mit der Zugabe „Buona sera“ wurde das zufrieden summende Jazzvölkchen schließlich in die eiskalte Januarnacht entlassen.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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