Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Fränkischer Jazz im schwäbischen Köngen

The Dixie Bones aus Nürnberg begeistern in der Schlosskapelle

The Dixie Bones - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 23.03.2018

Der Bandname der fränkischen Gruppe ist etwas irreführend, denn er signalisiert, dass sich das Repertoire der Band auf Dixieland beschränkt. Weit gefehlt: Das Quartett ist außerordentlich vielseitig und hat ein breit gefächertes Programm. Neben typischen Dixieland-Klassikern wie „Royal Garden Blues“ oder „The World is Waiting for the Sunrise“ wurden Swingstücke wie „Christopher Columbus“, „Puttin‘ on the Ritz“ oder Lester Youngs „Jumpin‘ with Symphony Sid“ zum Besten gegeben, allesamt pfiffig arrangiert und mit schlafwandlerischer Sicherheit dargeboten. Eine Reminiszenz an die Rhythm & Blues-Zeit boten „Let the Good Times roll“ und “Kidney Stew” von Eddie ‚Cleanhead‘ Vinson, vom sachkundigen Publikum bestens unterstützt durch Klatschen auf die Taktteile zwei und vier.

Das Faszinierende an der Vielseitigkeit des Quartetts war die Besetzung: Nur vier Mann, aber was für welche! Mathias Rösel spielte eine fantastisch flüssige und swingende Klarinette und auf Sopran-, Alt- und Tenorsaxophon hatte er die ganze Intonationsbandbreite drauf vom einschmeichelnden Hauchen bis zu expressiven Flageolett-Tönen. Gitarrist Peter Pelzner brillierte mit virtuoser Technik, gepaart mit erdigem Bluesfeeling. Mit vollem Körpereinsatz verstand er es, über viele Chorusse Spannung aufzubauen und irgendwann wieder zu entladen. Beide Frontmänner waren auch gelegentlich als Sänger bzw. Blues Shouter zu hören.

Christian Tournay sorgte am Schlagzeug für einen soliden swingenden Rhythmus und trieb die beiden Solisten mit seinen rhythmischen Akzenten zu Höchstleistungen an. Mit einem fulminanten Schlagzeugsolo in „Jambalaya“ brachte er die Schlosskapelle zum Kochen. Bandleader Norbert Weigand spielt – man höre und staune – weder Kontra- noch E-Bass, sondern Tuba, und das marschierte, dass es eine wahre Wonne war. Sein Walking Bass zusammen mit dem Schlagzeug bildeten einen derart stabilen Rhythmus, dass der Gitarrist getrost von der Begleitung zur Melodiestimme wechseln konnte, ohne ein großes Loch entstehen zu lassen.

Das sehr unterhaltsame Quartett hatte ein paar besondere Schmankerln im Gepäck: Bei „Honeysuckle Rose“ verließen sie die Bühne, nahmen mitten im Publikum Platz (es wurde dort ein bisschen eng und gemütlich) und spielten unplugged. Anstelle auf der Tuba blies Norbert Weigand auf einem Tenorhorn und Peter Pelzner wechselte von der Gitarre zur Ukulele. Das Publikum war so fasziniert und mucksmäuschenstill, dass sogar ein auf der Ukulele gezupftes Solo in der Schlosskapelle gut zu hören war. Auch das selten gehörte „Sleeping Susan“ von Illinois Jacquet, nur mit Tuba und Gitarre gespielt, wurde zu einem besonderen Ohrenschmaus.

Der Abend mit dem sympathischen Quartett aus Nürnberg verging wie im Flug und wie zu erwarten wurden die vier Musiker erst nach zwei Zugaben von der Bühne entlassen. „When the Saints go marchin‘ in“ und „What a Wonderful World“ begleiteten die Jazzfreunde in die kalte Märznacht.

Bilder vom Konzert

 

 

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