Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Jazz auf gut Deutsch

Sabine Petrich und Regina Büchner waren mit Band zu Gast im Jazzclub „Schloss Köngen“

Sabine Petrich und Regina Büchner mit Band - Jazz-Konzert am 26.02.2016 im Jazzclub "Schloss Köngen"
Die beiden Frontfrauen, die Jazzsängerin Sabine Petrich (vorne links) und die Saxophonistin Regina Büchner (vorne rechts), bestimmten den Abend. Mit Benedikt Moser am Flügel (links), Rainer Frank am Kontrabass (Mitte) und Daniel Messina am Schlagzeug (rechts) wurden die beiden Frontfrauen von einer phantastischen Rhythmusgruppe begleitet. Foto: H. Stange.

Welcher Jazzfreund kennt nicht Richard Rogers’ „Blue Moon“? Dass dieser fast ein wenig angestaubte Jazz‐Klassiker aber plötzlich „Gudrun“ heißt und dass im deutsch gesungenen Text von deren Hormonproblemen die Rede ist, überrascht doch etwas.

Die Gruppe um die Sängerin Sabine Petrich und die Saxophonistin Regina Büchner hat sich der Aufgabe verschrieben, Jazz‐Standards mit pfiffigen deutschen Texten aufzupeppen. Dass ihnen dies in hervorragender Weise gelungen ist, zeigten die vielen schmunzelnden Gesichter in der Köngener Schlosskapelle am Freitag. Sabine Petrich führte mit launigen Worten durch den Abend und stellte die Blöcke mit den Themen Liebe und Lust, Laster und Frust verbindend zusammen. Mit ihrer wandlungsfähigen Stimme fragte sie einerseits zart „Oder bin ich am Ende verliebt?“, um dann andererseits als Soulröhre mit James Browns „I feel good“ beziehungsweise „Ich hab’ Wut“ oder mit dem Blues „Black Coffee“, auf Bayerisch „I mog net ins Büro“, die dunklen Seiten des Lebens aufzuzeigen.

Sabine Petrich wurde kongenial begleitet von Regina Büchner, die zu den besten deutschen Saxophonistinnen zählt. Mit ihrem kräftigen, runden Ton und ihren virtuosen Läufen (man fragt sich manchmal, woher die zierliche Person die Luft nimmt) spann sie ihre Improvisationsfäden zu einem immer dichteren Netz. Sie versteht sich meisterhaft darauf, Spannungen auf‐ und abzubauen. Als Komponistin aller rein instrumental dargebotenen Stücke sowie einiger Songs drückte sie dem Abend ihren sehr persönlichen Stempel auf.

Die beiden Frontfrauen wurden von einer phantastischen Rhythmusgruppe begleitet. Benedikt Moser am Flügel strahlte permanent gute Laune aus. Ihm saß sichtlich der Schalk im Nacken, und so fand er während seines brillanten Pianospiels noch die Muse, mit den beiden Damen sowohl musikalisch als auch physisch zu flirten. Rainer Frank sorgte mit seinem herrlich singenden Kontrabass für das harmonische Fundament und glänzte mit gehaltvollen Soli. Der gebürtige Argentinier Daniel Messina am Schlagzeug entpuppte sich als Meister komplexer Rhythmen und setzte genau im richtigen Moment die passenden Akzente. In Dizzy Gillespies „Night in Tunesia“ – pardon: „Martin im Schrank“ – fesselte er die Jazzfreunde mit einem fulminanten Solo.

Nach dem sowohl musikalisch als auch sprachlich abwechslungsreichen Abend wurden die Besucher mit der Zugabe „Wilde Kartoffeln“, einer Reminiszenz Regina Büchners an ein griechisches Lokal in Stuttgart, aus der warmen Schlosskapelle in die eiskalte Februarnacht entlassen. Büchners Eingangsstück „Where’s the Exit?“ war damit auch beantwortet.

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