Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Jazz und Gleichberechtigung

Rundum wunderbares Konzert des „Köngener Schloss-Swingtetts“ in der Schlosskapelle

Köngener Schloss-Swingtett am 23.06.2017 im Jazzclub Köngen
Das „Köngener Schloss-Swingtett“ bot am Freitagabend ein feines Konzert. Foto: Peter Dietrich

Wer etwas kann, muss wenig Aufhebens darum machen, er tut es ganz einfach. So agierten die fünf Könner des „Köngener Schloss-Swingtetts“ auf der kleinen Bühne der Köngener Schlosskapelle am Freitagabend mit gewaltigem Understatement.

Der Gitarrist Hans Rotter stand fast unbeweglich da, nur seine Finger bewegten sich, als ob das gar nichts Besonderes wäre. Dabei tanzten sie über die Saiten und entlockten ihnen die abenteuerlichsten Töne und Läufe.

Bandleader Gerhard Götz tauschte seine beiden Saxophone immer wieder gegen die Klarinette, er war nicht der einzige Musiker nach dem „Spielst du eines, kannst du alle“-Prinzip: Für „Honeysuckle Rose“ gab der Bassist Rolf Martin seinen Kontrabass an den Pianisten Edgar Holl ab und griff stattdessen zur Gitarre, das Stück gab es nur mit Saiteninstrumenten und Gesang zu hören. Martin und Holl sangen beide auch noch, und das gut.

Nur Hans Madlinger blieb stets seinem Schlagzeug treu. Was nicht heißt, dass er stets im Hintergrund blieb: Bei „Cute“ durfte er sich beim Solo einmal so richtig austoben. Die fünf Musiker harmonierten hervorragend – ein paar kurze Blicke, und es war klar, was als Nächstes kommt.

Das passte prima zum gleichberechtigten Jazz: Kein Starsolist steht ständig im Vordergrund und die anderen stets hintendran, jeder darf sich mal beim Solo seinen verdienten „Szenenapplaus“ abholen. Diesen gab es in der Schlosskapelle sehr häufig, von einem sehr aufmerksamen Publikum, das dem in der Oper an Konzentration in nichts nachstand.

Ob denn der Mann von der Presse zufällig einen Mitschnitt von „Alle meine Entchen“ habe? Die freundliche Nachfrage einer begeisterten Zuhörerin nach dem Konzert war sehr verständlich. Nein, er hatte nur Fotos und Notizen, aber das Kinderlied war trotzdem ein Höhepunkt des Konzerts. Mit ihm zeigte Edgar Holl, worauf es im Jazz ankommt: „Man braucht eine gute Basismelodie.“ Zuerst spielte er sie ganz puristisch, dann mit Schnörkeln im Stil von Mozart. Halt, da fehlt der Tiefgang, also in Moll auf Beethovens Art. Nun, das ist ein wenig düster, also besser wie der Walzerkönig Strauß. „Smetana hat es als Moldau verkauft“, sagte Holl und spielte auch diese entsprechend, und letztlich wurde es dann jazzig.

Mit seinen insgesamt 22, oft sehr bekannten Stücken deckte das Quintett innerhalb des Jazz eine große Bandbreite ab, von Ragtime und melancholischen Balladen bis zum wunderbar leichten „Summer Samba“. Dazu gab es erfrischend launige Anmerkungen von Rolf Martin. „Fly Me To The Moon“ sei das erste Stück, das auf dem Mond gespielt wurde, bei Apollo 11 war ein Kassettenrecorder dabei. „Ohne Atmosphäre hörte es dort allerdings keiner“, ergänzte Martin, der emeritierter Physikprofessor ist.

Es möge nicht beim „Bye Bye Blackbird“ bleiben, mögen diese regionalen Jazz-Größen noch öfters zusammen auf der Bühne stehen. Sie haben es zum Glück vor. Fehlt ihnen etwas? So eine jazzige Damenstimme als Gast, das könnte eine gute Ergänzung sein. Fehlte den Zuhörern etwas? Hätte es seine Zugabe noch etwas vehementer eingefordert, hätte es neben „Mister Sandman“ vielleicht auch noch „What A Wonderful World“ bekommen. Das stand als Reserve auf der angenehm langen Titelliste.

Bilder vom Konzert

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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