Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Kammerjazz mit schwebenden Klängen

„Voice and Vibes“ gastierten im Köngener Schloss

Gisela Hafner - Voice and Vibes - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 24.02.2017
Die Chemie stimmte zwischen Band und Sängerin Gisela Hafner. Foto: Horst Stange

Das Quartett um Gisela Hafner präsentierte stimmungsvollen konzertanten Jazz auf höchstem Niveau am Freitag. Die Paarung der rauchzarten Altstimme der Sängerin mit dem schwebenden Sound von Roland Webers Vibraphon zauberte ein ganz besonderes Klangerlebnis in die Kapelle des Köngener Schlosses. Gisela Hafner überzeugte mit einer glasklaren Intonation und einer geschliffenen Aussprache, sodass die Texte ihrer Songs sehr gut zu verstehen waren. In gekonnter Jazzmanier variierte sie einfallsreich ihre Themen, scattete mit ihren Kollegen um die Wette und war dabei rhythmisch traumwandlerisch sicher. Die filigrane Begleitung wurde neben Webers Vibraphon von Martin Wiedmann an der Gitarre und Fritz Heieck am Kontrabass gestaltet.

Ganz offensichtlich stimmte die Chemie zwischen den Akteuren, und das perfekte Zusammenwirken der Gesangsstimme mit den kongenialen Kollegen an Vibraphon und Gitarre produzierte einen musikalischen Hochgenuss. Gitarrist Martin Wiedmann wechselte ständig nahtlos zwischen Akkordbegleitung und Melodielinien und glänzte durch exzellente Soli. Obwohl kein Schlagzeug agierte, wurde der Rhythmus und das Metrum unbeugsam aufrecht erhalten, was vor allem das Verdienst des Bassisten Fritz Heieck war, der sowohl als Begleiter als auch als Solist begeisterte.

Das Repertoire des Abends umfasste vor allem Swing-Standards mit einer offensichtlichen Vorliebe für Gershwin-Songs, wobei selbst alte Gassenhauer wie „Lady be good“ in neuen und interessanten Varianten interpretiert wurden. Gisela Hafners Liebe für Balladen brachte ein Wiederhören mit Ann Ronells „Willow weep for me“ und Freddie Hubbards „Little Sunflower“.

Lautmalereien, die an zirpende Grillen und Insektensummen in einer schwülen Sommernacht in den Südstaaten erinnerten, bildeten die stimmungsvolle Einleitung zu Burton Lanes „Old Devil Moon“. In der Eigenkomposition „Here and Now“ von Gisela Hafner und Werner Acker lag die Aufforderung, auch die kleinen Dinge im Leben bewusst wahrzunehmen und im Hier und Jetzt zu leben. Passend zum Charakter des Stücks schaffte die – ausnahmsweise – elektronisch verzerrte Gitarre einen fetten Klangteppich.

Ein besonderer Leckerbissen war George Gershwins „I got Rhythm“, das nach einer balladenartigen Einleitung in flottes Tempo überging und in einem halsbrecherischen von Gitarre, Bass und Scatstimme unisono vorgetragenen Spezialchorus gipfelte.

Mit „Why Not?!“, einer weiteren Komposition Gisela Hafners ging das anspruchsvolle Konzert von Voice and Vibes im Köngener Schloss zu Ende, gefolgt von der Zugabe „I wish you Love“. Kann es einen schöneren Abschiedsgruß geben?

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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