Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Packender Jazz aus der goldenen Ära

Ellen & Bernd Marquart Quartett begeistert im Köngener Schloss

Ellen & Bernd Marquart Quartett - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 19.05.2017
Von links: Ellen Marquart, Bernd Marquart, Hans Joachim Weiss und Joe Kukula – das Quartett zog alle Register. Foto: Horst Stange

Nach einer Pause von neun Jahren holten die Programmgestalter des Köngener Jazzclubs wieder einmal das deutsch-amerikanische Musikerehepaar Ellen und Bernd Marquart aus Wernau mit ihrem Quartett nach Köngen und setzten der Veranstaltungsreihe erneut ein besonderes Glanzlicht auf.

Ellen und Bernd Marquart sind ein perfekt aufeinander abgestimmtes Paar – er an Trompete und Flügelhorn, sie am Piano und Gesang. Vor allem auf dem Flügelhorn zeigte Bernd seine enorme Fingerfertigkeit und Wandlungsfähigkeit des Tons; so spielte er in langen Improvisationschorussen von den weichen, tiefen Lagen bis in enorme Höhen mit Dynamik und großer Musikalität. Als kongenialer Partner fügte er sich begleitend in Ellens Gesang ein, die mit ihrer facettenreichen Stimme sowohl in Balladen als auch in schmissigen Swingstücken begeisterte. Ellen Marquart demonstrierte mit virtuosem Klavierspiel, dass sie nicht umsonst in ihrem Heimatland USA mehrmals den ersten Platz im klassischen Pianospiel belegen konnte.

Die beiden Marquarts wurden von einer phantastischen Rhythmusgruppe unterstützt, die präzise wie ein Uhrwerk swingte. Hans Joachim Weiss sorgte für die tiefen Töne und Harmonien mit seinem federnd gespielten Kontrabass. Er sorgte für Spannung mit atemberaubenden Soli etwa in George Lewis‘ „Django“ oder mit gestrichenem Bass in „Come Rain or Come Shine“ von Harold Arlen. Joe Kukula am Schlagzeug sorgte für enormen Drive und setzte im richtigen Moment die perfekten Akzente in der jeweils passenden Lautstärke. Seine überragende Technik bewies er in mehreren fulminanten Soli, wie etwa in „Caravan“ oder „After you’ve gone“.

Das Repertoire des Quartetts schöpfte aus dem großen Schatz des Jazz der 1920er bis 1950er Jahre, gelegentlich als das Goldene Zeitalter des Jazz bezeichnet, ergänzt durch eigene Kompositionen des Ehepaars Marquart wie das Up-Tempo-Eröffnungsstück „Line Up“ und „Hello, Venus … Goodbye Mars“, einer flotten Salsa. Atemlose Stille und anschließend tosenden Applaus erntete das Duo Marquart für seine Interpretation von George Gershwins „It ain’t necessarily so“. Ebenso ohne Bass und Schlagzeug spielten sie die Eigenkomposition „Uncle Shreddie“, einen Boogie, bei dem sich zeigte, dass Ellen auch die Boogie-Bässe rollen lassen kann.

Das Marquart Quartett beendete sein abwechslungsreiches Konzert durch das „Golden Age of Jazz“ mit „That’s a plenty“ als Zugabe. In diesem mit enormem Tempo vorgetragenen Dixieland-Klassiker zogen die vier Musiker noch einmal alle Register und verabschiedeten sich damit von einem hoch zufriedenen Publikum.

Bilder vom Konzert

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