Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Paganini mal vier auf zwanzig Saiten

Martin Schnabels Hot Club Quartett im Köngener Schloss

Martin Schnabels Hot Club Quartett - Jazzclub Köngen - 24.06.2016
Martin Schnabel (rechts) machte seinem Ruf als Esslinger „Teufelsgeiger“ im Köngener Schloss alle Ehre. Foto: Stange

Nach zehn Jahren gab es endlich ein Wiedersehen und –hören mit dem Quartett des bekannten Esslinger Geigers Martin Schnabel. Django Reinhardt und Stephane Grappelly, die Protagonisten des legendären „Quintette du Hot Club de France“, haben in seinem Quartett würdige Nachfolger gefunden.

Martin Schnabel machte seinem Ruf als Esslinger „Teufelsgeiger“ alle Ehre, spielte er doch seine elektronisch verstärkte Geige mit atemberaubender Virtuosität. Vom wehmütigen Schluchzen bis zum überschäumenden Jubilieren entlockte er seinem Instrument alle Nuancen des Geigenspiels. Auch optisch war es eine Freude zu beobachten, wie er – stets den Schalk im Nacken – sein Instrument bearbeitete und mit den Kollegen korrespondierte.

Der Rhythmus wurde geliefert von den Gitarristen Werner Acker und Frank Wekenmann sowie von Hansi Schuller am Bass. Die beiden Gitarristen teilten sich brüderlich die Aufgaben der Begleitung und des Solospiels, wobei sich reizvolle Unterschiede zeigten sowohl hinsichtlich des Klangs der Instrumente als auch bezüglich der musikalischen Auffassung der Spieler. Frank Wekenmann schlug seine akustische Gitarre im typischen Stil des Jazz Manouche, mit jener scharfen rhythmischen Akzentuierung, die auch als „la pompe“ (die Pumpe) bezeichnet wird. Als „Django-Spezialist“ zelebrierte er gekonnt den von Django Reinhardt komponierten Walzer „Chez Jacquet“ sowie dessen „Troublant Bolero“. Werner Acker, der eher vom modernen Jazz herkommt, spielte seine weiche Gibson-Gitarre mit viel Gefühl und bluesigen Elementen. Besonders packend geriet Ackers soulige Komposition „Rumba Blues“.

Hansi Schuller schließlich am Kontrabass sorgte für das harmonisch-rhythmische Fundament und ließ mit seinem solide gespielten Bass ein Schlagzeug nicht vermissen. Unbeirrbar von den Eskapaden seiner Mitstreiter stand er wie ein Fels in der Brandung und sorgte für einen konstanten Beat.

Das Repertoire des Quartetts enthielt klassische Swing-Standards von A wie „All of me“ bis T wie „Things ain’t what they used to be“, dem mitreißend gespielten Blues von Mercer Ellington. Natürlich durften Django Reinhardts Hits wie „Minor Swing“ und „Nuages“ nicht fehlen sowie südamerikanische Rhythmen wie „Bossa Dorado“ oder „Manhã de Carnaval“ (Black Orpheus).

Die Musik des Hot Club Quartetts fesselte die gebannt lauschenden Jazzfreunde, deren Spannung sich immer wieder in frenetischem Beifall entlud. Mit der Zugabe „Ich liebe die Sonne, den Mond und die Sterne“ wurden schließlich die hoch zufriedenen Zuhörer in das einsetzende Nachtgewitter entlassen.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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