Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Ragtime mit ungarischem Temprament

Die Budapest Ragtime Band bot im Köngener Schloss alles, was Oldtime-Jazz ausmacht

Budapest Ragtime Band - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 23.09.2016
Dixieland, Jazz, Swing und natürlich Ragtime: Die Budapest Ragtime Band begeisterte das Köngener Publikum.

Das Auftaktkonzert zur Herbst-Konzertsaison des Köngener Jazzclubs war ein voller Erfolg. Ein begeistertes Publikum konnte in der gut gefüllten Schlosskapelle die enorme Bandbreite des Orchesters aus Budapest genießen und fühlte sich dabei spürbar wohl.

Der Bassist und Bandleader Ferenc Gayer hat mit seinen meist jungen Profimusikern eine hervorragende Mannschaft um sich versammelt, die in der Lage war, seine technisch und rhythmisch anspruchsvollen Arrangements perfekt zu spielen. Die Blechbläser Sándor Csárics – Trompete – und Bálint Kiss – Posaune – wurden nicht wie in den meisten Jazzbands durch eine Klarinette oder ein Saxofon ergänzt, sondern durch eine Violine. Tibor Antal spielte seine Geige mit enormer Verve und zeigte sich als überragender Improvisator. In der swingenden Rhythmusgruppe spielte neben Ferenc Gayer am Kontrabass der präzise agierende Schlagzeuger Janos Weszely sowie der in allen Stilen sattelfeste Pianist Ferenc Stein. Eine echte Rarität aber ist die Verstärkung durch ein Xylofon, meisterhaft gespielt von Jósef Széki, der sowohl in der Melodie- als auch in der Rhythmusgruppe mitmischte und durch das Programm führte.

Der Bandname verpflichtet und so waren natürlich mehrere Rags im Programm, meist von Altmeister Scott Joplin, wie „Maple Leaf Rag“, „Original Rags“ sowie der aus dem Film „Der Clou“ bekannte „Entertainer“. Besonders bei den Rags mischten sich die präzisen Bläsersätze und das quirlige Xylofon auf reizvolle Weise. Neben Ragtime beherrschen die Musiker natürlich auch modernere Stile und die Leichtigkeit, mit der sie imstande waren, das Genre zu wechseln, war verblüffend. In wechselnden Besetzungen wurden federnd groovende klassische Swing-Standards wie „Lady be good“ oder „Bei mir bist du schön“ gespielt, gefolgt von typischen Dixieland-Gassenhauern wie „At the Darktown Strutters Ball“.

Die unbändige Spielfreude der BRB machte auch vor „ernster“ Musik nicht Halt. So wurde ebenso Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ in neuem Gewand vorgestellt wie Khatchaturians „Säbeltanz“. Auch in Bizets „Carmen“ fanden sich jazzige Melodien, die verdächtig nach „Tiger Rag“ klangen. Besonders eindrucksvoll war ein Medley aus Franz Lehárs „Land des Lächelns“, interpretiert im Trio mit Klavier, Bass und Schlagzeug, bei dem die große Bandbreite und der Ideenreichtum des Pianisten Ferenc Stein voll zur Geltung kamen.

Außer mit ihren musikalischen Qualitäten begeisterten die sieben ungarischen Musiker die Köngener Jazzfans auch mit vielen humorvollen Show-Einlagen. Da liefen zu Duke Ellingtons „Caravan“ Beduinen über die Bühne und während der Stakkato-Läufe zu „Wilhelm Tell“ wurde der Xylofonspieler ein Opfer des Apfelschusses. Man konnte das Konzert also nicht nur mit den Ohren, sondern mit allen Sinnen genießen. Der kurzweilige Abend wurde schließlich stilvoll beendet mit der Zugabe „Bohemia Rag“ von Joseph Lamb.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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