Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Retrospektive auf hundert Jahre Jazzaufnahmen

Peter Bührs Flat Foot Stompers begeistern im Jazzclub

Peter Bühr & his Flat Foot Stompers - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 21.07.2017
Die Flat Foot Stompers erfreuten die Köngener Jazzfans mit Stücken aus 100 Jahren Jazzgeschichte - „Original Dixiland One Step“ war die erste Plattenaufnahme im Jahr 1917. Foto: Horst Stange

Den Freunden des klassischen Jazz wurde am vergangenen Freitag in der Köngener Schlosskapelle ein besonderer Leckerbissen serviert. Die Flat Foot Stompers um Peter Bühr nahmen die Tatsache, dass im Jahr 1917 die ersten Schallplattenaufnahmen des Jazz gemacht wurden zum Anlass, ein spezielles Programm zu diesem Jubiläum zusammenzustellen.

Passend zum Motto des Konzerts begannen die Flat Foot Stompers mit dem „Original Dixieland One Step“, jener Nummer der Original Dixieland Jass Band, welche als erste Aufnahme des Jazz gilt. Quasi als Vorschau auf den Abend wurde in dieses Stück alles eingebaut, was die Flat Foot Stompers ausmacht: Eine unglaubliche Präzision im Zusammenspiel der Bläser und der Rhythmusgruppe, packende und bis ins letzte Detail ausgefeilte Arrangements, virtuose Improvisationen und eine nicht nachlassende Intensität, mit der die Musik vorgetragen wurde.

Die Arrangements und einige Kompositionen stammen von dem überragenden Lead-Trompeter Andy Lawrence, der bläserisch unterstützt wurde von Thomas Oehme mit seiner geschliffenen Posaune sowie von Peter Bühr mit seinem quirligen Klarinetten- und Saxophonspiel. Letzterer führte mit interessanten Informationen über die Stücke und Geschichtchen über ihre Komponisten und Interpreten durch das Programm. Die klassische Rhythmus- und Harmoniegruppe wurde gebildet von Wolfram Grotz am Piano, Jörn Baehr an der Gitarre, Monika Haas am Bass und Will Lindfors am Schlagzeug.

Beachtliches improvisatorisches Können

Die vier Musiker sorgten für ein sattes, swingendes Fundament, auf dem sich die Bläser erst richtig entfalten konnten. Alle vier zeigten auch beachtliches improvisatorisches Können in ihren Soli. Besonders witzig gelangen „At the Jazz Band Ball“ und „Muskrat Ramble“, bei dem Andy Lawrence und Will Lindfors im Duett sangen, so wie es einst Louis Armstrong und Bing Crosby vormachten. Beide Musiker sangen in mehreren Stücken und in „Heebie Jeebies“ demonstrierte Andy Lawrence den Scatgesang, den Louis Armstrong mit diesem Stück „erfand“, als er während der Tonaufnahme den Text vergaß.

Das Repertoire der Flat Foot Stompers beschränkte sich natürlich nicht auf die Jazzaufnahmen der ersten Jahre, sondern mit typischen Swingstücken wie etwa „Seven Come Eleven“, in dem Jörn Baehr gekonnt an die Soli des legendären Gitarristen Charlie Christian anknüpfte, wurde die Brücke zu späteren Jazzstücken bis zu „Cabaret“ aus dem Jahr 1952 geschlagen. Die jüngsten Stücke freilich stammen aus der Feder von Andy Lawrence und entstanden alle nach 2010. Mit „Soprano Strut“ schrieb er ein Stück für Peter Bührs Sopransaxophon mit packendem Shuffle-Rhythmus und zündenden Riffs. In „Here we go again“ wurde die Rhythmusgruppe kurzzeitig suspendiert, während die Bläser ein fugenartiges Intermezzo einlegten, gefolgt von einem explosiven Coda. „The Chicken Hunter“ schließlich gab Will Lindfors die Gelegenheit, in einem fulminanten Schlagzeugsolo, während dessen die Kollegen die Bühne verließen, seine Fähigkeiten als Drummer mit vollem Körpereinsatz zu demonstrieren.

Zum großen Vergnügen des Publikums hatten die beiden Lokalmatadoren Gerhard Götz und Rolf Martin „zufällig“ ihre Klarinetten dabei und so konnten sie als Zugabe zusammen mit Peter Bühr die Köngener Jazzfreunde mit dem dreistimmigen „Creole Love Call“ in die Sommerpause verabschieden.

Bilder vom Konzert

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