Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Rollende Boogie-Bässe und tanzende Finger

Jens Wimmers Boogie Trio begeistert im Köngener Schloss

Jens Wimmers Boogie Trio - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 24.11.2017
Jens Wimmer (Piano), Alex Spengler (Kontrabass) und Flo Fischer (Schlagzeug) verbreiteten gute Laune im Köngener Schloss. Foto: Horst Stange

Die großen Boogie-Woogie-Pianisten der 1920er und 30er Jahre hätten ihre wahre Freude an dem jungen Trio aus Franken, das ihre Musik hochhält und weiter entwickelt. Der Boogie-Pianist Jens Wimmers beherrscht sein Metier aus dem Effeff. Erstaunlich ist diese völlige Unabhängigkeit von linker und rechter Hand: während die Linke einen unbeirrten Staccato-Rhythmus hämmert, bewegen sich die Finger der rechten Hand tanzend wie ein Derwisch über die Tasten der hohen Töne.

Boogie Woogie zu spielen ist sehr anstrengend, erläuterte Wimmers; zum Glück besitzt er genügend Kondition, um viele Stunden sein Klavier zu bearbeiten, ganz in der Tradition der Boogie-Woogie-Väter, die nächtelang in den Bars für die Tänzer ihre Musik machten.

Jens Wimmers wurde begleitet von zwei kongenialen Partnern. Alex Spengler am Kontrabass sorgte für das Fundament und glänzte durch ausgefallene Soli, gespickt mit Glissandi über sämtliche Lagen seines Instruments. Flo Fischer am Schlagzeug setzte mit traumwandlerischer Sicherheit im rechten Moment die richtigen Akzente. In „Roll 'em Pete“ begeisterte er die Zuhörer mit einem fulminanten Solo, wobei er schließlich die Bühne verließ und mit seinen Stöcken auf den Tischen der Gäste alles zum rhythmischen Klingen brachte, von den Gläsern über die Flaschen bis zu den Tischen selbst.

Jens Wimmers moderierte das Konzert in seiner sympathischen Art und erläuterte verschiedene Zusammenhänge. Natürlich durfte die Musik der großen Boogie-Pianisten nicht fehlen. Außer Pete Johnsons „Roll 'em Pete“ war Albert Ammons „Boogie Woogie Stomp“ und Mede Lux Lewis‘ „Honky Tonk Train Blues“ zu hören. In Letzterem wurde die Verwandtschaft des hämmernden Boogie-Basses mit dem rhythmischen Klopfen der Eisenbahnräder auf den Schienenstößen (damals noch nicht geschweißt) deutlich gemacht.

Das Trio spielte auch einige Stücke aus der Swing-Epoche wie „Chattanooga Choo Choo“, Duke Ellingtons „Don’t get around much anymore“ oder – in halsbrecherischem Tempo – Count Basies „Jumpin‘ at the Woodside“, aber alles in Boogie-Woogie-Manier. Sehr schön relaxed geriet Joe Turners „Sunday Morning Blues“, den Jens Wimmer allein vortrug.

Mit der Zugabe „Flip, Flop and Fly“, einem Erfolgshit von Big Joe Turner, später in der Rock 'n' Roll-Zeit u.a. von Elvis Presley und den Blues Brothers aufgenommen, verabschiedete sich das gut gelaunte und gute Laune verbreitende Trio von einem begeisterten Publikum.

Bilder vom Konzert

 

 

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