Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Sechs forsche Lehrer lassen’s feste swingen

„The Swinging Profs“ machen Köngener Schloss zum Auditorium Maximum

The Swinging Profs - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 24.03.2017
Die Swinging Profs erhielten heftigen Applaus für ihr dreistündiges Konzert. Foto: Reiner Wendang

Mit der Begrüßungsansage des Clubvorsitzenden Gerhard Götz, der eine famos skurrile Band ankündigte, und der Titelansage des Bassisten Rolf Martin „Viel Spaß bei dem nächsten traurigen Stück“ waren die Eckpunkte der „Lehr“-Veranstaltung jener swingenden Professoren schon klar. Es sollte eine dreistündige Lektion in Sachen Swingjazz, Humor, Vitalität und Spielfreude werden.

Der Professorentitel darf bei dreien wörtlich genommen werden, ist die Formation doch vor acht Jahren an der Esslinger Hochschule gegründet worden, die anderen drei sind zumindest auch lehrend tätig und den Erstgenannten ebenbürtig.

Beim ersten Stück „Perdido“ ging nichts verloren, vielmehr gewannen die Herren des Sextetts nacheinander die Bewunderung und Zuneigung der Zuhörerschaft. Klassisch erklangen Solochorusse von Trompete, Altsaxofon, Klavier, Sologitarre und Bass. Warum fehlt in dieser Aufzählung das Schlagzeug? Nun, weil es hier durch zwei Gitarristen ersetzt und deshalb nicht als fehlend empfunden wird. Der sich an obigem Soloreigen nicht beteiligende, dafür aber immer wieder singende Rhythmusgitarrist ist auch gleichzeitig der Primus inter pares der Formation, Rolf Scherzer.

Die Namen der anderen Akteure in jener Reihe sind, nach oben aufgeführtem Soloreigen Joachim Berkemer, Manfred Bauerle, Jürgen Gröner, Wolfgang Klawonn und Rolf Martin. Letztgenannter führte auch souverän und unterhaltsam durchs Programm. Seine Titelansagen zeugen von viel Hintergrundwissen und seine Einlassungen zu den Bandkollegen haben kabarettistisches Format.

Die beiden nächsten Titel sind von den Untiefen der menschlichen Zweierbeziehung inspiriert und in dem darauffolgenden Gipsyswing-Titel „Minor swing“ spielen nur die drei „Zupf“-Instrumente im Trio. Speziell Sologitarrist „Atze“ Klawonn kann seine Leidenschaft für Django Reinhardt hier nicht verbergen. Der Sprung zum Bossa nova „Corcobado“ gibt Trompeter und Saxofonist Gelegenheit, sich von ihrer „coolen“ Seite zu zeigen.

Eine ganze Reihe New-Orleans-Titel werden stilecht dargeboten und des Ansagers stimmungsvolle Beschreibungen lassen Alt-Köngen zum „Storyville“, einem dortigen Vergnügungsviertel und die ehrwürdige Schlosskapelle zur „Basin Street“ werden. Die Soli sind absolut inspiriert, beileibe nicht akademisch und erklingen von zupackend bis herzerweichend.

In Hochform ist auch Rolf Martin als Sänger, wenn er „mal gschwind“ einen Songtext ins Schwäbische übersetzt singt. Nicht erst bei „Besame mucho“, der Komposition einer bis dahin „ungeküssten“ 15-Jährigen zum Thema „Küssen“, wird das Zusammenspiel immer dichter und besonders die Trompetensoli immer unerhörter.

Den heftigsten Applaus erhält der nicht mehr ganz junge Alt-Saxofonist im – notgetauften – Stück „Undecided“, zu Deutsch „Unentschieden“. Das Publikum hat sich längst entschieden, den Studiengang bei dieser „Professorenschaft, die immer nach neuen Tönen forscht“ bis zum Abschluss fortzusetzen. In „Creole love call“, dem nächsten Höhepunkt, ziehen die musikalischen Akademiker drei Klarinetten aus den Ärmeln – auch mit Götz’scher Schützenhilfe, wie in „I’ll see you in my dreams“.

Wobei der Ausdruck „Hochplateau“ statt Höhepunkte besser wäre, denn von diesem hat man die beste Aussicht auf die „Sunny side of the Street“, die „Moskauer Nächte“ oder den „Moon River“. Bis dann nach drei Stunden der „Blackbird“ mit „bye, bye“ verabschiedet wird: ein Jazzkonzert, bei dem nicht nur mitgewippt, sondern auch mitgesungen wird, ist schon etwas nicht Alltägliches. Auch nicht im Köngener Schloss, wo meist jedes letzte Wochenende im Monat Konzert ist und zum Abschluss oft auch anwesende Musiker „mitjammen

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