Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Swing vom Missouri zum Neckar

„Blue Sheep“ zelebriert den Kansas City Jazz im Köngener Schloss

Jazzband "Blue Sheep" - Kansas City Swing
Blue Sheep Kansas City Swing beim Konzert am 22.01.2016 im Jazz-Club "Schloss Köngen" (Schlosskapelle)

Die Band um den Klarinettisten Manfred Schütt hat sich der Pflege des Kansas-City-Stils verschrieben, jener Spielform des Jazz, die etwa zwischen 1927 und 1935 in Kansas City entstand. In dieser Stadt am Missouri begegneten sich Musiker aus New Orleans und Chicago und entwickelten im Vergnügungsviertel „18th an Vine“ einen Swingstil, der durch ausgeprägte Riffs und einen jumpenden Beat gekennzeichnet ist.

Es ist das Verdienst der beiden Arrangeure Hans-Peter Ockert (Trompete) und Hansmartin Eberhardt (Tenor- und Baritonsaxophon), dass sie die Arrangements der Big Bands jener Zeit auf eine Besetzung mir drei Bläsern herunter gebrochen haben. So klangen die Sätze mit Trompete, Tenorsaxophon und Klarinette durchaus wie eine kleinere Big Band und erreichten gelegentlich auch deren Lautstärke. Trotz aller Satzarbeit und Riffs blieb den Solisten genügend Raum zur Improvisation, was auch in langen Chorussen genutzt wurde. H.P. Ockerts klare Linien wurden dabei kontrastiert durch Hansmartin Eberhardts voluminöses Saxophon. Manfred Schütt spielte abwechslungsreiche Soli auf Klarinette, Querflöte sowie Sopransaxophon mit teils vollem Körpereinsatz.

Die Rhythmusgruppe mit Harald Schwer am Piano, Andreas Fetzer an der Gitarre, Christian Brinkschmidt am Bass und Karl-Hermann Geiger am Schlagzeug sorgte für einen locker swingenden Untergrund, auf dem sich die Bläser entfalten konnten. Harald Schwer war in die Arrangements fest eingebunden und lieferte mit seinen perlenden Soli einen schönen Kontrapunkt zu den Bläsersätzen. Während die Kansas City Six, eine Untergruppe Count Basies Big Band, im legendären John-Hammond-Konzert 1938 in der New Yorker Carnegie Hall noch mit zwei Gitarristen auftrat, nämlich mit Freddie Green an der unaufdringlichen, aber enorm swingenden Rhythmusgitarre sowie Charlie Christian an der elektrisch verstärkten Melodiegitarre, schaffte Andreas Fetzer den Spagat, beide Spielweisen exzellent zu vereinen.

Das Repertoire von „Blue Sheep“ bewegte sich weitgehend im Bereich des Swing um die Protagonisten des Kansas-City-Stils. So durfte „Tickle Toes“ von Lester Young, dem Tenorsaxophonisten der Basie-Band ebenso wenig fehlen wie „Moten Swing“ von Bennie Moten, dessen Band nach seinem Tod 1935 von Count Basie weiter geführt wurde. Ein besonderes Schmankerl war Sidney Bechets „Moulin à Café“, bei dem Manfred Schütt seine Klarinette in allen Registern zum Jubeln brachte. Mit einschmeichelndem Ton zelebrierte er auch Klarinettenhits wie Sidney Bechets „Petite Fleur“ und Mr. Acker Bilks „Stranger on the Shore“.

Das Konzert endete mit einem wilden „Sing, Sing, Sing“, angelehnt an das Big Band Arrangement des Benny Goodman Orchesters, bei dem Karl-Hermann Geigers Schlagzeug, gespielt im Stil von Gene Krupa, eine fundamentale Rolle zufiel. Im Zugabenteil mit „I be serious ´bout dem Blues“ und „I can´t give you anything but love“ konnte schließlich auch Christian Brinkschmidt seine solistischen Fähigkeiten demonstrieren, bevor die Jazzfreunde in die kalte Januarnacht entlassen wurden.

 

 

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