Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Variationen über zwölf Takte

Blues und Boogie brachten die Schlosskapelle beim Auftritt von „Ladies sing the Blues“ zum Kochen

Ladies Sing The Blues - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 28.04.2017
Die Ladies Gina Dunn, Angela Brown und Scarlett Andrews und ihr Pianist Christian Christl (von links) mischten das Köngener Publikum im Schloss gewaltig auf. Foto: Horst Stange

Drei Blues-Sängerinnen und ein Pianist – das sind „Ladies Sing the Blues“, eine Gruppe, die mit Temperament und Hingabe jene amerikanische Musikrichtung verkörpert, die in der klassischen Form mit zwölf Takten auskommt. Das Repertoire des Quartetts reicht von den volkstümlichen Blues des frühen zwanzigsten Jahrhunderts bis zu aktuellen und eigenen Stücken der Gegenwart.

Christian Christl, der Mann am Klavier, hat als Regisseur die Fäden in der Hand und nach eigenem Bekunden sowohl die Frauen als auch die Tasten fest im Griff. Das mit den Tasten zeigte er gleich im Eröffnungsstück, dem flotten „Boogie for the Ladies“. Er beherrscht die rollenden Bässe, welche die linke Hand unbeirrt spielt, völlig losgelöst davon, was die Finger der rechten Hand klimpern. Christl führte mit launigen Worten durch das Programm und stellte nacheinander seine Ladies vor.

Den Anfang machte Gina Dunn aus Texas mit Dinah Washingtons „Evil Gal“ und schilderte mit starkem Blues-Feeling die Eigenschaften eines schlimmen Mädchens. Zu Gina gesellte sich Scarlett Andrews, die mit „Dream a little Dream of me“ ein eher untypisches Lied vortrug. In vielen späteren Stücken machte sie deutlich, dass auch weiße Frauen den Blues singen können. Schließlich wurde das Trio komplettiert durch die stimmgewaltige Angela Brown aus Chicago, die trotz ihrer enormen Leibesfülle mit größter Behändigkeit und viel Action ihr erstes Stück „Bern’s Blues“ zum Besten gab.

Christian Christl ist nicht nur ein Pianist, der mit allen Blues-Licks gewaschen ist, sondern auch ein beachtlicher Blues-Shouter. Im Klassiker „Bad, Bad Leroy Brown“ erzählte er die Geschichte des schlimmsten Burschen von der Southside Chicagos und in „Nobody knows you, when you’re down and out“ die Tragik, dass einen die Freunde verlassen, wenn man kein Geld mehr hat. Die drei Blues-Ladies, die an einem Tisch auf der Bühne Platz genommen hatten, traten sowohl einzeln, als auch miteinander in Aktion, wobei verschiedenste reizvolle Kombinationen gebildet wurden. Besonders eindrücklich gerieten „Cry me a River - Better World“ und „Sweet Home Chicago“, bekannt aus dem Film „Blues Brothers“, wobei man beim dreistimmigen „Baby, don’t you wanna go?“ durchaus eine wohlige Gänsehaut bekommen konnte.

Das begeisterte Köngener Publikum unterstützte die vier Künstler rhythmisch mit kräftigem Klatschen auf – wie es sich beim Blues gehört – die Taktteile zwei und vier. So verging der Abend wie im Flug und nach dem im Trio gesungenen „Singing our Blues“ ging es mit „Let the Good Times roll“ nahtlos über in den Zugabeteil. Mit einem ruhigen Medley aus „Georgia on my Mind“, „What a Wonderful World“ und “Somewhere over the Rainbow”, bei dem die Stücke nicht hintereinander gespielt und gesungen wurden, sondern kunstvoll ineinander verwoben, ging ein ereignisreiches Konzert zu Ende.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

Logo Nürtinger / Wendlinger Zeitung