Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Woodhouse: Jazz in abwechslungsreicher Mischung

Die Band aus dem Ruhrgebiet brachte mit Sängerin Gaby Goldberg ein Juwel ins Köngener Schloss

Woodhouse feat. Gaby Goldberg - Jazz-Club "Schloss Köngen", 22.04.2016
Woodhouse und Sängerin Gaby Goldberg: Jazz-Standards in Perfektion.

Nach vier Jahren Abwesenheit gab es ein Wiedersehen und -hören mit der exzellenten Band aus dem Ruhrgebiet und alle Fans von damals sowie einige neue kamen in die proppenvolle Schlosskapelle Köngens. Woodhouse, vor über 60 Jahren gegründet, erhebt den Anspruch, Deutschlands dienstälteste Band zu sein. Horst Janßen, der Senior der Band und ihr Leiter war zwar bei der Gründung noch nicht dabei, stieß aber kurz danach zur Gruppe. In seinen Ansagen machte er deutlich, dass das ganze zwar mit Dixieland begann, die Band dabei aber nicht stehen blieb, sondern sich moderneren Richtungen des Jazz öffnete. Und so war es auch im Köngener Konzert; es gab eine sehr abwechslungsreiche Mischung verschiedener Jazzstile.

Bereits beim fetzigen Auftakt mit Jelly Roll Mortons „King Porter Stomp“ zeigte sich das hervorragende Zusammenspiel der Bläser und die Raffinesse der Arrangements, die fast alle vom Schlagzeuger Rolf Drese stammen.

Der Belgier Hinderik Leeuwe blies eine saubere Lead-Trompete und glänzte mit flüssigen Improvisationen und enormer Höhe. In einem Solo mit Hoagy Carmichaels „Stardust“ verzauberte er die Hörer mit seinem herrlichen Trompetenspiel. Horst Janßen an der Posaune kultivierte mit kraftvollem Ton und mächtigen Glissandi die Spielweise der alten New Orleanser Tail-Gate-Posaunisten. Die beiden Blechbläser wurden umspielt von Waldemar Kowalski am Alt- und Tenorsaxophon und der Klarinette. In einem Soloauftritt mit „Night and Day“ zeigte er seine große Bandbreite auf dem Altsaxophon.

In der locker swingenden Rhythmusgruppe glänzte Georg Derks mit perlenden Läufen und wohl gesetzten Harmonien am Flügel. Das Fundament lieferte Andreas Scheel mit seinem federnd gespielten Bass, der auch als Solist überzeugte, beispielsweise in Duke Ellingtons „Drop me off in Harlem“. Am Schlagzeug schließlich hielt Rolf Drese die Fäden in der Hand und sorgte mit den richtigen Akzenten für die perfekte Umsetzung seiner Arrangements.

Mit Gaby Goldberg, einer international gefragten Sängerin, brachte Woodhouse ein echtes Juwel nach Köngen. Mit ihrer variationsreichen Stimme war sie in der Lage vom klassischen Swing „Almost like being in Love“ über den Bossa „Água de beber“ bis zum rockigen „For once in my life“ alles überzeugend zu interpretieren. Ein besonderes Highlight war die Ballade „The boy next door“, in der sie nur von Georg Derks am Klavier begleitet wurde und bei der man hätte eine Stecknadel fallen hören, so hingerissen lauschten die Jazzfreunde. In „Shiny Stockings“ schließlich fügte sich Gaby Goldberg nahtlos als vierte Stimme in den Bläsersatz ein.

Gegen Ende des Konzerts hielt es Clubvorstand Gerhard Götz nicht mehr auf seinem Platz und er steuerte mit seinem Altsaxophon noch einen Chorus zu „Take the A-Train“ bei. Das kurzweilige Konzert wurde schließlich beendet mit dem strammen Shuffle „Once I had a secret Love“ als Zugabe.

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