Von ALBRECHT NISSLER
Bill Evans gilt als einer der einflussreichsten Pianisten des Modern Jazz und stilbildend für eine ganze Generation von Musikern, zu denen Herbie Hancock, Keith Jarrett und Chick Corea gehören. Der amerianische Pianist, Komponist und Bandleader zeichnete sich auch dadurch aus, dass er seine Mitstreiter im Trio zu gleichberechtigten Partnern an Bass und Schlagzeug machte.
Ein Stipendium ermöglichte dem am 29. August 1929 in New Jersey geborenen Bill Evans Piano, Flöte und Musiktheorie zu studieren. Schon 1950 gelang ihm ein erfolgreicher Abschluss im Hauptfach Piano. Während der Ableistung seiner dreijährigen Militärdienstzeit schrieb er den Klassiker „Waltz For Debbie“ und kam dann 1954 nach New York, wo er sich zum ersten Mal dem modalen Jazz annäherte. Sein 1956 erschienenes Debütalbum „New Jazz Conceptions“ erweckte auch das Interesse von Miles Davies. Gleich die erste Aufnahmesession, an der Evans in den nur acht Monaten als Mitglied des Miles Davies Sextetts teilnahm, brachte vielleicht das beste Jazzalbum aller Zeiten hervor: „Kind Of Blue“. Sein kurzes Gastspiel bei Miles Davies katapultierte ihn dennoch in die Schlagzeilen der Jazzpresse und er gründete mit dem Schlagzeuger Paul Motian und dem Bassisten Scott LaFaro sein erstes festes Trio, das auf telepathische Weise miteinander zu kommunizieren verstand.
1962 unterschrieb er einen Vertrag beim Verve-Label und erweiterte seinen musikalischen Horizont, indem er sich neben seiner Arbeit im klassischen Klaviertrio auch auf die Big Band und das Streichorchester konzentrierte. 1970 verließ Evans das Verve-Label und stellte erneut das Spiel im Trio in den Mittelpunkt seines Schaffens.
Bill Evans, dessen Karriere immer wieder durch Drogenprobleme beeinträchtigt wurde, starb am 15. September 1980. Seine differenzierte Anschlagtechnik und seine außergewöhnliche harmonische Raffinesse hatten einen immensen Einfluss auf die Jazzpianisten aller nachfolgenden Generationen.