Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Weihnachtliches Ambiente im Glanz der Swing-Ära

Die Linda Kyei Swing Combo begleitet das Publikum im Jazz-Club Köngen auf eine nostalgische Reise

Linda Kyei Swing Combo - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 13.12.2019
Der Bühnenpräsenz von Linda Kyei konnte sich das Köngener Publikum nicht entziehen. Foto: Horst Stange.

Zum letzten Mal in diesem Jahr öffnete der Jazz-Club Köngen die Pforten der Schlosskapelle und verwöhnte sein treues Publikum nicht nur musikalisch, sondern auch durch ein wundervolles weihnachtliches Ambiente und das schon zur Tradition gewordene Gläschen Sekt.

Einzig und allein der Nikolaus hatte sich eine Auszeit genommen. Glück für diejenigen, die eine Eintrittskarte ergattern konnten, denn das Konzert war schon Mitte Oktober ausverkauft. So boten sich Linda Kyei mit ihrer Swing Combo die besten Voraussetzungen für ihr Debut in Köngen und das ist ihr und ihren fünf männlichen Mitstreitern meisterhaft gelungen.

Mit Charme und fast schon charismatischem Auftreten begleitete sie das Publikum auf eine nostalgische Reise in die zweite Hälfte der 1920er- und 1930er-Jahre. Mitgebracht hat die Band nicht nur wunderbare Titel der Swing-Ära, sondern verkörperte auch in einem Gesamtpaket den Glanz der damaligen Zeit, der die Tanzsäle in den USA durchflutete. Das Auftreten und Erscheinungsbild der Combo durch ihren mondänen und passenden Kleidungsstil stand in kongruentem Einklang mit dem dargebotenen Programm.

Auf der Bühne allesamt Vollblutmusiker, die den Swing zelebrieren und wieder neu aufleben lassen. Linda Kyei, stets der Dreh- und Angelpunkt, zeigte in Titeln wie „Puttin‘ On The Ritz“, „Straighten Up And Stay“ oder der Ballade „You Made Me Love You“ die ganze Bandbreite ihrer stimmlichen Variabilität. Meist hell und klar, in sicherer Intonation, manchmal auch in tieferen Tonbereichen gefühlvoll agierend, offenbarte sie große Flexibilität und die Fähigkeit, das Timbre ihrer Stimme blitzartig umzustellen. Ihr Griff zur Violine wie in „Splanky“ oder „Love Me Or Leave Me“ brachte noch zusätzliche Klangfarben in ihre Darbietung. Ihrer Bühnenpräsentation konnte sich niemand entziehen. Ihr Lächeln, ihre Mimik und Gestik, ihre Körpersprache nahmen die Zuhörer einfach mit. Ihre gesamte Ausstrahlung vom Swing beseelt. Unterstützt von ihren fünf hervorragenden Mitstreitern lief sie in allseits bekannten Titeln wie „Bésame Mucho“ oder „It Don’t Mean A Thing“ zur Hochform auf.

Benedikt Moser am Flügel, der kurzfristig für den Stammpianisten einsprang, der streikbedingt in Paris hängengeblieben war, bestach in allen Belangen. Locker und entspannt erfüllte er seinen Part und begleitete Linda Kyei in „When I Fall In Love“ auf überzeugende Weise. Dass er die Tasten absolut beherrscht, bewies er in zahlreichen Soloeinlagen mit differenziertem Anschlag, fulminanten akkordischen Passagen und versah angestaubte Stücke mit einem modernen Touch.

Am Tenorsaxofon und an der Klarinette entpuppte sich Carsten Netz als kongenialer Partner der Lead-Sängerin. In verschiedenen Formen der Interaktion trat er in Erscheinung, umrahmte äußerst elegant und einfühlsam ihre Stimme oder ließ sich auf ein Zwiegespräch mit ihrer Violine ein. Im Titel „Istanbul“ befreite er sich von allen musikalischen Zwängen und bot ein kontrastreiches Solo der Extraklasse.

Die drei Rhythmiker bildeten eine grundsolide Einheit, um den „Swing“ nachhaltig in Szene zu setzen. Andy Shepherd an der Gitarre und Sir Holley am Kontrabass ließen ihr Instrument immer wieder musikalisch durch perfekte und eingängige Soli funkeln, während Bandleader Andrew Andrews am Schlagzeug, Garant für Zuverlässigkeit und Präzision, das ganze Gebilde mit seinen Jazzbesen durch ein klares Metrum, saubere Übergänge und Weitsicht professionell in Gang hielt.

Nach der Zugabe „You Gave Me The Gate“ konnte sich das Publikum swingend und entspannt auf den Nachhauseweg in die Vorweihnachtszeit machen.

Bilder vom Konzert

 

 

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