Konzertbericht

„C’est si bon“ mit jazzigem Twist

Das Publikum erlebte in der Schlosskapelle einen genussvollen Abend mit dem Quintett Les For me-dables.

Les For me-dables, 18.11.2022 - Jazz-Club "Schloss Köngen"
Franco Ferrero, Peter Funk und Marc Delpy nahmen die Jazzfans im Köngener Schloss mit auf einen Kurzurlaub in Frankreich. Foto: Albrecht Nissler

Immer wieder lässt man sich im Jazz-Club Schloss Köngen von neuen Ideen inspirieren und bewegt sich abseits vom Traditional Jazz auf innovativem Terrain. Mit dem Quintett Les For me-dables war nun eine Band zu Gast, die sich dem französischen Chanson, dem Musette-Walzer oder dem Bossa Nova verschrieben hat.

„Wenn Sie vielleicht auch die Texte wenig oder gar nicht verstehen, macht das gar nichts, denn uns ist die Musik wichtig“, so drückte sich Bandleader Marc Delpy aus. Und tatsächlich konnte sich das Publikum in der bis auf den letzten Platz gefüllten Schlosskapelle an einem bunten Kaleidoskop an Melodien erfreuen, die alle Facetten von melancholisch bis heiter abdeckten. Die Zuhörer und Zuhörerinnen, die schon vor dem Konzert mit einem guten Tropfen aus Südfrankreich verwöhnt wurden, erlebten einen genussvollen Abend, der einen wunderbaren Kontrapunkt zu dem schon recht trüben Herbstwetter darstellte.

So erklangen in der Programmfolge weltbekannte Stücke wie „La mer“, „C’est si bon“ oder „Sous le ciel de Paris“, die immer wieder durch gefällige Eigenkompositionen aufgelockert wurden. Wie aus einem Guss präsentierten sich die vier Musiker und die in Köngen schon bekannte Regina Büchner. Feinfühlig und in guter Abstimmung umrahmte die Band die markante Stimme von Marc Delpy, glänzte durch dezente dynamische Nuancen, beendete die Titel mit abrupter Präzision oder verlor sich am Ende gelegentlich in dissonanten Klängen. Das Publikum honorierte das sehr abwechslungsreich gestaltete Programm, in dem immer wieder Swing-Elemente aufblitzten, mit großem Beifall.

In den richtigen Kontext stellte Regina Büchner am Sopran- oder Altsaxophon die Melodien und präsentierte so die Chansons auf jazziger Spur. In ihrer ganzen Professionalität und Brillanz bediente sie die beiden Instrumente. Ihr Ton geschmeidig, sanft, hell oder voluminös, ihre Intonation geschliffen, in der Spielweise fein differenziert, sorgte sie in gelegentlich rasanten Skalen mit wirkungsvollen „Offbeats“ für musikalische Finesse. Ihre Soli in „Bien dans le sud“ und „Ménilmontand“ entpuppten sich als Hörgenuss.

In seinen Darbietungen erwies sich Franco Ferrero als kongenialer Partner am Akkordeon. Auch er bestach immer wieder durch einen jazzigen „Touch“. Virtuos ließ er seine rechte Hand über die Tastatur gleiten, stellenweise in atemberaubendem Tempo in genialen Tonfolgen oder er begleitete mit rhythmisch sauberen Akkorden. Dem Titel „Petit fleur“ hauchte er durch ein wunderbares Solo noch zusätzlich Leben ein. Nur allzu schade, dass die Soli der beiden Instrumentalisten nicht länger waren, sondern dem Aufbau der Stücke angepasst, entsprechend kurz ausfielen.

Marc Delpy nimmt als Sänger, Gitarrist, Komponist, Bandleader und Moderator eine zentrale Stellung ein. Der aus Toulouse stammende Musiker hat sich mit Les For me-dables und kleineren Formationen ein Lebenswerk geschaffen. Souverän und versiert begleitet er an der Gitarre, singt dazu mit der dem Charakter des jeweiligen Stückes angepassten Stimme, in unterschiedlichen Tonhöhen, impulsiv, expressiv, weich, hart oder mit Charme. Ganz besonders gefällt auch seine Moderation, die unaufdringlich, locker und informativ rüberkommt. Alles in allem eine überzeugende und meisterhafte Leistung.

Peter Funk am Kontrabass legte mit sauber gezupften Tönen ein solides rhythmisches Grundgerüst. Seine Spiellust war ihm deutlich anzusehen. Am Schlagzeug bediente Robert Wittmaier meistens die Snare sehr dezent und gefühlvoll, wobei er gelegentlich zu einer Kombination aus Besen in der linken Hand und Stock in der rechten zur Erzeugung von „Rimshots“ griff. Beide Rhythmiker agierten komplett im Hintergrund, wurden aber ihrer Rolle voll und ganz gerecht.

Zwei Zugaben beendeten einen abgerundeten Abend mit französischem Flair.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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