Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Rumba, Salsa und Chansons

ARTango bezaubert das Publikum im Schloss Köngen. Thierry Saladin interpretiert französische Chansons mit Charme und Nostalgie. Dabei gab es eine lateinamerikanische Prise mit französischem Flair.

ARTAngo feat. Thierry Saladin
ARTango spielen seit 20 Jahren zusammen und feiern das Bühnenjubiläum unter erschwerten Bedingungen. Foto: Albrecht Nissler.

Das als Jazzstandard weithin bekannte Stück „Les feuilles mortes“ spiegelte den feuchtkalten Spätherbstabend treffend wider. Die Band ARTango mit dem französischen Sänger Thierry Saladin als Gast interpretierten dieses Lied und die im Titel erwähnten „toten Blätter“ gefühlsbetont auf ihre Weise. Der Jazz-Club Schloss Köngen wandelte mit der Einladung von ARTango wieder einmal auf innovativer Spur, denn die Band verlieh dem Programm eine gehörige Portion an lateinamerikanischer Prise. Ob es sich um einen anspruchsvollen argentinischen Tango, eine sentimentale Rumba oder energiegeladene Salsa aus Kuba, eine luftige brasilianische Samba oder einen knackigen Bossa Nova handelt, ARTango serviert die Musik nicht nur authentisch, sondern vermittelt auch die damit verbundenen Emotionen wie Lebenslust, Leidenschaft und Melancholie.

„Wir sind nun seit 20 Jahren unterwegs und ausgerechnet in unserem Jubiläumsjahr hat uns die Pandemie die Auftritte gehörig verhagelt“, so umriss Thomas Ott als Bandleader die momentane Situation. Und wie man den Musikern die Befreiung anmerkte. Anfangs noch etwas zaghaft, spielten sie sich besonders im zweiten Set in musikalische Höhen, die vom fachkundigen Publikum mit reichlich Beifall belohnt wurden. Die Zuhörer ließen sich nicht nur vom Können der vier Musiker bezaubern, auch Thierry Saladin steuerte in der Interpretation von Chansons mit Charme und Nostalgie zu einem gediegenen französischen Flair bei.

Dass die Musiker in der Wiedergabe verschiedener Stimmungen zuhause sind, offenbarte sich sehr schnell. Getragen der Anfang im Tango „Melancólico“, eher rhythmisch der Bossa Nova „A Felicidade“, der Jazz Waltz „Souvenir de Paris“ im spritzigen Dreivierteltakt oder die spannungsreiche und dynamisch ausgefeilte Filmmelodie „Mission Impossible“, für alle Nuancen hatte das Quartett eine adäquate musikalische Strategie bereit.

Besonders gefielen die zwei von Bandleader Thomas Ott komponierten schwäbischen Tangos „Tango Dream“ und „El Aniversario“, in denen Jürgen Häussler am Sopransaxofon seine ganze Qualität im Umspielen der Melodie und in kurzen Impros ausfahren konnte. Der Ton klar, die Intonation sehr sicher und immer den zugrundeliegenden Motiven angepasst.

Die Chansons von Édith Piaf und Charles Trenet mit eigener Note

Sehr überzeugend erklang der Titel „Salsa de Choclo“ von Ángel Gregorio Villoldo, ursprünglich als Tango geschrieben, später in eine Salsa umgewandelt. Hier bediente Jürgen Häussler mit seinem Tenorsaxofon andere Tonbereiche, elegant, vollmundig und gelegentlich mit zartem Vibrato versehen. Mit einem grandiosen Solo an der Gitarre bereicherte Michael Nessmann dieses Stück. Flink und zielsicher ließ er seine Finger über das Griffbrett gleiten und zupfte die Saiten mit unterschiedlicher Intensität. Ebenfalls eine reife Leistung.

Thomas Ott am Akkordeon setzte in allen Stücken einen markanten Sound, den er routiniert und versiert mit den Tasten und den Bassknöpfen generierte. Gefühlvoll spielte er die Melodie sowie Background-Akkorde, kreierte Überleitungen oder nur kurze „Fill-ins“. Im Titel „Il Sole della Puglia“ bestach er durch eine super Solo-Darbietung. Doch was wäre ein Quartett ohne feste Grundierung. Helmut Siegle legte mit seinem Kontrabass zuverlässige Rhythmen, garantierte für ein absolut astreines Metrum und sorgte so für einen professionellen Bezugsrahmen in der Band.

Als Gast rundete Thierry Saladin mit seinem Beitrag das Programm sehr gelungen ab. Titel wie „Les parapluies de Cherbourg“, „La vie en rose“, „Sous le ciel de Paris“ oder „C’est si bon“, weckten manch eine Erinnerung an einen Frankreichurlaub. Den Chansons von Édith Piaf oder Charles Trenet drückte er seinen eigenen Stempel auf und ließ diese mit sonorer Stimme, manchmal schmalzig, manchmal schroff, neu aufleben.

Erst nach zwei Zugaben beendete die Band einen nostalgischen und wundervollen Konzertabend.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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