Mit der Verpflichtung der Barrelhouse Jazzband hat der Jazz-Club Schloss Köngen gerade in seinem Jubiläumsjahr zum 20-jährigen Bestehen einen Volltreffer gelandet. Die Band kann im nächsten Jahr auf sieben Jahrzehnte musikalischen Wirkens zurückblicken. Nicht nur in heimischen Gefilden hat Deutschlands renommierteste Band des „Traditional Jazz” mittlerweile einen Kultstatus erreicht, auch als Exportschlager konnte sich das Publikum in 57 Ländern auf vier Kontinenten an der Musik der siebenköpfigen Formation erfreuen.
Gleich im Eingangstitel „When My Dreamboat Comes Home” setzten die Musiker Maßstäbe und ließen ihre Professionalität im sehr versierten Zusammenspiel durchschimmern. Die drei Bläser Reimer von Essen an der Klarinette, Frank Selten am Tenorsaxofon und Horst Schwarz an der Trompete glänzten in makellosem Tuttispiel mit dixielandhafter Ausprägung. Am Flügel gab Christof Sänger schon einmal ein verheißungsvolles Intermezzo. Die drei Rhythmiker Roman Klöcker am Banjo, Lindy Huppertsberg am Kontrabass sowie Michael Ehret am Schlagzeug standen den anderen in nichts nach und fügten sich nahtlos ein. Alle spielten sich die musikalischen Bälle geschickt zu – ein Einstand nach Maß, der vom Publikum in der vollbesetzten Schlosskapelle frenetisch bejubelt wurde.
„Wir werden Ihnen heute Abend größtenteils Titel präsentieren, die Sie wahrscheinlich noch nicht kennen. Jazzstandards werden eher die Ausnahme sein”, erklärte Bandleader Reimer von Essen, der launig, sachkundig und maßvoll das Programm elegant moderierte. In ihren kurzweiligen Darbietungen nahmen die Musiker das Publikum mit auf eine Reise in das alte New Orleans. Mannigfaltige Inspirationen aus dem pulsierenden Leben dieser Stadt erleuchteten in den präsentierten Titeln. New Orleans Jazz, Swing, Blues, Ansätze von Boogie Woogie sowie eine besondere Liebe zum Kreolischen Jazz zogen sich in einem perfekten musikalischen Mix durch das Programm.
Im Titel „Out South” in shuffleartigem Swing zeigte Horst Schwarz das ganze Spektrum seines Könnens an der Trompete. Mit sicherer Intonation agierte er in ausgefeilter Dynamik, manchmal mit sattem Ton, manchmal gedämpft und ließ sich auch sporadisch zum „Dirty Play” hinreißen. Besonders gefiel er auch als Komponist von „Blues For King Joe”.
Mit Frank Selten besitzt die Band einen wahren Verwandlungskünstler, der innerhalb der Saxofonfamilie chamäleonartig wechseln kann. Alle Saxofontypen lässt er in höchster Vollendung erklingen. Im Titel ”Really The Blues” produzierte er mit ungeheurer Strahlkraft einen für das Sopransaxofon markigen Sound. Als zweiter Holzbläser der „Frontline” erfüllte Reimer von Essen seinen Part an der Klarinette und gelegentlich am Altsaxofon mit Bravour. Mit gefühlvollem Ton und je nach Eigenart des Stückes auch etwas schriller, umrahmte er gekonnt die Chorusse oder verlieh der Melodie einen besonderen Charme.
Als ein echter Meister entpuppte sich Christof Sänger am Flügel. Wie ein Wirbelwind ließ er seine Finger über die Tasten gleiten, sein Anschlag genial, seine Fingertechnik ausgereift, mit hoher Empathie für die einzelnen Titel. In Duke Ellingtons „Caravan” spielte er sich regelrecht in Ekstase. Nicht umsonst wurde er mit dem Hessischen Jazzpreis 2021 für sein Spiel auf höchstem Niveau geehrt.
Roman Klöcker an der Gitarre glänzte durch einen weichen und gefälligen Ton mit gut austarierten Wechseln zwischen Einzeltönen und Akkorden in seinen Soli. Lindy Huppertsberg legte am Kontrabass wunderbare rhythmische Teppiche und navigierte ihre sechs männlichen Mitstreiter souverän über alle Klippen. Am Schlagzeug erwies sich Michael Ehret als ein wirklicher Gentleman, der die Band professionell führte, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.
Die Zugabe „Mama Inez” rundete einen Abend mit einer wunderbaren Interaktion von Publikum und Band ab.