Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Huldigung an einen charismatischen Klarinettisten

Stefan Koschitzki und die Goodmänner unterhielten das Publikum im Köngener Schloss auf das Beste

Stefan Koschitzki & Die Goodmänner - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 22.02.2019
Die Goodmänner: Thilo Wagner (p), Stefan Koschitzki (kl), Markus Bodenseh (kb), Hans Fickelscher (dr) - Jazz vom Feinsten. Foto: Horst Stange

Mit der Würdigung von Benny Goodman, dem „King of Swing“, hat sich das Quartett um Stefan Koschitzki eine wahrhaft große Aufgabe vorgenommen. Als einer der Hauptprotagonisten der Swing-Ära ging Goodman besonders durch sein Konzert in der New Yorker Carnegie Hall im Jahre 1938 in die Jazzgeschichte ein. Der Jazz wurde dadurch nicht nur salonfähig gemacht, auch die Einbindung von schwarzen Musikern in die Konzertaktivitäten war damals ein Tabubruch.

Stefan Koschitzki und seine Mitstreiter schlüpften in Köngen in die Rollen des Benny-Goodman-Quartetts und das ist ihnen großartig gelungen. Der Meister selbst wurde von Koschitzki verkörpert, der Pianist Teddy Wilson von Thilo Wagner repräsentiert, den Part des legendären Schlagzeugers Gene Kupra übernahm Hans Fickelscher und der ehemalige Vibraphonist Lionel Hampton wurde von Markus Bodenseh am Bass ersetzt.

Als Quartett entpuppten sich die Musiker gleich vom ersten Stück weg als homogene Klangeinheit mit einem hohen Grad an Authentizität bei der Wiedergabe einiger Titel in der Originalversion von Benny-Goodman-Songs. Vier hochkarätige Musiker, die als Einzelsolisten wie auch im Kollektiv nie einen Zweifel daran ließen, nur einer Sache zu dienen, der Huldigung eines charismatischen Klarinettisten. Weit weg von irgendwelchen narzisstischen Ausflügen durch ellenlange Improvisationen oder gar ein mechanisches Abspielen von eintönigen Skalen. Man warf sich in bestechender Routine die Bälle zu: Einer für alle, alle für einen.

Die Bandbreite an Stücken faszinierte das Publikum in der sehr gut besetzten Schlosskapelle. Titel wie „Don’t Be That Way“, „Air Mail Special“, „Moonglow“, „Sheik Of Araby“, „China Boy“ oder das legendäre „Body And Soul“ spiegelten in balladenhaften Interpretationen als auch in Stücken mit rasantem Tempo das ganze musikalische Spektrum dieses genialen Musikers wider.

Freiräume der Improvisation geschickt genutzt

Der Klarinettist Stefan Koschitzki, mehrfach schon mit Preisen ausgezeichnet, entlockte seinem Instrument in jeder Tonlage herrliche Töne, sauber intoniert, gekennzeichnet durch ein wohlgefälliges Legatospiel, dynamisch ausgefeilt und manchmal in den höheren Tonlagen auch hell aufschreiend. Die Freiräume der Improvisation nutzte er geschickt und packte auch in relativ kurze Chorusse eine Vielfalt an musikalischen Finessen.

Thilo Wagner am Flügel, zuweilen als schwäbischer Oscar Peterson bezeichnet, bezauberte als sehr versierter Pianist die Zuhörer. Atemberaubende Läufe in der rechten Hand, die die Tastatur fast komplett abdeckten, rhythmisch sehr anspruchsvolle „voicings“ in der linken oder ein äußerst akzentuiertes akkordisches Spiel unterstrichen das sehr hohe Niveau seiner Darbietungen. Hans Fickelscher als Teil der Rhythmusgruppe bewies durch eine sehr gefühlvolle Begleitung am Schlagzeug seine Klasse. Die von ihm häufig benutzten Jazzbesen ließen die Solisten nie in einem Klangbrei verschwinden. Beeindruckend die minutiöse Taktgebung bei den Synkopen im Titel „Air Mail Special“. Gefällig auch seine Ansagen zu einigen Titeln mit netten Anekdoten. Markus Bodenseh am Kontrabass rundete das sehr positive Gesamtformat der Band ab und legte eine solide und verlässliche Basis in swingender Manier, gezupft oder vereinzelt gestrichen. Hut ab vor der Leistung seiner Finger, denn sein „walking bass“ konnte auch noch ganz hinten im Saal glasklar gehört werden.

Allzu verständlich, dass die Band um zwei Zugaben nicht herumkam. „Sing, Sing, Sing“, von einem wunderbaren Basssolo eingeleitet, und das treffende „Goodbye“ sorgten für einen gelungenen Abschluss. Das gesamte Konzert war Balsam für die Ohren der Zuhörer, da die komplette Band ohne jede elektronische Verstärkung auftrat.

Bilder vom Konzert

 

 

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