Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Gratwanderung bravourös gemeistert

Die South West Oldtime All Stars brillierten in der Schlosskapelle

South West Oldtime All Stars feat. Trevor Richards - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 29.03.2019
Die South West Oldtime All Stars: Der frühe Louis Armstrong in frischem Gewand. Musiker: Jörg Teichert (Banjo), Gary Fuhrmann (Klarinette), Jürgen Hahn (Trompete), Thomas Heidepriem (Kontrabass), Felix Fromm (Posaune), Trevor Richards (Schlagzeug).

Uns allen ist Louis Armstrong von seinen Live-Auftritten als begnadeter Trompeter und Sänger mit markanter Stimme bekannt. Weit weniger im Bewusstsein der Öffentlichkeit sind jedoch die Studioaufnahmen, die zwischen 1925 und 1928 mit seinen Hot Five und Hot Seven in Chicago entstanden. Damals keinesfalls der dominierende Solist und noch „Primus inter Pares“, spielte er mit den beiden Formationen 65 Aufnahmen ein, die bis heute in mancher Hinsicht einzigartig geblieben sind.

Die South West Oldtime All Stars haben sich diesen Edelsteinen des Jazz angenommen und sie in ein frisches Gewand gesteckt. Sechs hochkarätige Musiker, die den Puls der damaligen Zeit in ihren Adern haben und dem Publikum in der restlos ausverkauften Schlosskapelle ein buntes Kaleidoskop an Stücken boten. Der Reiz des gesamten Programmes lag im stetigen Wechsel zwischen einem bestechend sauberen Tutti-Spiel, der für den Dixieland typischen Kollektivimprovisation und den zahlreichen Soloimprovisationen über vorgegebene Formschemen. Diese höchst anspruchsvolle Gratwanderung meisterten die sechs Akteure bravourös.

Mit einer launigen, gefälligen und sehr informativen Moderation gelang es Felix Fromm die ausgewählten Stücke den Zuhörern nahe zu bringen. Die Thematik der Titel der damaligen Zeit drehte sich häufig ums Essen, Feiern, die Eisenbahn, Wohnorte, fremdländische Kulturen und Gefühlszustände: „Melancholy Blues“, „Potato Head Blues“, „Oriental Strut“, „Cornet Chop Suey“ und „Basin Street Blues“.

Felix Fromm gefiel nicht nur verbal, sondern glänzte auch in seinen Darbietungen an der Posaune. Das Klangspektrum völlig ausreizend, sauber intoniert, in der Funktion als Background- und als Melodieinstrument eingesetzt, mit langgezogenen Tönen und schnellen Triolenabfolgen setzte er Akzente. In „Kid Ory’s Creole“ lief er zur Höchstform auf. Als weiterer „Frontman“ stach Jürgen Hahn an der Trompete heraus, die er mit solider Intonation, sicherer Tonführung, von weicher bis hell jauchzender Tongebung bediente. Die von Armstrong zugedachte Rolle war ihm auf den Leib geschnitten. Fulminant sein Intro im „West End Blues“. Der dritte im Bunde der Melodie-Sektion, Gary Fuhrmann an der Klarinette, unterstrich seine Qualitäten durch eine leichte und lockere Spielweise, nie im Ton überzogen und ließ in zahlreichen Impros einen schönen und gekonnten „Offbeat“ durchschimmern, der den Sound seines Instruments zum Schweben brachte. Die beiden Rhythmiker Jörg Teichert am Banjo und Thomas Heidepriem am Kontrabass legten eine zuverlässige Basis und kreierten einen wunderbaren Rahmen für die Interaktionen der Melodieinstrumente. Auch sie konnten in klar definierten Soli ihre Klasse und ihr Können unter Beweis stellen.

Urgestein aus New Orleans

„Die Weisheit des Alters“, so wurde der schon im Vorfeld besonders angekündigte Trevor Richards bezeichnet, und das konnte man leicht bei diesem Urgestein erkennen, das lange in New Orleans lebte. Dezent und fast schon zurückhaltend bettete er seine Mitstreiter in das Geschehen ein, ließ ihnen Freiräume, schuf Zäsuren, begleitete gefühlvoll, ohne selbst das Konzept aus der Hand zu geben. Er zwängte sich nicht auf. Ein professioneller Gentleman an den Becken und Toms.

Die Zugabe „You’ll Never Walk Alone“ rundete einen wundervollen nostalgischen Abend ab und klang noch lange in den Köpfen der Zuhörer nach.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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