Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Traditioneller Jazz aus Down Under

„The Syncopators“ aus Australien brachten das Köngener Schloss zum Kochen

The Syncopator's - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 24.05.2019
Richard Miller (sax, kl), Chris Ludowyk (pos), Jeff Arthur (git, bj), James Clark (kb), Herbert Christ (tp, voc), Joe Kukula (dr). Foto: Horst Stange

Mit der renommierten Jazzband aus Melbourne, die bereits ihre neunzehnte Tour durch Europa durchführt, hat der Jazzclub Köngen eine Musikergruppe eingeladen, die ihr Metier aus dem Effeff beherrscht. Die Tournee stand anfänglich unter keinem guten Stern, denn bedingt durch Krankheit und einen Unfall, fielen unmittelbar vor dem Abflug nach Deutschland der Trompeter und der Schlagzeuger aus. Glücklicherweise fand der zurzeit in Stuttgart lebende Gitarrist Jeff Arthur mit dem Trompeter Herbert Christ und dem Schlagzeuger Joe Kukula zwei erfahrene Musiker, die sich nahtlos in die australische Band einfügten, obwohl sie sich beim Köngener Konzert erstmalig trafen.

Mit dem Eröffnungsstück „Down in Honky Tonk Town“ wurden, ähnlich einer Ouvertüre in der Oper, die wesentlichen Elemente des Abends vorgestellt: Eine einfallsreich und dynmisch spielende Bläsergruppe und eine locker swingende Rhythmusgruppe mit enormem Drive. Alles zusammen eine Band, welche die Zuhörer durch ihre Spiellaune mitriss.

Trompeter und Sänger Herbert Christ hatte mit seiner strahlenden Lead-Trompete die Fäden in der Hand und führte seine Kollegen sicher durch das Programm. Die melodische Stütze von unten wurde geliefert durch die flüssig gespielte Posaune von Chris Ludowyk, der in der solistisch vorgetragenen Ballade „I guess, I’ll have to change my plan“ auch seine Qualitäten als Sänger offenbarte. Für hohe Töne – aber nicht nur – sorgte die quirlig gespielte Klarinette von Richard Miller, der besonders mit dem berühmten Klarinettensolo des legendären Alphonse Picou in „High Society“ seine Fingerfertigkeit unter Beweis stellte.

In der Rhythmusgruppe der Syncopators sorgte Jeff Arthur mit Gitarre und Banjo für das harmonische Gerüst und wechselte locker zwischen Begleitung durch Akkorde und phantastischen Soli auf beiden Instrumenten. Der Meister der tiefen Töne war James Clark, der mit seinem Kontrabass nicht nur das harmonische Fundament lieferte, sondern auch solistisch die Jazzfreunde in seinen Bann zog. Last, but not least, setzte Drummer Joe Kukula mit dem Timing eines Uhrwerks stets die passenden Akzente und war insbesondere bei „Panama“ mit einem fulminanten Schlagzeugsolo zu hören.

Das Repertoire der Syncopators stammt im Wesentlichen aus dem Bereich des Oldtime Jazz. Schlaglichtartig sollen einige Titel kurz beleuchtet werden. Besonders reizvoll entwickelte sich ein Zwiegespräch zwischen Gitarre und Bass in „Coquette“, einem Stück der kanadischen Lombardo-Geschwister. Das Thema von Jelly Roll Mortons „Whining Boy Blues“ wurde, gespickt mit Blue-Notes, von Trompete und Gitarre interpretiert. Der Einfluss der karibischen Musik auf den frühen Jazz wurde dadurch deutlich gemacht, dass Kid Orys „Muskrat Ramble“ als Calypso gespielt wurde.

Das Köngener Publikum war von der Down-Under-Band begeistert, und als mit „What a wonderful world“ das Konzert zu Ende ging, wurde vehement eine Zugabe eingefordert. Mit „Panama“, das W. H. Tyers 1912 anlässlich des Baus des Panama-Kanals komponierte, wurden noch einmal sämtliche Register gezogen, so dass die Fans, zufrieden summend, nach einem erlebnisreichen Konzert das Köngener Schloss verließen.

Bilder vom Konzert

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