Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Karibische Sommernachtsträume

Die Band Rhythmus Syndikat legte einen Teppich voller Emotionen in der Köngener Schlosskapelle

Rhythmus Syndikat - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 26.07.2019
Anselm Krisch (p), Dizzy Krisch (vib), Carlos Josue Remis Lorenzo (b), Roberto Santamaria (cga), Wieland Braunschweiger (dr). Foto: Horst Stange

Selten standen bei einem Konzert im Jazz-Club Köngen das Wetter und die dargebotene Musik in einem derart harmonischen Einklang. Draußen tropische Temperaturen, drinnen im voll besetzten Saal afrokubanische Rhythmen. Das Publikum konnte sich diesem heißen Mix nicht entziehen und tauchte an diesem Sommerabend tief in die musikalische Welt des Latin Jazz ein.

Dafür verantwortlich das „Rhythmus Syndikat“, eine fünfköpfige Band, die es meisterlich verstand ohne große Vorlaufzeit die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen und mit ihrem Motto „Latin Fantasy“ die schönsten „Crossover Hits“ aus klassischem Jazz und karibischen Rhythmen zum Besten gab. Sommernachtsträume, die elektrisierend wirkten und wie sie schöner nicht hätten ausfallen können.

Im wundervollen Titel „Claudia“ kreierten die Musiker gekonnt eine romantische, fast bluesartige Atmosphäre, dezent an den Becken oder durch gelegentliche „Rimshots“ an der Snare untermalt. Perlende Pianoläufe, hell klingende und schnelle Tonfolgen am Vibrafon setzten einen Kontrapunkt. Der Schluss dann vibratohaft ausklingend. Gänsehaut pur. Wer einfach glaubte, allseits beliebte Titel würden im bekannten Gewand präsentiert, sah sich getäuscht. Der „All Blues“ von Miles Davis erfuhr eine völlig neue Ausrichtung und Interpretation und man musste schon genau zuhören, um das Ablaufschema in den Aktionen des Bassisten zu erkennen. Geschickt wechselte dieser zwischen sauber phrasierten Passagen und eleganten Bassläufen hin und her. Sternstunde der Improvisationskunst.

Man merkte sehr schnell, wer in der Band die Fäden in der Hand hielt. Dizzy Krisch, von Roberto Santamaria immer wieder als „Mein Kommandant“ bezeichnet, offenbarte am Vibrafon ein Feuerwerk der Spielkunst und Brillanz. In der Tradition eines Lionel Hampton oder Cal Tjader ließ er zwei oder gar drei Schlägel über die Metallplatten tanzen und erfüllte die Schlosskapelle mit glasklaren, geschliffenen und prickelnden Klangteppichen. Chromatisches, akkordisches und oktavisches Spiel gehörten ebenso zu seinem Repertoire wie blitzartige Wechsel von Triolen auf Sechzehntelketten. Er legte eine Sternstunde in der Improvisationskunst hin.

Zwischendurch gab’s Informationen zur Entstehung des Latin Jazz

Der aus Kuba stammende Roberto Santamaria an den Congas und Bongos bearbeitete diese Schlaginstrumente genial und mit Leidenschaft. Flink fegten seine Hände und Finger über deren Oberfläche und ergänzten das vom Schlagzeuger gelegte Grundmetrum auf eigene Weise. Zusätzliche Perkussionsinstrumente wie Schellenring, „Cow Bell“, Klanghölzer oder Maracas sorgten für eine ergänzende Bereicherung. In seiner gefälligen Moderation streute er immer wieder historische Informationen über den Latin Jazz ein. Nur allzu schade, dass aufgrund seines Feuereifers und seiner Emotionen nicht alles beim Publikum ankam.

Anselm Krisch wandelt schon heute auf den Spuren seines Vaters. Als begnadeter Pianist, als Improvisateur und als Komponist von „Happy“ setzte er Akzente. Besonders hervorzuheben seine kaskadenartigen Läufe in der rechten Hand, prägnant und klar angeschlagen. Die beiden Rhythmiker Carlos Lorenzo am fünfsaitigen Bass und Wieland Braunschweiger am Schlagzeug sorgten für eine solide Basis innerhalb des Quintetts. In manchen Titeln wie „Little Sunflower“ spielte Carlos fast ostinatohaft dasselbe Grundmuster. In anderen bewegte er sich routiniert innerhalb größerer Klangräume. Auffällig das etwas prägnantere Spiel in tieferen Tonlagen. Bei Wieland Braunschweiger gefiel der wohlüberlegte Einsatz der Becken, Toms und Trommeln, seine Begleitung war nie überladen.

Nach der Zugabe „What A Wonderful World“ und kräftiger Unterstützung der Band wurde das Publikum in die mittlerweile abgekühlte Nacht entlassen. Latin Jazz – ein erfolgreich durchgeführtes Experiment.

Bilder vom Konzert

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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