Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Auf solider und kultivierter Spur

Das Köngener Schloss-Swingtett präsentiert einen harmonischen Konzertabend in der Schlosskapelle

Köngener Schloss-Swingtett - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 24.01.2020
Hans Rotter (git), Edgar Holl (p), Gerhard Götz (sax), Joachim Keck (sax), Hans Madlinger (dr), Rolf Martin (b). Foto: Horst Stange.

„Es folgt nun ein brutaler Sprung in die Popmusik“, so kündigte Rolf Martin den Titel „Sunny“ an und schuf eine gewisse Erwartungshaltung. Doch weit gefehlt, denn das Köngener Schloss-Swingtett ließ keinen Zweifel daran, dass es mit einer poppigen oder gar rockigen Version dieses Titels nichts am Hut hatte. Vielmehr wurde „Sunny“ von den sechs Musikern in einem wunderbaren jazzigen Gewand präsentiert.

Wie auch im gesamten restlichen Programm des Abends zeigten die Akteure vor ausverkauftem Hause aber auch, dass für sie ein Vorstoß in Grenzbereiche experimenteller Jazzstile nicht in Frage kommt oder gar eine Affinität mit dem Modern Jazz anvisiert werden könnte. Sehr zur Freude des Publikums bewegte man sich solid und gediegen im Bereich des Mainstream Jazz und bot Swing-Standards, Bossa Nova,

Blues, Boogie-Woogie sowie gefühlvolle Balladen. Bei ihrem dritten Auftritt im Jazz-Club Köngen offenbarte sich die Band kultiviert und glänzte durch ein routiniertes und wohl abgestimmtes Zusammenspiel.

Gleich der Einstiegstitel „Undecided“ im swingenden Stil warf ein Licht auf das nachfolgende Programm. Gerhard Götz am Altsaxofon und Joachim Keck am Tenorsaxofon ergänzten sich auf wundervolle Weise. Gerhard Götz entlockte seinem Instrument eher behauchte und zarte Töne, während Joachim Keck durch ein knackiges und markantes Spiel auffiel. Hans Rotter an der Gitarre ließ sein Instrument nicht aufjauchzen, sondern bediente es solistisch mit weicher und angenehmer Tongebung. Am Flügel drückte Edgar Holl die Tasten sehr versiert, mit differenziertem, aber auch gefühlvollem Anschlag. In der Ballade „The Nearness Of You“ zeigte er in der Intro die eine Seite seines Könnens, die andere kam in dem von ihm komponierten „Edgars Boogie“ zum Ausdruck. Technisch sehr ausgereift und sauber wirbelte er in zahllosen Motiven und Figuren über die Tasten und wurde dafür vom Publikum mit tosendem Beifall belohnt. Anderen Titeln wie „You Are The Sunshine Of My Love“ oder „Night And Day“ verhalf er noch durch seine gefällige Stimme zu mehr Authentizität.

„Das Stück ‘Perdido‘, von Juan Tizol auf einer Eisenbahnfahrt komponiert, von Duke Ellington für die Band arrangiert und am gleichen Abend noch aufgeführt“, so erklärte Rolf Martin die Entstehungsgeschichte dieses Titels. Er verstand es glänzend und auf meisterhafte Weise kleine Anekdoten und Legenden einzustreuen und auf den Punkt zu bringen. Eine insgesamt kundige, launige und lockere Moderation, sehr nach dem Geschmack des Publikums. „Perdido“ entpuppte sich als Spielwiese für Joachim Keck am Altsaxofon, der das Thema schön interpretierte und in einer ausgefeilten Solodarbietung sein ganzes Können ausfahren konnte.

Auch als Kontrabassist setzte Rolf Martin Akzente und legte eine gute Grundierung für die Melodieinstrumente. Sauber gezupfte Töne, die sich oft in einem „Walking Bass“ ergossen, gehörten zu seinem Markenzeichen. Einige Titel wurden durch seine eingängige Stimme aufgewertet wie „Let It Snow“ oder „Goody Goody“. Der zweite Rhythmiker, Hans Madlinger am Schlagzeug, war der Garant für ein sehr beständiges Grundmetrum. Mit Gefühl und Sachverstand bediente er die Trommeln und Becken und ließ seine „Drum Sticks“ oder Jazzbesen sehr differenziert darüber gleiten.

Im interaktiven Werk „The Glory Of Love“ wurde das Publikum noch zu einer gelungenen Gesangeinlage animiert. Mit dem Titel „What A Wonderful World“ ging für alle Beteiligte ein harmonischer Konzertabend zu Ende.

 

Bilder vom Konzert

 

 

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