Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Swing in höchster Vollendung

The Bassface Swing Trio verführte das Publikum in der Schlosskapelle in die Welt des traditionellen Jazz. Grandiose Vorstellung auf der Spur von Oscar Peterson.

The Bassface Swing Trio, Jazz-Club Köngen, 24.06.2022
Foto: Albrecht Nissler

Angekündigt war das Thilo Wagner Trio. Für den krankheitsbedingt ausgefallenen Schlagzeuger Gregor Beck sprang kurzfristig Florian Hermann ein und schon stand eine Band mit anderem Namen auf der Bühne im Jazz-Club Schloss Köngen. Vom Programm und der Spielweise her identisch ausgelegt, verführte The Bassface Swing Trio die Zuhörer in der gut besetzten Schlosskapelle in die Welt des traditionellen Jazz.

Dass die drei sympathischen Musiker nun schon seit fast zwanzig Jahren gemeinsam unterwegs sind, brauchten sie nicht lange zu beweisen. Der von Ray Brown komponierte Eingangstitel F.S.R. (For Sonny Rollins) bot ihnen vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Thilo Wagner am Piano, Jean-Philippe Wadle am Kontrabass und Florian Hermann am Schlagzeug bestachen durch einen gut austarierten Gesamtsound, ein blindes Verständnis im Zusammenspiel, eine äußerst differenzierte Dynamik und einen gegenseitigen Respekt vor Freiräumen des anderen, sodass sich jeder individuell entfalten konnte. Präzise „Stops“ und minutiös ausgeführte Überleitungen rundeten das sehr positive Gesamtbild des Trios ab.

Kontrastreich gestaltete sich der Programmaufbau. Langsamen und getragenen Titeln wie der wunderschönen Ballade „The Shadow Of Your Smile“ oder „There Will Never Be Another You“ standen rasante Stücke wie „Tea For Two“ oder „Billy Boy“ gegenüber. Als verbindendes Element erwies sich der Swing, der sich wie eine Perlenkette in unterschiedlichen Nuancen durch die Darbietungen zog. Und die drei Musiker lebten und zelebrierten ihn ausgiebig in höchster Vollendung.

Bandleader Thilo Wagner, der auch locker und mit Maß durch das Programm führte, erwies sich wie erwartet als Zauberer an den Tasten. Bei ihm weiß man allerdings nicht so richtig, was man mehr hervorheben und bewundern soll: Die geniale Fingertechnik, die unerschöpfliche Kreativität in seiner Improvisationskunst oder die Empathie in seiner Spielweise. Oder ist es nur die unbändige Lust am Spielen, die ihn auszeichnet und die in seiner Haltung und Mimik deutlich zum Ausdruck kommt. Nicht ohne Grund wird er in Deutschland immer wieder mit dem großen Pianisten Oscar Peterson in Verbindung gebracht.

Den Titel „Pennies From Heaven“ leitet er mit einem überzeugenden Intro ein. Die Töne der beiden Hände fließen in wunderbaren Akkordschachtelungen ineinander über. Im darauf folgenden Swingteil zieht er alle Register: Kaskadenartige Einzeltöne in der rechten Hand wechseln mit akkordisch oder oktavisch geprägten Passagen, kurz eingestreute Synkopen sowie ostinatohafte Motive bringt er in seiner Improvisation zu Gehör. Die linke Hand glänzt völlig abgekoppelt mit sauberer Rhythmik und interessanten „Voicings“. Im von ihm komponierten Titel „Finally“ geht er bis an die Grenzen seiner Spielkunst. In allen Belangen gab er eine meisterliche und grandiose Vorstellung ab.

Am Kontrabass zog Jean-Philippe Wadle geschickt und souverän die Fäden. Er verstand es, dem Swing die richtige Basis und das korrekte Metrum zu unterlegen und ließ seine Finger gekonnt über das Griffbrett gleiten. Dezent fügte er sich in die musikalische Gesamtstruktur ein. Im Stück „I‘m Old-fashioned“ spielte er sich in einem sehr gelungenen Solo in den Vordergrund. In Fats Wallers Komposition „Ain‘t Misbehavin‘ übernahm er an den Saiten die Führungsrolle und präsentierte die Melodie.

Florian Hermann am Schlagzeug war sehr darauf bedacht, den Swing zu unterstützen und nicht in einem Trommelgewitter untergehen zu lassen. Ein wohl überlegter Einsatz seiner Stöcke, präzise indizierte Übergänge, knackige Soli und bei leiseren Passagen das gefällige Streichen mit den Jazzbesen gehörten zu seiner Rolle, die er professionell ausübte.

Der Beifall wollte kein Ende nehmen, als das Trio den Abend mit dem „Dejection Blues“ beschloss. Swingend machte sich das Publikum auf den Nachhauseweg.

Erfrischende Überraschung
Wie schon bei den anderen Konzerten in diesem Jubiläumsjahr, hat sich das JCSK-Team auch bei diesem Konzert wieder eine kleine Überraschung einfallen lassen. Die Besucher*innen waren zum Eis in der Waffeltüte oder im Becher eingeladen! Wer Eis wollte konnte aus vier Sorten wählen: Schoko, Vanille, Erdbeere, Mango. Die Idee fand begeisterten Anklang und machte die hochsommerlichen Temperaturen gleich ein bisschen erträglicher.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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