Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Geniale Klangwelten in kollektiver Harmonie

Das Joe Magnarelli Quintet setzt neue musikalische Maßstäbe im Köngener Schloss

Joe Magnarelli Quintet - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 24.09.2021
Joe Magnarelli Quintet am 24.09.2021 im Jazzclub Köngen: Martin Sasse (Piano). Piero Odorici (Tenor-Saxophon), Joe Magnarelli (Trompete), Mini Schulz (Kontrabass), Bernd Reiter (Schlagzeug).

Selten war im Jazz-Club Schloss Köngen in der Vorbereitungsphase einer Veranstaltung eine so hohe Erwartungshaltung aufgebaut worden. Einerseits schwebte in den Köpfen der Verantwortlichen die coronabedingte und nur schwer berechenbare Neuorientierung der Konzerte, andererseits hatte sich eine Band angesagt, deren Besetzung schon im Vorfeld neue musikalische Maßstäbe versprach. Das Joe Magnarelli Quintet mit seinen hochkarätigen Musikern aus vier Ländern ist derzeit auf Tournee in Deutschland unterwegs.

Ohne große Worte legten die fünf Jazzer mit dem Titel „Firm Roots“ gleich richtig los, allesamt Spitzenkönner an ihren Instrumenten. Ein fulminanter Beginn in schnellem, bebopartig angehauchtem Tempo, mit blitzsauberen Unisono-Passagen von Trompete und Tenorsaxofon sowie grandiosen Improvisationen, grundiert von einer makellosen Rhythmusgruppe. Ein Auftakt nach Maß. Doch weit gefehlt, denn die Band bezauberte das Publikum auch durch melodiöse Balladen wie „My Ideal“, „Body And Soul“, swingende Einlagen oder gar einen Jazz-Waltz. Die fachkundigen Zuhörer honorierten die genialen Klangwelten der Musiker mit tosendem Applaus.

„A jazz group is only as good as the drummer,“ so drückte sich Joe Magnarelli in leicht ironischem Unterton aus. Doch welch ein Glücksfall, der aus Österreich stammende Schlagzeuger Bernd Reiter, der souverän, dynamisch äußerst differenziert und wohlbedacht für die kollektive Harmonie in der Band sorgt. Sich nur selten im Vordergrund aufzwingend, hält er die Fäden gekonnt in der Hand und steuert die Einsätze der Solisten minutiös. Im Titel „Beehive“ präsentierte er in einem Feuerwerk der Emotionen seine ganzen Fähigkeiten.

Der US-Amerikaner Joe Magnarelli, im internationalen Jazzgeschäft eine echte Größe an der Trompete, gefiel nicht nur durch ausgefeilte Technik, sondern auch durch den körperbetonten Einsatz. Glasklare Intonation mit manchmal schriller, manchmal gedämpfter Tongebung, atemberaubende Tonfolgen in interessanten Skalen, aber auch gezielte Zäsuren hinterließen den Eindruck von intrinsischer Professionalität. Besonders gefällig war sein Umschalten von einer eher gebundenen Spielweise wie in „My Ideal“ auf die freie, zügellose Improvisation wie in „Just One Of Those Things“.

An seiner Seite steht mit dem Italiener Piero Odorici ein congenialer Partner am Tenorsaxofon. Auch er ein echter Meister an seinem Instrument. Wundervolle Passagen mit sattem, vollmundigem Sound und empfindsamem Vibrato kontrastierten mit helljauchzenden Tönen in oberen Bereichen. Im Titel „Out Of The Past“ provozierte er durch einen retardierenden Offbeat in der Improvisation ein Gefühl der Leichtigkeit und des Schwebens.

Technische Raffinesse gepaart mit Empathie

Als funkelndes Juwel brillierte der Pianist Martin Sasse in vielerlei Hinsicht. Technisch äußerst versiert, mit sauberem Anschlag und einem hohen Grad an Empathie für das entsprechende Stück, bearbeitete er die Tastatur mit perlenartig aufgereihten Tonfolgen sowie oktavisch oder akkordisch angelegten Motiven in der rechten Hand. In der linken wechselten dezente Akkorde auch mit gelegentlich wuchtigen, akzentuierten Basstönen. Im Stück „Midnight Waltz“ spielte er in einem Spannungsfeld zwischen starker Rhythmisierung in der linken und ostinatohaften Figuren in der rechten Hand.

Mini Schulz, als einziger Musiker aus dem „Ländle“, erwies sich als wichtiger und äußerst gewinnbringender Baustein im Gesamtgefüge der Band. Mit großem Engagement und Hingabe bediente er seinen Kontrabass, legte wunderbare rhythmische Teppiche oder sorgte mit einem „Walking Bass“ für eine solide Grundierung. In „Body And Soul“ spielte er sich sehr überzeugend und gekonnt in den Vordergrund.

Mit den beiden Zugaben „I Remember Britt“ und George Gershwins „I Got Rhythm“ offenbarte die Band noch einmal ihre Klasse und beendete einen schönen und wohlgefälligen Konzertabend.

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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