Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Virtuose Gitarrenakrobatik

Das Gismo Graf Trio fasziniert das Publikum in der Köngener Schlosskapelle. Cheyenne Graf sorgt mit ihrer Stimme für eine weitere Klangfarbe.
Gismo Graf Trio & Cheyenne
Gypsy Jazz vom Feinsten servierte das Gismo Graf Trio mit Sängerin Cheyenne Graf im Köngener Schloss. Foto: Albrecht Nissler

Wer bisher mit dem Begriff Gypsy Jazz nichts anzufangen wusste, der bekam vom Gismo Graf Trio eine umfassende Einführung in die Welt dieser Jazz-Stilrichtung. Im Rahmen seines 20-jährigen Jubiläums engagierte der Jazz-Club Schloss Köngen diese Formation, der mittlerweile national und international ein hervorragender Ruf vorauseilt. Joschi Graf an der Rhythmusgitarre, sein Sohn Gismo an der Sologitarre und Joel Locher am Kontrabass offenbarten nicht nur Routine und Präzision in ihrer musikalischen Interaktion, sondern ließen auch in netten Äußerungen durchblicken, dass bei ihnen die zwischenmenschliche Chemie einfach stimmig ist.

Ganz im Stile eines Django Reinhardt legte das Trio im Eingangstitel „Songe d’automne“ gleich richtig los. Das ursprünglich als Walzer geschriebene Stück, nun als Swing-Titel interpretiert, bot dem Trio genügend Spielraum, um sich individuell in Szene zu setzen. Auch ohne Schlagzeug übergaben sie den rhythmischen Staffelstab punktgenau und ließen jeweils dem anderen in fein abgestimmten Nuancen auch im dynamischen und artikulatorischen Kontext seine Freiräume. Ein gelungener Einstieg, der vom Publikum mit viel Beifall quittiert wurde.

Samtweich ist die Stimme von Cheyenne Graf

Der Norwegische Tanz Nr. 2 , op. 35 von Edvard Grieg beginnt mit einem ruhigen Intro der Sologitarre, grundiert von gestrichenen Motiven am Kontrabass. Die Rhythmusgitarre fügt sich gemächlich ein. Das getragene Stück erfährt nun eine grandiose Umrahmung von der Gitarre. Gismo Graf lässt seine Finger wieselflink über das Griffbrett gleiten, mit sauber intonierten Einzeltönen wie aneinander gereihte Perlenketten, dazwischen immer wieder eingestreute partielle Akkorde, Zäsuren, ein kurz angespieltes Vibrato, das ganze Tonspektrum ausnützend, aber stets die vorgegebenen Akkordstrukturen im Blick. Virtuose Gitarrenakrobatik von einem jungen Gitarristen, der in der Szene als der „Shooting Star“ des Gypsy Jazz gilt.

Der im heimischen Jazz-Club nicht unbekannte Joel Locher zeigte durchgehend eine überragende Leistung. Er sorgte nicht nur für ein souveränes Grundmetrum, sondern ließ es sich nicht nehmen, hin und wieder am Kontrabass auch die Melodiefunktion auszuüben. In „Donna Lee“ von Charlie Parker brillierte er in beeindruckender Manier. Triolen- und Sechzehntelketten in höchster Vollendung ergossen sich aus seinem Instrument, eine wahrhaftig meisterhafte Präsentation.

Als dritter im Bunde war Joschi Graf gewissermaßen der Fels in der Brandung. Auf überzeugende und professionelle Weise kreierte er rhythmische Klangteppiche mit einem an ein Uhrwerk erinnernden Grundschlag. Seine Gitarren-Riffs klangen nicht überladen, sondern fügten sich geschmeidig in das Gesamtgebilde ein.

Zum Programm des Trios schuf Cheyenne Graf einen wohltuenden Kontrast mit Titeln wie „Lullaby Of Birdland“ oder „It Don’t Mean A Thing.“ Mit weicher, angenehmer und nicht zu aufdringlicher Stimme interpretierte sie sehr gelungen diese Jazz-Standards, ohne sie zu verfremden und fügte eine weitere Klangfarbe hinzu. Mit einer imposanten Scat-Einlage im Titel „I’ve Got Rhythm“ unterstrich sie ihre musikalischen Qualitäten.

Als Bandleader konnte Gismo Graf seine Affinität mit Django Reinhardt nicht verbergen, einem Musiker, der die Gitarre im Jazz salonfähig machte und mit seinem Sinti-Swing den Jazz in Europa in den 1930er- und 1940er-Jahren maßgeblich beeinflusste. In „Django’s Tiger“ und in der von ihm selbst komponierten Hommage „Festival Django“ an sein Vorbild konnte er sich voll und ganz ausleben.

Außergewöhnlich dann die Zugabe: Gismo Graf als Solist mit einer freien Improvisation über einzelne Motive – klassisch angehaucht, melodiös, dynamisch ausgefeilt, Einzeltöne, gebrochene Akkorde, Basstöne unterlegt, mit zartem Pizzicato – einfach nur schön!

Das dankbare und faszinierte Publikum nahm nicht nur diese letzten musikalischen Eindrücke nach Hause, sondern auch jeweils eine Tulpe aus der Hand der Organisatoren. Das Jubiläumsjahr lässt grüßen.

Bilder vom Konzert

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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