Mit dem Engagement der Formation switalo jazz hat der Jazz-Club Schloss Köngen wieder einmal für eine Überraschung und beste Unterhaltung gesorgt. Die aus Süditalien stammenden Musiker Attilio Troiano und Giuseppe Venezia sowie Simone Bollini und Lucio Marelli aus Basel befinden sich zur Zeit auf Tour in Süddeutschland und der nördlichen Schweiz. Nicht nur die italienische Sprache vereint die vier sympathischen Musiker, sondern vor allem die gemeinsame Wellenlänge in ihrer musikalischen Ausrichtung sorgt für wohlklingende Harmonie.
Vor einigen Jahren hat man sich anlässlich einer Jam-Session in Süditalien zum ersten Mal getroffen. Seither pflegen die Bandmitglieder einen regelmäßigen musikalischen Austausch durch zahlreiche Konzerte in der Schweiz und Italien. Das gesamte Projekt hat sich mittlerweile zu einer gelungenen Kooperation über Ländergrenzen hinweg entwickelt und etabliert.
„Wir sind doch sehr erleichtert, dass wir nach der langen pandemiebedingten Zwangspause wieder auf der Bühne stehen können“, so drückte sich Bandleader Lucio Marelli in seinen kurzen Grußworten aus. Und das war in der gesamten Darbietung ihres Programmes mehr als spürbar.
Bodenhaftung gekonnt verbunden mit vielseitiger Interpretation
Die Band nahm die Zuhörer und Zuhörerinnen mit in die Welt allseits bekannter Jazzstandards der 1930er- und 1940er-Jahre, die keineswegs verfremdet oder gar einer stilistischen Modifikation unterzogen wurden. Stets war die Bodenhaftung erkenn- und hörbar, was vom Publikum mit reichlich Beifall belohnt wurde.
In vom Swing beeinflussten Titeln wie „Like Someone In Love“ und „Take The A-Train“, in einem bebopartig angehauchten Stück wie „You Stepped Out Of A Dream“ oder in der Ballade „Darn That Dream“, zeigten die Musiker ihre Vielseitigkeit der musikalischen Interpretation und Ausdrucksweise.
Dominant und zentral im Geschehen steht Attilio Troiano am Tenorsaxofon, der mit seiner Spielweise die Zuhörer sofort in den Bann zieht. Mit vollmundigem und voluminösen Sound, manchmal gefühlvollem Ansatz, sicherer Intonation, unter Ausnutzung fast der gesamten Tonskala, bedient er sein Instrument meisterhaft. In „Just A Line From The Past“ ließ er die Klappen regelrecht heiß laufen und improvisierte in atemberaubendem Tempo. Auch im Titel „Star Eyes“ glänzte er durch modale Ansätze in der Improvisation und einen herrlichen „Offbeat“.
Doch der gelegentlich schelmenhaft wirkende und zu kleinen Gags aufgelegte Künstler riss auch stimmlich das Publikum einfach mit. Mit geradem oder vibratohaft belegtem Gesang, emotional oder hart und gut austariert, interpretierte er die Titel „Autumn Leaves“ und „Darn That Dream“. In manch einem Stück schwenkte er blitzartig in den Scat-Gesang und ließ die Silben wie Perlen aus seinem Mund strömen. Ein regelrechtes Feuerwerk entfachte er in „Fly Me To The Moon“. Eine grandiose Vorstellung.
Am Flügel zelebrierte Simone Bollini einen Stil, der sehr von Empathie gekennzeichnet war. Unaufdringlich ergänzte er das Spiel seines Mitstreiters am Saxofon mit gekonnten „Fill-Ins“, legte deutliche „Voicings“ in der linken Hand und offenbarte mit der rechten einen sauberen Anschlag und ausgefeilte Fingertechnik. In Duke Ellingtons „Caravan“ spielte er sich in einem souveränen und elanvollen Solo mit versierter Phrasierung zu einem seiner Höhepunkte.
Giuseppe Venezia am Kontrabass war Garant für ein sicheres Metrum und ließ seine Finger flink über das Griffbrett gleiten und lockerte das Programm immer wieder durch kurze Soli auf. Manch einen Schluss gestaltete er streichend mit seinem Bogen. Lucio Marelli bearbeitete Becken und Trommeln sehr differenziert mit Stöcken, Besen und gelegentlich auch mit Schlägeln.
In „Afternoon In Rome“ setzte er sich und seine Mitstreiter durch kurze Überleitungen geschickt in Szene. Beide Rhythmiker hielten sich bei den Soli ihrer Mitmusiker dezent zurück und trugen so wesentlich zum guten Gesamteindruck von switalo jazz bei.
Rainer Kellmayer | Eßlinger Zeitung | 28.03.2022
Traditioneller Jazz mit brillantem Scatgesang
In der Köngener Schlosskapelle überezugte die schweizerisch-italienische Formation switalo jazz mit starker Technik und Späßen. Artikel-PDF öffnen...