Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Jugendliche Spielfreude gegen den Corona-Blues

Das Jakob Bänsch Collective versetzt das Publikum in der Schlosskapelle in Erstaunen

Jakob Bänsch Collective - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 25.09.2020
Jakob Bänsch Collective - Jakob Manz (as), Moritz Langmaier (p), Jakob Bänsch (tp, fh), Loreen Sima (kb), Lukas Wögler (ts), Malte Wiest (dr). Foto: Bernd Husermann

Auch im Jazz-Club Köngen gingen bedingt durch die Corona-Pandemie für fünf Monate die Lichter aus. Hinter den Kulissen machten sich die Verantwortlichen jedoch schon lange Gedanken, wie man unter den gegebenen Einschränkungen die sehr erfolgreiche Konzertreihe weiterführen könnte. Nun sorgt ein ausgeklügeltes Schutz- und Hygienekonzept für einen Rahmen, der zumindest bis Dezember Auftritte unterschiedlicher Formationen ermöglicht. Damit soll wieder ein kultureller Alltag geschaffen werden, der nicht nur dem Publikum zugutekommt, sondern vor allem die bisher stark betroffenen Musiker auf den Weg der Hoffnung zurückführt.

Mit dem Jakob Bänsch Collective hat man gleich zum Neustart eine Band eingeladen, die aus Musikern verschiedener Musikhochschulen besteht. Was die jungen Leute in der Schlosskapelle vor dem auf 50 Personen reduzierten Publikum innerhalb von zwei Stunden hinlegten, versetzte jeden in Erstaunen. Ein schon hohes Maß an technischer Finesse an den Instrumenten, ein harmonisches und brillantes Zusammenspiel, aber vor allem eine Hingabe und Spielfreude unter Maximaleinsatz ihrer Körpersprache sorgten für höchsten Genuss. Ihre musikalische Reifeprüfung haben allesamt schon lange bestanden. Das über uns latent schwebende Corona-Virus konnte man tatsächlich für eine Weile vergessen.

Der erst 17-jährige Bandleader Jakob Bänsch, der multifunktional als Trompeter, Komponist und Arrangeur auftrat, sorgte durch eine geschickte Programmauswahl für Abwechslung. „Während des Corona-Lockdowns hatte ich viel Zeit, aus dieser ungewohnten Erfahrung heraus etwas Besonderes zu machen,“ so drückte er sich über die Entstehung des Titels „Dream Of Ending Tears“ aus. Teils balladenhaft, dann das Tempo aufnehmend, konnte er in dieser Eigenkomposition sein ganzes Können ausfahren. Glasklare Töne an der Trompete, eher weiche Tongebung am Flügelhorn, kaskadenhafte, aber auch schmeichelnde Tonfolgen wechselten sich ab. In einer weiteren Eigenkomposition „Light“ geriet er in völlige Ekstase und tauchte mit seinem ganzen Körper in die Musik ein. Eine insgesamt schon sehr reife und meisterhafte Leistung.

Seine beiden Mitstreiter in der Frontline, Jakob Manz am Altsaxofon und Lukas Wögler am Tenorsaxofon, ergänzten das Bläsertrio professionell. Markant ihre Unisono-Passagen, präzise das Tuttispiel, ein gelegentliches Duell mit Frage und Antwort, eine Kollektivimprovisation, all das gehörte zu ihren sehr überzeugenden Spielweisen. Eine kurze, fugenartige Passage im Titel „You Must believe In Spring“ von Michael Legrand entpuppte sich als Überraschung. J. S. Bach hätte seine wahre Freude daran gehabt.

John Coltrane bot im Titel „Resolution“ den Übergang in die Welt der Moderne des Avantgarde Jazz. Jakob Manz ließ hier sein Altsaxofon heißlaufen, legte atemberaubende Skalen im atonalen Bereich vor und ging in der Musik völlig auf. Eine fulminante Leistung. Lukas Wögler am Tenorsaxofon hat ebenfalls schon einen steilen Weg nach oben hinter sich gebracht. Er zauberte aus seinem Instrument das Maximale an Tongebung heraus, sauber intoniert, gefühlvoll und routiniert. Auch er lebte in und mit der Musik.

Am Flügel glänzte Moritz Langmaier mit einem deutlichen und perfekten Anschlag in der rechten Hand, ließ die linke Hand akkordisch dezent im Hintergrund. Mit Gefühl und Empathie bestach er in diversen Soli. Seine Intros in „The Four Sleepers“ und „Leaving“ waren ein echter Hörgenuss.

Die beiden Rhythmiker Loreen Sima am Kontrabass und Malte Wiest am Schlagzeug legten eine sehr solide Basis. Die Lady in der Band sorgte für sauber gezupfte Töne, einen herrlichen Bassteppich in „Memories Remain“ oder präsentierte einen eingängigen und präzisen „Walking Bass“. Malte Wiest bediente Trommeln und Becken mit Bravour, markierte Übergänge glasklar und spielte sich in „Resolution“ in einem Solo überzeugend in den Vordergrund.

Nach zwei Zugaben machte sich das Publikum zufrieden auf den Nachhauseweg, wohlwissend, dass diesen Musikern die Zukunft gehört.

Ein weiterer Konzertbericht erschien in der Eßlinger Zeitung (Elisabeth Maier, 02.10.2020)
Eine tiefgründige Ballade aus der Isolation
Mit dem "Jakob Bänsch Collective" und innovativen Kompositionen wagt der Jazzclub den Neustart
Der Trompeter und Bandleder Jakob Bänsch, der Saxofonist Jakob Manz sowie Lukas Wögler am Tenorsaxofon, Loreen Sima am Bass und Malte Wiest am Schlagzeug überzeugten nicht nur mit kraftvoll und neu arrangierten Klassikern. Unter die Haut gingen gerade Eigenkompositionen des jungen Bandleders.

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Bilder vom Konzert

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