Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Kollektive Harmonie und Präzision

Die Neckartown Jazzband besticht in angestammter Routine in der Schlosskapelle

Neckartown Jazzband - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 27.09.2019
Jürgen Moser (kb), Wolfgang Albrecht (kl), Joachim Berkemer (tp), Manfred Fleck (dr), Thomas Zettler (pos), Paul Weber (git), Claus-Peter Surholt (bj, voc). Foto: Corinna Schmid.

Nach der zweimonatigen Sommerpause öffnete der Jazz-Club Köngen wieder seine Pforten und entführte das treue Publikum in die Welt des traditionellen und klassischen Jazz. Das Konzert schon lange im Vorfeld ausverkauft, das Mitarbeiter-Team des Clubs in freudiger Erwartung, und so konnte man nach vielen sehr gut besuchten Veranstaltungen in diesem Jahr auch dem anstehenden Ereignis mit Gelassenheit entgegensehen.

Eingeladen war die Neckartown Jazzband aus Tübingen, die ihrem in der ganzen Region hervorragenden Ruf absolut gerecht wurde. Die Band, die in diesem Jahr ihr 50jähriges Jubiläum feiert, präsentierte sich ihrem Publikum mit frischem und keinesfalls angestaubtem Sound, sondern bestach durch Spielfreude und angestammte Routine.

„Schön, dass es hier in Köngen noch eine Nische für den Oldtime Jazz gibt,“ so Peter Surholt in seiner Begrüßung. Und los legten sie, die sieben Musiker und würdigten diese Sparte des Jazz im Laufe des Abends mit einer Überzeugungskraft, die sofort auf das Publikum übersprang und positive Kräfte freisetzte.

Wunderbar der Einstieg mit dem Klassiker „The St. Louis Blues“, in dem die einzelnen Teile, klar differenziert, entweder tutti oder durch Improvisationen vorgetragen, ihre eigene Wirkung entfalten konnten. Auch im darauffolgenden „C-Jam Blues“, mit flottem Tempo interpretiert, zeigte die Band, dass sie in diesem Stil zuhause ist.

Die Instrumentierung der drei „Frontmen“ entsprach der einer klassischen Dixieland-Formation. Joachim Berkemer an der Trompete offenbarte eine exzellente Beherrschung seines Instrumentes. In Titeln wie „When My Dreamboat Comes Home“ oder „Oh Baby“ bestach er durch eine glasklare Intonation, saubere Tongebung auch in höheren Lagen und legte extrem schnell gespielte Triolen- oder Sechzehntelketten vor. Knallhart betonte Eckpunkte und willkommene Zäsuren gehören ebenfalls zu seinem Können.

Wolfgang Albrecht an der Klarinette brachte sich sehr gefühlvoll in den Titeln „Petite Fleur“ oder „I Believe In Miracles“ ein. Die Töne von warm und geschmeidig bis hell knisternd und schrill variierten in ihrer ganzen Bandbreite. Auch er ein echter Meister an seinem Instrument. Thomas Zettler deckte mit seiner Posaune die tiefen Tonlagen ab und ergänzte hervorragend das Gesamtbild der Melodieinstrumente. Auffällig eine gute Beherrschung der Dynamik und das immer wieder eingeworfene „Dirty Play“ als willkommene Bereicherung des Sounds.

Die oft mit dem Attribut Dixieland Band versehene Formation lässt sich jedoch weder von der Spielweise noch von der Instrumentierung ausschließlich in diese Sparte einordnen, denn zu ihrer musikalischen Präsentation gehören nicht nur die Kollektivimprovisation, sondern sehr stark ausgeprägt auch die Soloimprovisation über vorgegebene Chorusse, die eigentlich typisch für eine spätere Jazzepoche ist. In den gesamten Titeln kommt jedoch, besonders im Tutti-Spiel, die kollektive Harmonie und Präzision innerhalb der Band zum Ausdruck.

Dazu trug ebenfalls die Rhythmusgruppe mit Jürgen Moser am Kontrabass, Paul Weber an der Gitarre, Peter Surholt am Banjo und Manfred Fleck am Schlagzeug bei, die alle kompetent, versiert und musikalisch sehr auf die Wirkung des Konzertes bedacht, das gute Gesamtbild der Band abrundeten. Peter Surholt gefiel noch durch eine wohl dosierte, launige und kundige Moderation und verlieh einigen Titeln mit seiner gefälligen Stimme einen besonderen Glanz.

Professionell verabschiedete sich die Band im passenden Titel „Goodbye“. Mit dem „Wiegenlied“ von J. Brahms, vom Publikum mitgesungen, klang ein wunderschöner Konzertabend aus.

Bilder vom Konzert folgen demnächst.

 

 

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