Besser hätte es nicht laufen können. Nach der coronabedingten Absage im letzten Jahr gastierte nun das Soleil Niklasson Quintet im zweiten Anlauf in den Gemäuern des Schlosses und bescherte dem Publikum einen grandiosen Start in das Jubiläumsjahr des heimischen Clubs. 20 Jahre Jazz-Club „Schloss Köngen“ – eine Erfolgsgeschichte.
Nicht ohne Stolz verwies der Erste Vorsitzende Johannes C. Laxander in seiner Begrüßungsrede auf das bisher Erreichte und ließ die vergangenen zwei Jahrzehnte kurz Revue passieren. „Soleil Niklasson und ihre Mitmusiker werden uns heute sicherlich mit einem tollen Programm erfreuen,“ so lauteten seine abschließenden Worte. Und wie er recht behalten sollte. Soleil Niklasson und ihre vier „Jungs“ entfachten nicht nur ein musikalisches Feuerwerk, sondern vermittelten den Zuhörern auch emotionale und spirituelle Werte in einem Aufruf zu gegenseitiger Liebe und Respekt, persönlicher Selbstfindung und Stärke. Manch eine politische oder auch gesellschaftliche Aussage kam über die Lippen der Bandleaderin, die in gut verständlichem Englisch unheimlich authentisch wirkte.
Im Eingangstitel „Alone Together“ ließen die vier Musiker instrumental schon mal ihre ganze Professionalität aufblitzen. Dann kam Soleil Niklasson auf die Bühne. Ein, zwei, drei Töne - der Rahmen für den restlichen Abend war gesteckt. Eine Stimme, raumfüllend, voluminös, gefühlvoll, schmeichelnd, kantig und impulsiv. In den Titeln „Freedom Praise“ und „Embrace“ enthüllte sie alle Facetten ihrer Gesangskunst. Ein Einstand nach Maß.
In einem Einblick in ihr Seelenleben begleitet sie die Zuhörer an diesem Abend in ihre Welt des Glaubens und erläutert ihr Verhältnis zu Jesus und Gott. „I did a lot of prayer“, und das nimmt man ihr einfach ab. In dem unter die Haut gehenden Stück „The Prayer“ setzt sie das alles musikalisch um. Nach einem kurzen Intro des Sopransaxofons erhebt sie ihre Stimme in einem Gespräch mit Gott, emotional, sanft, kraftvoll, aber auch fordernd. Der von ihr selbst komponierte Titel im Dreivierteltakt verfehlt nicht seine Wirkung. Das Publikum ist fasziniert und kann sich dem charismatischen Auftreten der US-amerikanischen Sängerin nicht entziehen. Eine äußerst gelungene Interaktion zwischen Künstlerin und Zuhörern durchdringt das ganze Konzert. Das komplette Programm stammt aus ihrer Feder. Deutlich sind die Einflüsse von Blues, Soul, Spiritual, Gospel, Swing und Latin zu spüren.
Der Titel „Package Full Of Dreams“ spiegelte grandios die verschiedenen Wohnorte der Sängerin wider. Sven Bergmann am Piano und Henning Gailing am Kontrabass leiteten schon fast romantisch ein, bevor Soleil Niklasson mit tiefer Stimme, aber auch mit prickelnden Oktavsprüngen aufwartete. Zart umrahmte Andreas Laux am Sopransaxofon das ganze Gebilde. Schnell nahm das Stück an Fahrt auf und endete nach einem fulminanten Crescendo mit fast ekstatischem Klanggewitter sanft gestrichen am Bass. Andreas Griefingholt am Schlagzeug sorgte mit Bravour für die notwendige rhythmische Grundierung.
Alle vier Begleitmusiker erwiesen sich als hervorragende Ergänzung und versierte Stütze für die gesanglichen Darbietungen. Sehr überzeugend und mit ausgeklügelter Anschlagtechnik begleitete Sven Bergmann am Piano und lieferte ein gigantisches Solo in „Love Don’t Come Easy“. Andreas Laux, meist am Altsaxofon, stand ihm in nichts nach und bestach durch gefühlvolle, aber auch vehementere Passagen. In „The Power“ lief er zur Höchstform auf. Henning Gailing war mit seinem Kontrabass förmlich verschmolzen. Auch die schnellsten Triolen gelangen ihm in einem außergewöhnlichen Solo in „There Is No Greater Love“ präzise und souverän. Der rhythmische Steuermann, Andreas Griefingholt, entpuppte sich als wahrer Meister an Trommeln und Becken und führte die Band mit ausgefeilter Dynamik über alle Klippen. Furios sein Solo in „Home Back To Love“.
Der wunderschöne Konzertabend in der Schlosskapelle endete mit einem tanzenden Publikum und „Standing Ovations“. Wann hat es das zum letzten Mal gegeben?
Bilder vom Konzert