Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Rhythmische Glanzleistungen

Die Budapest Ragtime Band überraschte mit hohem Unterhaltungswert in der Schlosskapelle

Budapest Ragtime Band - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 28.02.2020
Die Budapest Ragtime Band verfügt über Spitzenmusiker, was das Publikum mit reichlich Beifall quittierte. Foto: Horst Stange

Nicht zum ersten Mal gastierte die Budapest Ragtime Band im Jazz-Club Köngen. Das von Bandleader Ferenc Gayer zusammengestellte Septett aus Vollblutmusikern überraschte die Zuhörer in der wiederum vollbesetzten Schlosskapelle mit einem bunten Mix aus Ragtime, Dixieland, Swing und zeitlosen Evergreens. Sehr zum Wohlgefallen des Publikums gehörten dazu aber auch Ausflüge in die Welt der klassischen Musik und der Oper. Der Funke sprang sofort in den Anfangsstücken über, in denen der Ragtime zu Ehren kam. In Titeln wie „Bohemia Rag“, „Easy Winners“ oder „Creole Belles“ zeigten die professionellen Musiker, wie man durch passende Arrangements einen Musikstil, der ursprünglich nur dem Pianospiel vorbehalten war, auch durch eine breiter gefächerte Instrumentierung zelebrieren kann. Und das ist ihnen auf meisterhafte Weise gelungen.

József Széki führte auf charmante Art durch das Programm und forderte das Publikum nicht nur zum Tanzen auf, sondern animierte auch gekonnt zum Mitsingen und Mitmachen. Als wahrer Verwandlungskünstler stand er plötzlich in „Sweet Georgia Brown“ als Rapper oder in „Hungarian Dances“ als traditioneller Ungar auf der Bühne und sorgte so für Überraschungsmomente mit einem hohen Unterhaltungswert. Mit sonorer Stimme wertete er manch einen Titel auf, am Xylophon jedoch krönte er seine Darbietungen mit absoluten Spitzenleistungen. In den Titeln „Nola“ und „Flick-Flack“ setzte er Maßstäbe in der Spielkunst und kreierte in seinen Soli wunderbare Klangteppiche oder ließ seine Schlägel in atemberaubendem Tempo über sein Instrument gleiten.

Die Melodiegruppe mit Trompete, Posaune und Violine gefiel durch ein gut abgestimmtes Tuttispiel und abwechslungsreiche Passagen, in denen jedes Instrument seine Aufgaben individuell erfüllen konnte. Sándor Csárics an der Trompete begleitete meist mit ruhiger und ausgeglichener Tonführung in mittleren Tonbereichen. Explosive Ansätze auch mit sehr schnell gestoßenen Tönen und ein Aufstieg in höhere Tonlagen offenbarte er routiniert und mit Qualität im Titel „Minka“. An der Posaune glänzte Krisztián Csapó durch einen stabilen und prägnanten Ton, sauber und klar intoniert. „When You’re Smiling“ gab ihm die Freiräume, um sich solistisch gekonnt in Szene zu setzen. Tibor Antal an der Violine steuerte einen soundmäßigen und wohlklingenden Kontrast bei, mit angenehmem und gelegentlich schmalzigem Ton. Seine meist eng an die Melodie gebundene Improvisation erfuhr eine freiere Gestaltung in “Alexander‘s Ragtime Band“ und in „Bye Bye Blackbird“. Hier konnte er seine ganze Klasse präsentieren.

„Honeysuckle Rose“ entpuppte sich als einer der Höhepunkte des Abends. Der junge Pianist Tamás Balogh, kurzfristig für den erkrankten Stammpianisten eingesprungen, nahm dieses Stück aus seinem angestammten Kontext und interpretierte es äußerst abwechslungsreich, indem er sich dem eigentlichen Thema immer wieder tangential näherte. Mit einer ausgefeilten Anschlagtechnik, einer differenzierten Dynamik, sauberen Läufen und einem nicht zu überhörenden Offbeat kann man von diesem Talent in der Zukunft noch einiges erwarten.

Was die Band insgesamt hervorragend beherrschte, waren unerwartete und unvermutet einsetzende Rhythmuswechsel innerhalb der Stücke. Für diese Glanzleistungen zeichneten Ferenc Gayer am Kontrabass und János Weszely am Schlagzeug verantwortlich, die beide mit einem hohen Grad an Routine und Professionalität die Fäden in der Hand hielten. Dezent im Auftritt und mit durchdachter Zurückhaltung sind sie Garant für den durchschlagenden Erfolg dieser Band.

Die sieben sympathischen Musiker setzten mit der Zugabe „Sword Dance“ einen fulminanten Schlusspunkt und entließen zufriedene Gesichter in das Dunkel der Nacht.

Bilder vom Konzert

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