Konzertbericht

Reise in die Wiege des Jazz

Mit einem äußerst mitreißenden Programm beeindruckten die Bosch All Stars in der Schlosskapelle. Obwohl mittlerweile im Rentenalter, glänzte die Band durch Spielwitz und Vitalität.

Bosch All Stars am 29.09.2023 im Jazzclub Köngen
Die Bosch All Stars in der Köngener Schlosskapelle - Foto: Gerd Kenner.

Zum Auftaktkonzert nach der Sommerpause hat der Jazz-Club Schloss Köngen wieder einmal einen Glücksgriff getätigt. Eingeladen waren die Bosch All Stars und diese ließen es ohne großes Vorgeplänkel auch gleich richtig krachen. Im wahrsten Sinne des Wortes entluden sie im ersten Titel „At the Jazz Band Ball“ ihre Energie vor ausverkauftem Hause und glänzten durch Spielwitz und eine bestechende Vitalität. Den tanzbaren Titel ging die sechsköpfige Besetzung fulminant an, präsentierte ein geschliffenes Tutti-Spiel, kollektiv aufeinander abgestimmte Passagen oder zeigte in kurzen Soli ihr individuelles Können. Die Dynamik wurde durch klare Crescendi oder Decrescendi unterstützt. Das Publikum honorierte den Einstieg mit großem Beifall.

Die Originalbesetzung der Band, die ursprünglich aus Mitarbeitern der Robert Bosch GmbH bestand und die mittlerweile alle das Rentenalter erreicht haben, hat sich im Laufe der Zeit geändert. Die eingewechselten Musiker haben sich jedoch nahtlos eingefügt und so kann die Band nach wie vor auf ein äußerst mitreißendes Programm zurückgreifen, das Titel aus der Wiege des Jazz, New Orleans, beinhaltet, aber auch die 1920er- und 1930er-Jahre mit Blues und Swing einbezieht.

So wurden Titel von wohlklingenden Namen wie Duke Ellington, King Oliver, Kid Ory, Sidney Bechet, Fats Waller oder George Gershwin dargeboten, aber auch das Lokalkolorit kam im „Fernsehturm Blues“ zu Ehren, der - von Peter Maisenbacher auf Schwäbisch vorgetragen - vom Publikum kräftig bejubelt wurde.

„Georgia ist der Bundesstaat, in dem D. Trump Wahlbetrug versuchte“, so spielte Rolf Martin auf die damaligen Vorgänge an, als er den Titel „Sweet Georgia Brown“ ankündigte. In diesem Fall sei allerdings der Name eines Mädchens damit verbunden. Rolf Martin erwies sich während des ganzen Konzertes als begnadeter Moderator, der sach- und fachkundig, launig und anekdotenreich dem Programm einen würdigen Rahmen verlieh.

Bei den Bosch All Stars gibt es eine Reihe von Multiinstrumentalisten, zu denen auch Manfred Schütt gehört, der an der Klarinette, am Sopran- und Tenorsaxofon sowie an der Querflöte eine überragende Rolle spielt. Sein Klangspektrum reicht von schalmeienhaft über graziös, voluminös bis kantig und schrill, unter Einbeziehung aller Tonlagen. In seinem Auftreten und seiner Körpersprache steht er in einer konstruktiven Interaktion mit seinen Instrumenten , denen er förmlich Leben einhaucht. Ein Musiker der Extraklasse.

In einem Tausch zwischen Posaune, Tuba und Kontrabass spielte sich Karl-Otto Schmidt überzeugend durch das Programm. An der Posaune umrahmte er gekonnt in seinen Soli relativ eng die Melodien ohne sich auf wilde Skalenritte einzulassen. An Tuba und Kontrabass lieferte er als Rhythmiker eine solide Grundlage und gestaltete an der Tuba im Titel „Creole Jazz“ ein schönes und gelungenes Solo.

Am Kontrabass ließ Rolf Martin seine Finger routiniert über das Griffbrett gleiten und sorgte für zuverlässige Rhythmusteppiche. In höheren Tonbereichen war er an der Klarinette unterwegs und zeigte hier in zahlreichen Melodien und Improvisationseinlagen sein Gespür für die richtige Tonlage, eine korrekte Phrasierung und den passenden emotionalen „Touch“. Auffällig war sein Solo im „Royal Garden Blues“.

An der Trompete erwies sich Christof Schaff sowohl in der Führungsposition als auch in einer untergeordneten Funktion als äußerst souverän und durchdrang die Stücke mit sauberer Intonation und Strahlkraft. Verschiedene Dämpfer sorgten noch für ein zusätzliches Klangspektrum. In „Dans les rues d’Antibes“ lief er in einem knackigen Solo zur Hochform auf.

Peter Maisenbacher beherrschte sowohl Gitarre und Banjo sehr präzise, einfühlsam und präsentierte seine Soli in wohlüberlegter Manier als Einzeltöne oder akkordisch. Mit seiner sonoren Stimme verlieh er manch einem Stück noch eine Aufwertung. Karel Vlach hielt am Schlagzeug die Fäden unauffällig zusammen und garantierte für eine sichere und stabile rhythmische Basis.

Mit der symbolträchtigen Zugabe „We’ll Meet Again“ entließen die Musiker das begeisterte Publikum auf den Nachhauseweg.

 

Bilder vom Konzert

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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