Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Vielfältige musikalische Interaktion auf Augenhöhe

Das Lukas Wögler Quartett überrascht das Publikum im Köngener Schloss. Jazz mit jugendlicher Kreativität und Spontanität vorgetragen.
Lukas Wögler Quartett - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 29.10.2021
Das Lukas Wögler Quartett lässt sich in keine Schublade stecken.

Im Rahmen der Nachwuchsförderung gastierte das Lukas Wögler Quartett im Jazz-Club Schloss Köngen. Schon seit langem ist es den Vereinsverantwortlichen ein ernsthaftes Anliegen, auch zukünftigen Jazzgrößen würdige Konzertbedingungen und ein geeignetes Forum zu bieten. Wer jedoch Jazz im Sinne des Mainstream oder gar noch traditionellere Stile erwartet hatte, musste sich schnell eines Besseren belehren lassen.

Lukas Wögler am Tenorsaxofon, Moritz Langmaier am Piano, Jens Loh am Bass und David Giesel am Schlagzeug präsentierten ein Programm, das sich keiner Sparte zuordnen oder gar in eine starre Schublade stecken lässt. Jazz mit jugendlicher Kreativität und Spontanität vorgetragen, mal modern, mal groovig, mit Swingelementen behaftet oder balladesk angehaucht, melodiös oder auch mit modaler Chromatik, so spielte sich das Quartett mit Sympathie in die Herzen der Zuhörer, die das Tuttispiel und besonders die Soli der Musiker mit Beifall reichlich belohnten.

Bandleader Lukas Wögler überraschte mit einer stattlichen Zahl an Kompositionen aus seiner eigenen Feder, von denen zwei so neu waren, dass sie noch nicht einmal einen Titel hatten. Egal, ob es sich um Eigenkompositionen oder Jazzstandards wie „Waltz For Debby“ oder „Everybody’s Song But My Own“ handelte, beeindruckte die Band durch ein harmonisches Zusammenspiel, differenzierte Dynamik und vielfältige Wege der musikalischen Interaktion. Überzeugend und elegant gestaltete das Quartett die thematischen und rhythmischen Übergänge. Die jungen Musiker agierten auf Augenhöhe miteinander und zeigten insgesamt schon eine sehr reife Leistung.

Lukas Wögler offenbarte beachtliches Können

Der Großteil der Stücke trug die Handschrift des Bandleaders Lukas Wögler, der ganz im Stile eines John Coltrane meist das Tenorsaxofon spielte, gelegentlich aber auch zum Sopransaxofon griff. In den beiden Balladen „Ninety-five Windows“ und „Longing“ ließ er sein Saxofon feinfühlig und gedämpft erklingen, manchmal nur zart behaucht, aber immer mit sicherer Intonation. In „Stolen Lines“ schraubte er sich ekstatisch in hohe Tonbereiche, schrill und energiegeladen dann seine Spielweise. Kennzeichnend für ihn auch die Gestaltung der Schlusstakte, die wie im Titel „Sofa Tofu“ meist mit einem zarten Diminuendo, ruhig und zuweilen dissonant zu Ende gingen. In einem breiten musikalischen Spektrum offenbarte er schon ein beachtliches Können.

Als zweiter Solist entpuppte sich Moritz Langmaier am Piano als perfekte Ergänzung im Bandgefüge. Versiert mit ausgeklügelter Finger- und Anschlagtechnik war er entweder mit Background-Harmonik bedacht, umspielte wunderschön die Melodien oder ließ die rechte Hand gekonnt in zahlreichen Soli über die Tasten gleiten. Sehr empathisch gestaltete er die Intro zu „Ninety-five Windows“. Nur allzu schade, dass seine „Voicings“ der linken Hand nicht immer durchdrangen.

Der Titel „Stolen Lines“, von Schlagzeuger David Giesel komponiert, bildete rhythmisch einen willkommenen Kontrast, der neue Freiräume für die Improvisationen der Solisten schuf.

David Giesel führte das Quartett sicher und souverän durch die einzelnen Stücke, setzte seine Becken und Trommeln wohlüberlegt ein, kreierte geschmeidige Überleitungen oder nur kurze „Fill-ins“, um die Band auf Kurs zu halten. Immer wieder ließ er auch seine Besen gefühlvoll über die Instrumente gleiten oder steuerte durch zarte „Rimshots“ im Stück „Longing“ eine neue Klangfarbe bei. Nur vereinzelt überflügelte seine unbändige Spielfreude auch einmal ein Klaviersolo.

Am Kontrabass sorgte Jens Loh für eine sehr solide und professionelle Grundierung und brachte sich emotional in das Geschehen ein. Er spielte sich durch alle Lagen in rhythmischen Figuren, entlockte seinem Instrument herrliche Bassläufe oder malträtierte die Saiten gelegentlich durch kräftiges Reißen. Auch er ein absoluter Garant für den Gesamterfolg des Quartetts.

Mit der Zugabe „Billie’s Bounce“ von Charlie Parker zeigte sich die Band von einer ganz anderen Seite und zog noch einmal alle Register ihres Könnens – sehr zum Wohlgefallen des Publikums.

Elisabeth Maier | Eßlinger Zeitung | 08.11.2021
Mit jugendlicher Lust am Spiel zu den Wurzeln des Jazz
Beim Konzert am 29.10.2021 zeigten der Saxofonist Lukas Wögler und sein Quartett im Köngener Jazzclub die Spontanität der jungen Szene. Artikel-PDF öffnen...

Bilder vom Konzert (demnächst hier)

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