Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Herrliche Klangbilder in swingender Manier

Die Echoes of Swing verwöhnten das Publikum im Köngener Schloss

Echoes of Swing - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 30.10.2020
Echoes of Swing am 30.11.2020 im Köngener Schloss - Bernd Lhotzky (p), Bernard Flegar (dr), Colin Dawson (tp), Chris Hopkins (as)

Allen Widrigkeiten zum Trotz öffnete der Jazz-Club Köngen nach reiflicher Überlegung seine Pforten für ein weiteres Konzert unter nicht gerade verheißungsvollen Bedingungen. Ein striktes Hygienekonzept, ein sehr diszipliniertes Publikum und glänzend aufspielende Musiker sorgten dennoch für einen Lichtblick in dieser oft so trostlosen Zeit.

Mit der Verpflichtung der Band Echoes of Swing hatte man wieder einmal Hochkaräter aus der Welt des traditionellen, swingenden Jazz zu Gast, die aber auch als Grenzgänger zwischen Klassik, anderen Genres der Musik und dem Jazz sich seit vielen Jahren ein internationales Renommee geschaffen und den Swing als Element gewissermaßen schon einverleibt haben. Die rege Konzerttätigkeit der Band auf zahlreichen Kontinenten spiegelt sich in den Titeln „Orient Express“, „Carolina Shout“, „Old Man River“ oder „The Fiji Hula Bula“ wider.

Der Eingangstitel „Orient Express“ entpuppte sich als Vorausschau auf das folgende Programm, indem die vier Musiker gleich ihre Professionalität und einschlägige Musikalität ausspielten konnten. Chris Hopkins am Altsaxofon und Colin Dawson an der Trompete gefielen durch ein perfekt abgestimmtes Zusammenspiel, in sich abwechselnden Motiven oder in paralleler, versetzter Melodieführung. Am Flügel legte Bernd Lhotzky durch einen deutlichen „Walking Bass“ in der linken Hand eine sichere rhythmische Grundlage, ohne die Aktivitäten in der rechten zu vernachlässigen. Sehr dezent und gefühlvoll agierte Bernard Flegar an den Drums und indizierte saubere Übergänge. Der gesamten Band auf den Leib geschrieben war ein breites dynamisches Spektrum vom allerfeinsten Pianissimo bis zum voluminösen Fortissimo. Dem Publikum wurden hier schon swingende Passagen und herrliche Klangbilder präsentiert.

„Beswingt wollen wir zusammen in den Lockdown gehen“, so gewann Bandleader Chris Hopkins der neuerlichen Situation wenigstens noch einen positiven Aspekt ab. Ansonsten führte er unterhaltsam, anekdotenreich und informativ durch das Programm. Am Altsaxofon ließ er sein ganzes Können aufblitzen und lotete dessen klangliche Möglichkeiten aus. Meist weich und geschmeidig in der Intonation, selten schrill oder gar aggressiv, umrahmte er in seinen Soli empathisch die einzelnen Stücke wie „I’m Yours“ oder die Ballade „Passion Flower“. Ein echter Meister an seinem Instrument.

Als genialer Partner erwies sich Colin Dawson an der Trompete. Technisch versiert und intonatorisch geschliffen überzeugte er in allen Tonbereichen. Verschiedene Dämpfer sorgten für zusätzliche Klangfarben in seinem Spiel. In den Titeln „Volare“ und „Disorder At The Border“ zeigte er explosive Ansätze und lief zur Hochform auf.

Wer behauptet, Swing könne nur mit einem Kontrabass gespielt und gelebt werden, muss sich eines Besseren belehren lassen, denn Bernd Lhotzky als begnadeter Pianist übernimmt in der Band eine Doppelfunktion als Melodiker und Rhythmiker. Als Stride-Pianist mit anspruchsvollen Dezimen in der linken Hand verleiht er seinem Spiel eine dominante Note. Oftmals garnierte er auch das rhythmische Fundament mit gefälligen Basslinien so wie im Titel „Old Man River“, in dem er dann mit der rechten Hand parallel eine fulminante Improvisation hinlegte. In „Carolina Shout“ offenbarte er im Stile von Fats Waller seine wahrhaftige Größe.

Fast unauffällig hielt Bernard Flegar die Fäden am Schlagzeug in der Hand, sich selten aufzwingend, mit einem bewusst sparsam gehaltenen Einsatz seiner Besen und Stöcke. Eine reife und grandiose Leistung. In „Old Man River“ brannte er jedoch in einem Solo ein furioses Feuerwerk an Trommeln und Becken ab.

In der kräftig geforderten Zugabe verwöhnte die Band noch einmal ihr Publikum mit dem klassikaffinen Titel „Beethoven Riffs On“.

Ein weiterer Konzertbericht erschien in der Eßlinger Zeitung (Elisabeth Maier, 03.11.2020)
Unter einer türkisfarbenen Wolke
Die Echoes of Swing interpretieren in der Schlosskapelle angestaubte Jazzstile verblüffend anders
Dass Jazz, Swing und Ragtime angestaubte Musikstile seien, widerlegen die Echoes of Swing ebenso lustvoll wie virtuos. Das Quartett um den Altsaxofonisten und Pianisten Chris Hopkins begeisterte das Publikum in der Schlosskapelle nicht nur mit einem erfrischenden Streifzug durch die Musikgeschichte. In den bekannten Standards fördern die Musiker mit eigenen Kompositionen oder Arrangements Ungewohntes zu Tage.

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Bilder vom Konzert

 

 

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