Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Alles über Gershwin

Das Alexander Bühl Sextett spielte im Köngener Schloss

Alexander Bühl Sextett - Konzert im Jazz-Club "Schloss Köngen" am 23.11.2018
Saxofonist Alexander Bühl und seine musikalischen Mitstreiter (v.l.n.r.: Timothy Hepburn, Alexander Bühl, Max Leiß, Simon Plötzeneder) der Köngener Schlosskapelle. Foto: Horst Stange.

Mit dem Sextett des Tenorsaxofonisten Alexander Bühl haben sich die Programmgestalter des Jazzclubs Köngen eine wahrhaft fantastische Band in die Schlosskapelle geholt. Nach vier Jahren gab es ein Wiedersehen mit diesen Musikern, die damals – blutjung und kaum der Musikhochschule entsprungen – die Musik von Cole Porter präsentierten. Im aktuellen Konzert wurde vorwiegend die Musik von George Gershwin gespielt, die auch auf einer neuen CD namens „All about Gershwin“ zu hören ist.

Alexander Bühl ist nicht nur ein exzellenter Saxofonist, sondern auch ein begnadeter Arrangeur. So wundert es auch nicht, dass er 2018 mit dem Landesjazzpreis ausgezeichnet wurde. Seine ausgefallenen und ideenreichen Arrangements präsentieren auch zigmal gehörte Standards in total neuem Gewand.

Mit kreativen Improvisationen die Zuhörer in den Bann gezogen

Bühl, der Primus inter Pares, hat eine Gruppe außergewöhnlicher Musiker um sich geschart. Die Blechbläser an seiner Seite sind Simon Plötzeneder aus Wien an der Trompete und Timothy Hepburn aus Australien an der Posaune. Die beiden interpretierten mühelos die raffinierten und technisch sehr anspruchsvollen Sätze und fesselten die Zuhörer mit ihren kreativen Improvisationen. Die Rhythmus- und Harmoniegruppe mit Constantin Krahmer am Piano, Max Leiß am Bass und Julian Fau am Schlagzeug geleitete die Bläser sicher über alle Klippen der Wechsel von Tempo und Metrum. Max Leiß war zudem häufig bei Balladen als vierte Stimme mit seinem gestrichenen Kontrabass den Bläsern zugeordnet.

Das Konzert umfasste elf Stücke von George Gershwin sowie einige von Cole Porter. Dabei wechselten Up-Tempo-Nummern wie „The man I love“ (sonst immer nur als Ballade zu hören) oder „Strike up the band“ mit gefühlvollen Balladen ab, wie „I love you Porgy“ aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“ oder „But not for me“ aus dem Musical „Girl Crazy“. Beim viel gehörten „I got rhythm“ hatte man Mühe, das Thema zu erkennen, bis sich herausstellte, dass es vom Schlagzeuger gespielt wurde, der mit dem Ellbogen die Fellspannung seiner Trommel so veränderte, dass tatsächlich die Melodie des Stücks entstand.

Ein besonderer Leckerbissen war „Soon“, das im Stil des coolen West Coast Jazz arrangiert war, wie er etwa im pianolosen Quartett von Gerry Mulligan mit Chet Baker beziehungsweise später Bob Brookmeyer gepflegt wurde. Zunächst spielten nur Tenorsaxofon und Kontrabass, später durch hauchzartes Schlagzeug unterstützt. Nach dem Einstieg der Posaune war das Mulligan-Brookmeyer-Quartett komplett, das schließlich noch durch Simon Plötzeneders Trompete zum Quintett wurde.

Das Konzert wurde abgeschlossen mit der Ballade „It ain’t necessarily so“ aus „Porgy and Bess“, bei der Plötzeneder mit herrlich schmutzigem Growl-Ton das Thema vorstellte. Der lang anhaltende Applaus des Publikums wurde schließlich belohnt mit der Zugabe „Everything I love“ von Cole Porter, in der sich die Solisten noch einmal richtig ins Zeug legten und damit eine rundum zufriedene Jazzgemeinde zurückließen.

Bilder vom Konzert

 

 

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