Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Brüllende Tiger im Köngener Schloss

Al Cat & the Roaring Tigers bringen den Jazzclub zum Kochen

Al Cat & the Roaring Tigers - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 26.10.2018

Angesichts der bevorstehenden Schließung des Jazzclubs Köngen wollten es die Programmgestalter noch einmal richtig krachen lassen und luden Alexander Katz mit seiner (beinahe) Big Band ein. Nun, das Ende des Clubs konnte dank der Initiative vieler Mitglieder abgewendet werden, aber die Einladung blieb bestehen und es hat gekracht – im besten positiven Sinn. Al Cat und die Roaring Tigers zelebrierten Swing, Jump und Rhythm ‘n‘ Blues in höchster Vollendung.

Vier Bläser bildeten die Front Line: Alexander Katz an der Posaune, Andy Lawrence an der Trompete, Helmut Engelhardt am Tenorsaxophon und Stefan Koschitzki an Bariton-, Tenor- und Altsaxophon. Einen dieser vier Musiker besonders hervorzuheben ist müßig. Sie agierten als perfektes Quartett und entwickelten nicht nur höchste Perfektion beim Spielen der mitunter komplizierten Arrangements, sondern glänzten auch solistisch in ihren einfallsreichen Improvisationen. Das Männerquartett wurde aufgemischt durch die bezaubernde Sängerin Rebecca-Madeleine Katz, die mit ihrer facettenreichen Stimme die Songs perfekt in Szene setzte.

Die Rhythmusgruppe des neunköpfigen Ensembles agierte mit größter Präzision und dennoch locker swingend und erinnerte an die berühmte Rhythmusgruppe der Count Basie Big Band. Der Rhythmus wurde geliefert durch Peter Starkmann an der Gitarre, der ganz im Stil Freddie Greens eher zu spüren als zu hören war, von Helmut Siegle am Kontrabass, Herald Schwer am Piano und Bernard Flegar am Schlagzeug. Die Vier lieferten den stabilen Teppich, auf dem sich die Bläser samt Sängerin austoben konnten.

Im Repertoire der Roaring Tigers waren dieses Mal Stücke aus der Frühzeit des Duke Ellington Orchesters wie „The Mooche“ oder „Black and Tan Fantasy“, beides mit viel Growl-Effekten im Jungle-Style gespielt, wie er von Ellington im Harlemer Cotton Club Ende der 1920er Jahre gepflegt wurde. Mit großer Begeisterung wurden die Hits von Louis Prima und Louis Jordan aus der Zeit des Rhythm ‘n‘ Blues aufgenommen. Neben Rebecca-Madeleine agierten auch ihr Vater sowie Andy Lawrence als Sänger, etwa in „Choo Choo Ch’Boogie“ oder „Just a Gigolo – I ain’t got Nobody“. In perfekter Bühnenshow inszenierten Rebecca-Madeleine und Andy im Duett „Hey Boy, hey Girl“ und „Embraceable You – I got it Bad“.

Eine besondere Herausforderung für die beiden Saxophonisten war „The Roaring Tigers“, ein Up-Tempo-Stück, das Alexander Katz vor 30 Jahren für seine damalige Stuttgarter Big Band komponierte, aber nie aufführte, so dass die Köngener Jazzfans hier die Uraufführung miterleben durften.

In seiner Schlussmoderation bedankte sich Alexander Katz bei den Köngener Jazzfreunden fürs Mitmachen und den kräftigen Applaus mit dem Satz: „Publikum und Musiker müssen eine Einheit bilden“. Wie wahr! kann man als Programmgestalter nur sagen, und diese Einheit war im Schloss bestimmt hergestellt, so dass die angedachte Schlussnummer „Buona Sera“ natürlich zum vorletzten Stück wurde. Erst nach der Zugabe „Sentimental Journey“ verließen die zufriedenen Gäste die proppenvolle Schlosskapelle.

Bilder vom Konzert

 

Diesen Konzertbericht präsentieren wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von

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