Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Bunter Stilmix quer durch den klassischen Jazz

„Woodhouse“ mit Sängerin Miëtt Molnar begeistern im Köngener Schloss

Woodhouse feat. Miëtt Molnar - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 13.07.2018
Von Dixieland bis Bossa Nova – Woodhouse machte das Köngener Publikum glücklich. Foto: Horst Stange

Woodhouse, die Band aus dem Ruhrgebiet, die für sich beansprucht, Deutschlands dienstälteste Jazz Band zu sein, feiert heuer ihr 65-jähriges Bestehen. Zwar ist kein Gründungsmitglied mehr dabei, aber Horst Janßen, der Senior der Band und ihr Leiter stieß kurz nach der Gründung zur Gruppe. Heute besteht die Band vorwiegend aus Profimusikern und hat ein dementsprechend hohes musikalisches Niveau. Bereits beim fetzigen Auftakt mit Jelly Roll Mortons „King Porter Stomp“ zeigte sich das hervorragende Zusammenspiel der Bläser und die Raffinesse der Arrangements, die fast alle vom Schlagzeuger Rolf Drese stammen.

Matthias Engl aus München blies eine saubere Lead-Trompete und glänzte mit flüssigen Improvisationen und enormer Höhe. Auf dem Flügelhorn überzeugte er bei den weicheren Stücken mit gefühlvollen Soli. Horst Janßen an der Posaune kultivierte mit kraftvollem und gelegentlich rauem Ton, gespickt mit mächtigen Glissandi, die Spielweise der alten New Orleanser Tail-Gate-Posaunisten. Die beiden Blechbläser wurden umspielt von Waldemar Kowalski am Alt-, Sopran- und Tenorsaxophon sowie der Klarinette. Einst ein Mitglied der bekannten polnischen Band „Sami Swoi“, blieb er bei einer Tournee in Deutschland hängen und lebt seit 33 Jahren hier. Er spielte die heißesten Soli auf dem Altsaxophon und steigerte die Intensität von Chorus zu Chorus. Alle Bläser zeigten eine enorme Spielfreude und stachelten sich gegenseitig zu Höchstleistungen an.

In der locker swingenden Rhythmusgruppe glänzte Georg Derks mit perlenden Läufen und wohl gesetzten Harmonien am Flügel. Am Schlagzeug hielt Rolf Drese die Fäden in der Hand und sorgte mit den richtigen Akzenten für die perfekte Umsetzung seiner Arrangements. Alexander Morsey, der jüngste Bandzugang, sorgte am Kontrabass und Sousaphon für das harmonische Fundament. Seine Soli auf dem Kontrabass beispielsweise bei Duke Ellingtons Swing Klassiker „Drop me off in Harlem“ oder „Mambo Inn“ wurden mit großem Applaus belohnt. Richtig aus dem Häuschen gerieten die Jazzfans aber bei den typischen Dixielandstücken „Indiana“ und „I’ve found a new Baby“ bei denen er virtuose Einlagen auf seinem riesigen Sousaphon zelebrierte.

Mit Miëtt Molnar brachte Woodhouse eine hervorragende Sängerin nach Köngen. Mit ihrer variationsreichen Stimme war sie in der Lage vom klassischen Swing „Almost like being in Love“ über den Bossa „Água de beber“ bis zum up-tempo-Stück „This could be the start of something big“ alles überzeugend zu interpretieren. In „Shiny Stockings“ fügte sie sich nahtlos als vierte Stimme in den Bläsersatz ein.

Das Repertoire von Woodhouse erstreckte sich vom klassischen Dixieland über den Swing zum Bossa Nova, wobei alle Nummern mit ausgefeilten Arrangements von Rolf Drese  interpretiert wurden. In Paul Kuhns „Florida Flirt“, einem flotten Calypso, glänzte er mit einem fulminanten Schlagzeugsolo.

Der abwechslungsreiche Abend verging wie im Flug und bei der ersten Zugabe, Sammy Fains „Once I had a Secret Love“, einem flotten Shuffle, gaben alle Musiker sowie die Sängerin noch einmal ihr Bestes. Mit einer weiteren Zugabe, „When you’re smiling“, bei der Clubvorstand Gerhard Götz mit seinem Altsaxophon auch noch einen Chorus beisteuerte, wurden die hoch zufriedenen Jazzfreunde in die Sommerpause entlassen.

Bilder vom Konzert

 

 

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