Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Der Adler fliegt am Freitag …

„The Mojo Six“ performten im Köngener Schloss den Blues in Vollendung

The Mojo Six - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 28.09.2018
Foto: Mirko Lehnen

Mit T-Bone Walkers „Stormy Monday“ eröffnete die Augsburger Bluesband ihr phänomenales Konzert in der altehrwürdigen Köngener Schlosskapelle. Bewusst oder unbewusst passt obige Zeile „The eagle flies on Friday“ zum dortigen Freitagabend-Jazzkonzert. Der Ursprung der Phrase kommt übrigens daher, dass früher am Freitag Zahltag war, so dass man in der Lage war, auszugehen und Geld auszugeben. Da auf den größeren amerikanischen Scheinen ein Adler aufgedruckt ist, hat man diesem dadurch zum Fliegen verholfen. Und damit sind wir bei einem der gängigen Blues-Genres: Häufig geht es um Geld – vorhandenes oder fehlendes – und um die Liebe – glückliche oder enttäuschte – Themen des tägliche Lebens also.

Die sechs Musiker brachten damit die Schlosskapelle zum Kochen. Bandleader Adi Weidenbacher zeigte sich als ausdrucksstarker Blues-Shouter, der mit seiner ungekünstelten Stimme den richtigen Nerv traf. Darüber hinaus beherrscht er virtuos die Bluesharp und sorgte damit für authentisches Blues-Feeling. Ihm zur Seite stand Stephan Holstein mit Saxophonen und Klarinette, der als einfühlsamer Begleiter Adis Phrasen aufnahm und in gefühlvollen Improvisationen verarbeitete.

Die beiden Bläser wurden getragen von einer exzellenten Rhythmusgruppe. Sepp Holzhauser an der Gitarre legte die Akkorde vor und erzeugte die passenden Blue-Notes bei seinen atemberaubenden Improvisationen. Nicht minder flinke Finger zeigte der Pianist Jan Eschke, der sowohl am klassischen Flügel überzeugte als auch mit elektronisch erzeugtem Hammond-Sound. In Nat Adderleys „Work Song“ brachte er beide Instrumente unter einen Hut, indem er weit ausholend mit der linken Hand Klavier und mit der rechten Orgel spielte. Andi Bauer am E-Bass sorgte für das harmonische Fundament und demonstrierte seine enorme Technik in mehreren Soli wie beispielsweise in „Baby what you want me to do“ oder mit schnarrender Slap-Technik im rockigen „Summertime“ von George Gershwin. Schließlich sorgte Schlagzeuger Walter Bittner für den pulsierenden Rhythmus und begeisterte die Jazzfreunde mit fulminanten Soli.

The Mojo Six verstanden es vortrefflich mit ihrer dynamischen Musik Spannungsbögen auf- und abzubauen, indem die Improvisationen und Riffs immer intensiver wurden, bis sich die Spannung in einem abrupten Übergang in einen ruhigen Teil entlud. Im Repertoire der Gruppe waren viele traditionelle und moderne Blues oder Stücke mit stark bluesigem Charakter. Natürlich durfte bei diesem Bandnamen Preston Fosters „Got my Mojo working“, bekannt gemacht durch Muddy Waters, nicht fehlen oder sein von Breaks durchzogenes „I’m a Hoochie Coochie Man“.

Als sich die Gruppe mit „More than one way home“ von Keb‘ Mo‘ verabschieden und auf den Weg nach Augsburg machen wollte, war klar, dass die begeisterten Jazzfans sie ohne eine Zugabe nicht ziehen lassen würden. Mit Billy Prestons „Nothing from Nothing“, in dem die sechs noch einmal alle Register zogen, wurden die Besucher in die feuchte Nacht entlassen; bei nicht wenigen dürften auf dem Nachhauseweg noch die 12-taktigen Phrasen im Kopf nachgewirkt haben.

Bilder vom Konzert

„Got my Mojo working“ - Video vom Auftritt im Jazzclub Köngen am 28.09.2018 (auf Facebook)

 

 

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