Mit Spannung und einer erwartungsvollen Neugier sah man im Jazz-Club Schloss Köngen dem Konzert der Band JAZZ FRANCO-ALLEMAND Paris-Stuttgart entgegen. Zwei Musiker aus Paris und die beiden anderen aus Stuttgart. Das hat man nicht alle Tage. „Das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich war früher von schlechteren Zeiten geprägt. Das heutige positive Bild ist super wichtig und das muss so bleiben“, so drückte sich Bandleader Hans Fickelscher aus und bekam dafür vom Publikum in der ausverkauften Schlosskapelle zustimmenden Beifall.
„La Valse des Crayons“ im flotten 3er-Takt bildete den Auftakt. Die vier Musiker griffen gestaffelt in das Geschehen ein und setzten gleich auch in kollektiver Manier eine hohe musikalische Messlatte. Hervè Meschinet an der Querflöte, William Lecomte am Flügel, Moritz Holdenried am Kontrabass und Hans Fickelscher am Schlagzeug präsentierten sich wie aus einem Guss mit kontrastreicher Dynamik, geschliffener Artikulation, prickelnden Soli und vor allem mit immenser Spielfreude. Das Konzert in Köngen bildete den Abschluss einer Tour im Großraum Stuttgart.
In erster Linie waren im Programmablauf Eigenkompositionen angesagt. Mit dem Titel „I Will Wait For You“ des französischen Komponisten Michel Legrand traf man genau den Geschmack des Publikums mit dem hohen Erkennungswert einer eingängigen Melodie. Am Altsaxofon zeigte hier Hervé Meschinet, der 30 Jahre mit dem großartigen Musiker Michel Legrand zusammenspielte, seine ganze Klasse und Individualität. Mit einem runden und satten Sound, manchmal auch etwas kantig, aber immer in makelloser Intonation, brachte er die Zuhörer zum Erstaunen. Seine exzellente Improvisationskunst verlor sich nicht in einem wilden Skalenspiel, sondern führte immer wieder andeutungsweise zur Leitmelodie zurück.
Als Komponist zeichnete sich Hervé Meschinet in „Night in Tokyo“ aus. Hier wieder an der Querflöte, verlieh er dem Titel mit einem hellen und geschmeidigen Sound Leben. Beeindruckend auch seine kurze Interaktion mit dem Schlagzeug, in der die Töne nur noch gehaucht in den Saal schwebten.
Als wahrer Hexenmeister an den Tasten entpuppte sich William Lecomte. Da genügten schon ein paar Takte in einem Intro wie in dem Stück „Still“, melodiös, emotional, impulsiv, manchmal mit einem bluesigen „Touch“, um seine professionellen Fähigkeiten, seine technische Brillanz und sein Können zum Ausdruck zu bringen. Die absolut vorhandene Balance zwischen rechter und linker Hand sucht ihresgleichen. Der aus seiner eigenen Feder stammende Titel „Matthieu“ widmete er seinem Sohn. In einem berauschenden Solo fegen seine Finger über die Tasten, in atemberaubendem Tempo, unterbrochen von wuchtigen Oktaven und einem gelegentlichen Übergreifen der linken Hand. Mit ostinatohaften Figuren und synkopierten Passagen treibt er sein Spiel bis zur Ekstase.
Mit Moritz Holdenried spielte ein Musiker den Kontrabass, der seine Rolle souverän erfüllte, zumal er zum ersten Mal gemeinsam mit der Band auf der Bühne stand, nachdem der Stammbassist Jens Loh absagen musste. Er fügte sich nahtlos in das musikalische Geschehen ein, bediente alle Lagen seines Instrumentes mit Bravour, zeigte enorme Frische und unübersehbare Spiellust. Im Titel „Cello Britten“ lieferte er ein mitreißendes und gerundetes Solo ab.
Versiert und absolut professionell offenbarte sich Hans Fickelscher am Schlagzeug und sorgte für eine solide rhythmische Grundierung. Häufig setzte er seine Jazzbesen ein und präsentierte dann eine dezente Begleitung, sodass die anderen Mitspieler sich im Vordergrund frei entfalten konnten. Besonders gefiel er in „Living in Chelsea“, das er mit einem schönen Intro begann, wohldurchdacht in einem differenzierten Einsatz von Trommeln, Toms und Becken. Auch ein gelegentlicher „Rimshot“ gehörte zum Klangspektrum.
Tosender und langanhaltender Beifall begleitete das gesamte Konzert und insbesondere die Einzelleistungen der vier Musiker und so ging es auch fließend in die unausweichliche Zugabe über. In „Cantabile“ entfachten sie noch einmal ein echtes Feuerwerk der Emotionen und beendeten einen Konzertabend, wie er besser nicht hätte sein können.