Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass das alljährlich stattfindende Open-Air-Konzert im besonderen Ambiente des Schlosshofes zu einem wahren Publikumsmagnet geworden ist. So war es auch nicht verwunderlich, dass das diesjährige Ereignis mit Thabilé und Band schon nach einer Woche ausverkauft war. Sehr zur Freude der aktiven Team-Mitglieder, die sich wieder alle Mühe gemacht haben, der Veranstaltung auch kulinarisch, visuell und logistisch einen würdigen Rahmen zu verleihen. Für einen wohl ausbalancierten und geschliffenen Ton zeichnete erneut Alexander Besemer verantwortlich.
„Ich fühle in der Musik die Freude und die Freiheit, aber auch die Verantwortung“, so drückt sich die Künstlerin aus, die seit etwa 10 Jahren in Deutschland lebt und seither eine beachtliche Karriere hingelegt hat. Nicht umsonst wurde sie zur „Künstlerin des Jahres 2023“ des African Festival Award (AFA) in Würzburg gekürt.
Thabilé stammt aus Dlamini, einem Township von Johannesburg, wo sie aufwuchs, vor allem von ihrer Mutter geprägt. Von ihrem Vater weiß sie so gut wie nichts. Die dort gemachten Erfahrungen liefern ihr heute den Stoff für ihre Lieder, wie die Apartheit oder die Unterdrückung von Frauenrechten in Südafrika und auch weltweit. Im Opener „Dlamini Echo“ singt sie über ihr damaliges Leben als Jugendliche und junge Frau. Von ihren vier Mitmusikern exzellent begleitet, liefert sie gleich die ganze Bandbreite ihrer stimmlichen Fähigkeiten ab.
Im Titel „Cape to Cairo“ nimmt sie die mehr als 270 Zuhörer auf eine weite Reise durch Afrika mit. Die Stimmung wird intensiver und schon beim vierten Titel „Shukuma“ halten es viele nicht mehr auf ihren Sitzplätzen aus und beginnen bei ausgefeilter Rhythmik zu tanzen. Thabilés Stimme changiert von weich und melodiös bis rau, von hoch bis tief, von glatt bis schrill und kreischend, manchmal auch nur einzelne Töne ausstoßend. In „Na Lingi Yo“ verleiht sie dem Stück mit synkopisch eingeworfenen Gesangsfragmenten einen besonderen Charakter.
Sehr empathisch ist Thabilé im Song „Stars in Your Eyes“ unterwegs, den sie ihrer Nichte und ihrem Sohn gewidmet hat. Man hört regelrecht das Lachen und die Fröhlichkeit der Kinder. Genauso stellt sie in „The Heart of a Woman“ die Frauen und deren Herz in den Vordergrund, deren Rolle sie nur allzu gut kennt.
Die dunkle Seite der Migration und Massenflucht aus Afrika beleuchtet sie in ihrem unter die Haut gehenden Lied „By the Sea“. Der ursprüngliche Traum eines Ehepaares wurde zum Trauma, denn der Ehemann hat es über das Mittelmeer nicht nach Europa geschafft. Steffen Hollenweger setzt hier am gestrichenen Kontrabass mit tiefen Tönen den passenden traurigen Rahmen.
Thabilé kommt in ihrer Moderation und Unterhaltungskunst charmant rüber, wenn sie ihrem gut verständlichen mit südafrikanischem Akzent gesprochenen Englisch nette Phrasen auf „Schwäbisch-Deutsch“ beimischt. Besonderen Anklang fand ihr Versuch, einer „freiwillig“ ausgewählten Person und dem Publikum ihre Muttersprache „Xhosa“ nahe zu bringen. Dieser Crash-Kurs in Sachen phonetischer Unterweisung in die Klick- und Knacklaute dieser Sprache war leider zum Scheitern verurteilt.
Thabilés gut harmonierende Begleitband mit Steve Bimamisa an der Gitarre, Markus Schoelch an den Keyboards, Steffen Hollenweger an E-Bass und Kontrabass sowie Daniel Schwenger am Schlagzeug zeigte sich flexibel und anpassungsfähig, um die ganze Bandbreite der dargebotenen Stilarten wie Pop, Soul, Afro, Gospel, Rhythm ‘n‘ Blues sowie Jazz routiniert abzudecken. Wenn auch manch einem eingefleischten Jazzfan die Soli etwas kurz und unaufdringlich vorkamen, so machte das die Gesamtpräsentation des Programmes wieder wett.
Ein wunderbarer Zauber lag über dem Köngener Schloss und dem gesamten Abend, der mit dem „Redemption Song“, einem Bob Marley-Klassiker, seinen Abschluss fand, allerdings unter dem Titel „Ukuhlengiwa“ von Thabilé in ihrer Muttersprache interpretiert. Fließend ging es über in den Refrain des Welthits „Pata Pata“, den jeder im Publikum auf seine Art verarbeitete – tanzend, singend, klatschend, wippend, schnalzend – gerade rechtzeitig, bevor dann der langsam einsetzende Regen für etwas Abkühlung sorgte.