Mit den aus dem Großraum Stuttgart stammenden Guttenberger Brothers hatte der Jazz-Club Köngen zum Jahresstart eine Band eingeladen, die seit weit über einem Jahrzehnt ihre Fans mit Gypsy Jazz, Swing und gediegenem Vokaljazz verwöhnt hat. Die beiden Brüder Knebo und Mano Guttenberger standen für das gelungene Experiment, traditionellen Sinti-Jazz mit moderneren Jazzströmungen zu verknüpfen.
Mittlerweile gehen die beiden Brüder jedoch musikalisch getrennte Wege, sodass nur noch Knebo als Sänger zusammen mit Branko Arnsek am Kontrabass, Magnus Mehl am Altsaxofon, Christoph Heckeler am Piano und Chris Barchet am Schlagzeug vor einem erwartungsvollen Publikum auf der Bühne stand. Bandleader Branko Arnsek, auch ein Musiker der ersten Stunde, ließ es sich nicht nehmen, mit zahlreichen Kompositionen aus eigener Feder dem Abend seinen Stempel aufzudrücken.
Mit dem Eingangstitel „Hart & herzlich“, nur in instrumentaler Präsentation, gaben die vier Musiker in flottem Tempo, harmonischem Zusammenspiel und fulminanten Soli gleich eine vielversprechende Visitenkarte ab. Die Zuhörer in der vollbesetzten Schlosskapelle honorierten die Gesamtleistung mit tosendem Beifall. Dieser Titel war mehr als nur Programm.
In den folgenden Titeln standen menschliche Gefühle oder die Vorfreude auf den Frühling im Vordergrund, denen Knebo Guttenberger mit seiner manchmal zarten oder auch raueren Stimme Leben einhauchte. Deutsche Texte in einer sonst von der englischen Sprache dominierten Jazzwelt – eher Ausnahme und Seltenheit. „Im nächsten Titel gibt es einen aktuellen Bezug zu den momentanen Vorgängen in den USA“, so sagte Branko Arnsek in seiner informativen und netten Moderation und spielte dabei auch auf die Parallele zu Martin Luther King in den 1960er-Jahren an. „Ich hatte geträumt“, so lautete das Stück, das die Band auf ihre Art interpretierte.
„Meine beste Freundin“ bot ausgiebige Freiräume für Improvisationen. Besonders Magnus Mehl am Altsaxofon spielte hier seine ganze Klasse aus und brillierte nicht nur technisch, sondern auch mit empathischen und bisweilen ekstatischen Ansätzen. Am Piano ließ Christoph Heckeler seine Finger mit sauberer Anschlagtechnik und feinem Skalenspiel über die Tasten gleiten, wobei die „Voicings“ der linken Hand manchmal etwas untergingen.
„Roger, wir vermissen dich“, so drückte sich Branko Arnsek aus und dies spiegelte sich im Titel „Roger“ wider, der dem im Jahre 2016 allzu früh verstorbenen Roger Cicero als Andenken gewidmet wurde. Knebos Stimme war hier zwischen Gesang und manchmal aber auch fast als Sprechgesang einzustufen, mit klarer und deutlicher Artikulation. An anderer Stelle hätte man sich von ihm etwas mehr Emotionalität gewünscht.
Die beiden Rhythmiker Chris Barchet am Schlagzeug und Branko Arnsek am Kontrabass legten eine solide Grundlage und sorgten für einen zuverlässigen metrischen Bezugsrahmen für ihre Mitstreiter. In „Flamingo“ zeigte Branko Arnsek die Bandbreite seines Könnens in einem gerundeten Solo. Chris Barchet war in „You and the Night and the Music“ kaum zu bremsen und bearbeitete Becken sowie Trommeln mit innerer Glut und Energie.
Ohne Zugabe ließ das Publikum die Guttenberger Brothers nicht von der Bühne und so erklang der allseits bekannte Ohrwurm von „Schau mich bitte nicht so an“ und beendete einen unterhaltsamen Abend. Wenn auch in Teilen des Konzertes der Spannungsbogen durch überlange Soli oder nur minimale Dynamik etwas schwach ausgeprägt war und die Gitarre als wichtiges Element des Gypsy Jazz fehlte, so konnten die Zuhörer doch viele schöne und positive Erinnerungen mit nach Hause nehmen.