Zum diesjährigen Weihnachtskonzert hatte das gesamte Team des Jazz-Clubs Schloss Köngen die Schlosskapelle wieder in leuchtenden Glanz versetzt, denn funkelnde Weihnachtssterne und strahlende Nussknacker-Figuren sorgten für ein behagliches Ambiente.
Dieses Konzert stand unter ganz besonderen Vorzeichen. Im Rekordtempo was es schon im August ausverkauft und Peter Bühr, Gründer und Bandleader der Flat Foot Stompers, wollte nach insgesamt acht Konzerten in Köngen in der Schlosskapelle seinen Abschied feiern. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er jedoch an dieser Veranstaltung nicht mehr teilnehmen, geschweige denn seine Klarinette zum Erklingen bringen. Auch Wolfram Grotz, seinem langjährigen Pianisten war es nicht mehr vergönnt, am Flügel Platz zu nehmen.
Das Sextett legte in altbekannter Manier auch gleich richtig los, denn mit Pierre Paquette hatte man einen exzellenten Ersatz an Klarinette und Altsaxofon gefunden, der die lange Anreise von Kaiserslautern gerne auf sich genommen hatte. Der von Trompeter Andy Lawrence komponierte Titel „Rems Valley Jump“ bildete in flottem und schmissigem Tempo den richtigen Rahmen für einen gelungenen Einstieg. Wuchtige und präzise gespielte Tutti-Passagen, aber auch Einzeldarbietungen an Trompete, Altsaxofon und Posaune zeugten von musikalischer Harmonie in der Band. Besonders in diesem Titel kam die sonore Stimme von Andy Lawrence zur Geltung, denn er musste sich hier nicht in höhere Register aufschwingen.
Benno Reinhard (Posaune), Pierre Paquette (Klarinette und Altsaxofon), Andy Lawrence (Trompete und Flügelhorn), Felix Gschwind (Gitarre), Helmut Siegle (Kontrabass) und Martin Hohloch (Schlagzeug) boten in ihrem abendlichen Programm eine breite Palette an US-amerikanischen „Christmas Songs“, die teilweise eng am Original, aber auch mit kitschigem Anklang, schmalzig oder in eigenen und überzeugenden Arrangements rüberkamen. Das allseits bekannte und beliebte „Jingle Bells“ erklang zuerst in langsamem Tempo und nahm dann Fahrt auf. Felix Gschwind an der Gitarre ließ es sich nicht nehmen, in einem überragenden Solo dem Stück seinen Stempel aufzudrücken.
„Christmas in New Orleans“ von Louis Armstrong, „Everyday is Christmas“, „The Little Christmas Tree“ oder der traditionelle Titel „We Wish You a Merry Christmas“, von Bandleader Andy Lawrence wunderbar arrangiert, gaben einen facettenreichen musikalischen Einblick in das Zauberwort „Christmas“. Andere Titel wie „Let it Snow“ oder „White Christmas“ von Irving Berlin ließen das Publikum in der restlos ausverkauften Schlosskapelle von Schneeflocken träumen. Eigentlich hätte bei so viel „Schnee“ jeder im Saal von einer Schneeschicht bedeckt sein müssen, was die gut funktionierende Fußbodenheizung aber verhinderte.
Nach dem schon zur Tradition gewordenen Gläschen Sekt in der Pause ging es swingend weiter in die Vorweihnachtszeit. Der eigentlich traurige Titel „I’ll Be Home for Christmas“ erfuhr eine etwas harte Interpretation. Nach einem brillanten Solo von Pierre Paquette am Altsaxofon in lupenreiner Intonation und perlenden Tonskalen endete das Stück mit einer dissonanten Harmonie. Die Ankündigung über die Auflösung der Flat Foot Stompers war dann doch etwas überraschend – eine Ära geht nach 50 Jahren somit zu Ende.
Um eine Zugabe kam das Sextett nicht herum und so wurde einem abgerundeten Konzertabend mit dem populären Weihnachtslied „White Christmas“ ein Schlusspunkt gesetzt, von der minutiös agierenden Rhythmusgruppe stilvoll begleitet, die Melodie gefühlvoll von der Klarinette gespielt und von Posaune sowie Trompete gekonnt umrahmt. Auf dem Nachhauseweg wird manch einem diese Melodie noch nachgeklungen haben – leider ohne den dazu passenden Schnee.
Bilder vom Konzert