Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Tosender Beifall für Boogie-Konzert

Frank Muschalle Trio und Saxophonist Stephan Holstein begeisterten mit Boogie und Blues

Frank Muschalle Trio feat. Stephan Holstein - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 23.06.2018
Frank Muschalle, Stephan Holstein, Dirk Engelmeyer und Matthias Klüter (von links) gaben in Köngen ein Konzert der Extraklasse. sg

Es ist schon ein Weilchen her, dass der Ausnahme-Pianist Frank Muschalle mit Drummer Dirk Engelmeyer und Bassist Matthias Klüter im Jazzclub im Köngener Schloss ein Konzert gab. Boogie-Woogie und Blues bot das Trio am Freitag, das als Special Guest den Klarinettist und Saxophonist Stephan Holstein mitgebracht hatte.

Es war warm am Freitagabend im Köngener Schloss. Und als gegen 20 Uhr der Pianist Frank Muschalle die Bühne betrat und sein erstes Solostück Suitcase Blues von Hersal Thomas ablieferte, wurde vielen Zuhörern gleich noch ein paar Grad wärmer. Ein etwas spät serviertes Abendessen war dafür verantwortlich, dass Muschalle die ersten beiden Songs als Solowerke präsentierte. „Wie gut, dass der Pianist schon da ist. Und nicht der Schlagzeuger“, lautete sein launiger Kommentar.

Und in der Tat ist Boogie-Woogie eigentlich Musik für Klaviersolisten. Denn, so erzählte es Muschalle, Boogie war Musik für die armen Leute. Und was war die billigste Variante? Einen Musiker zu engagieren, der Tanzmusik alleine spielen kann. Dass Boogie-Woogie dem gleichen Schema folgt, wie der Blues, wurde bei einem der nächsten Songs, dem Mellow Blues von Sonny Thomson klar. Zu dem dann auch die Rhythmusgruppe mit Schlagzeuger Dirk Engelmeyer und Bassist Matthias Klüter sowie Saxophonist Stephan Holstein auf die Bühne kamen.

Der Augsburger Holstein ist für viele Bands im In- und Ausland tätig und fühlt sich nicht nur im Jazz, sondern auch im Klassikfach oder der Kirchenmusik zu Hause. Bei Mellow Blues zeigte er erstmals sein Können mit einem fantastischen Saxophonsolo. Sein Talent als Sänger konnte Dirk Engelmeyer dann bei Blues before Sunrise zeigen. Und mit Leave my girl alone und Cindy Lou folgten wenig später weitere Gesangseinlagen des Drummers.

Die Köngener liebten es am Freitag übrigens rasant. Die Bluesstücke, die Frank Muschalle für die Köngener auf die Setlist gesetzt hatte, wurden vom Publikum zwar brav mit Applaus honoriert, hören wollten die Jazzkenner allerdings lieber den Boogie-Woogie mit seinen rollenden Bässen und melodischen Off-Beat-Figuren. Da wippten die Zehenspitzen und schnippten die Finger. Wäre der Platz im Köngener Schloss nicht etwas begrenzt, es hätten sich sicher noch ein paar Tänzer gefunden.

Meades Boogie, eine Hommage an den Boogiepianist Meade „Lux“ Lewis, Two Funky People, Blues for the Night Owls – die vier Musiker brannten am Freitag ein Feuerwerk von Klassikern ab, zu denen auch Pete Johnsons Just for you mit seinen verspielten Tonfolgen und The Sheik of Araby gehörten – ein Hit, den Ted Snyder Anfang der 1920er-Jahre komponiert hatte. So wurde der Abend zu einem musikalischen Vergnügen.

Die vier Musiker sind ein eingespieltes Team, das sich ohne viele Worte versteht. Dabei war Improvisation das Programm. Frank Muschalle vor allem trieb sein Publikum zu immer neuen Beifallsbekundungen, wenn er in atemberaubender Geschwindigkeit seine Finger über die Tasten gleiten ließ.

Dennoch blieb genügend Raum für seine drei kongenialen Begleiter, wie das letzte Stück, Swanee River, in der Boogie-Version von Albert Ammond, zeigte. Hingerissen war das Publikum hier vor allem von Dirk Engelmeyers Schlagzeugsolo, das sich über mehrere Minuten hinzog. Ob die Zuhörer die Anspielung Stephan Holsteins auf das Schlagzeugsolo des Altmeisters Gene Krupa verstanden, als er mitten in Engelmeyers Solo mit der Klarinette den Jazzstandard Sing, Sing, Sing intonierte? Dirk Engelmeyer wird es als Kompliment aufgefasst haben. Auch Matthias Klüter zeigte sehr überzeugend, dass ein Kontrabass nicht nur Begleitinstrument sein muss. Eine Zugabe durfte natürlich nicht fehlen – mit Sonny Thomsons „Pastry“ erhielt das Publikum ein Betthupferl mit auf den Heimweg.

Das Boogie-Konzert mit Frank Muschalle war der vorletzte beeindruckender Akkord des Jazz-Clubs vor der Sommerpause. Denn, ja, dem Vernehmen nach wird im Dezember nicht Schluss sein mit den Jazzkonzerten. Ein neuer Vorstand muss anlässlich der Mitgliederversammlung im September zwar noch im Amt bestätigt werden, doch das drohende Aus könnte damit abgewendet werden. Auch, weil sich für die zeitraubenden Arbeiten vor und nach den Konzerten ein neues, zupackendes Team gefunden hat. Gut so. Es wäre schade gewesen, einen weiteren Jazzclub in der Region zu verlieren. Das Konzert des Frank-Muschalle-Trios hat es bewiesen.

Bilder vom Konzert

 

 

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