Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Köngener Schloss-Swingtett swingt sehr nett

Die Hausband des Jazzclubs im Köngener Schloss unterhielt bestens

Köngener Schloss-Swingtett - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 23.02.2018
Die Musiker von links: Edgar Holl (Piano und Gesang), Gerhard Götz (Saxophon), Hans Madlinger (Schlagzeug), Rolf Martin (Bass und Gesang) und Jörn Baehr (Gitarre). Foto: Horst Stange

Am Freitagabend gehörte die Bühne in der Köngener Schlosskapelle der Nachfolgeformation der 2016 aufgelösten Götz-Hirschmann Swing-and-Jazz Group. Im Laufe des letzten Jahres haben sich fünf Vollblutmusiker um den Vorsitzenden des Clubs, Gerhard Götz gefunden, um die Tradition der Hausband weiterzuführen.

Kam der Hausband in früheren Zeiten die Funktion zu, den „Anheizer“ für den jeweiligen Hauptact des Abends zu machen, hat man sich neuerdings für einen eigenen Konzertabend dieses Klangkörpers entschieden. Und das völlig zu Recht, haben die fünf Herren doch alles, was es braucht, um das verwöhnte Stammpublikum im Köngener Schloss zu begeistern. Von der alten Band noch dabei sind Bandleader Gerhard Götz, Schlagzeuger Hans Madlinger und der Gitarrist Hans Rotter, der heuer jedoch verhindert war und durch den erfahrenen Jörn Baehr vertreten wurde. Neu hinzugekommen sind der Pianist Edgar Holl und am Bass Rolf Martin, die sich beide auch die Gesangspartien teilen.

Im Laufe des Abends kommt einem die Frage in den Sinn, was man denn gemacht hat, als es noch keinen Jazz gab (die Frage, was man macht, wenn es hier mal keinen Jazz mehr geben wird, lassen wir erst mal nicht zu): Als man ins Ohr gehende Stücke nicht in immer neuen, interessanten Versionen hören konnte – als man die Themen von den einzelnen Instrumentalisten nicht nur vorgetragen, sondern umspielt, variiert bis hin zum Sprungbrett für kühnste Improvisationen genommen bekam. Als man nicht miterleben konnte, wie eine Anzahl gestandener Musiker, die sich mehr oder weniger lange kennen, zu einer Einheit zusammenfanden, ihr Ego zurückstellten und nur der Musik dienten, als man nicht in ungezwungener Atmosphäre dies alles genießen und mit Gleichgesinnten teilen konnte.

Doch zum Glück konnte man dies alles an diesem Abend erleben. Durch das tolle Programm führte kundig und launig Rolf Martin, der zu allen Songs eine kleine Anekdote oder zumindest eine interessante Anmerkung auf Lager hatte, und so auch zum Reiseleiter wurde von „Indiana“ über „Georgia“, via „Route 66“ nach „Rio“ bis zum „Moon“.

Die glücklichen Teilnehmer dieser akustischen Reise wurden verwöhnt von vielen Hörenswürdigkeiten, wie gepflegten bis spritzigen Saxofonsoli (Alt und Tenor) oder mal perlendem, mal vollem Pianoklang, immer inspirierten Gitarrenlinien fernab von Skalengedudel, oft witzig oder zitierend dazu. Die gut groovenden Rhythmiker lieferten samtweiche Bassläufe und abwechslungsreiche Schlagzeugsounds sowie hin und wieder kurze geschmackvolle Soloeinlagen. Der Gesang war immer eine angenehme Abwechslung, wenngleich nicht so vordergründig, wie wenn von einem Musiker ausschließlich erbracht.

Die Vehikel, derer sich diese fünf „Traveller“ bedienten waren Swingnummern in allen Tempi, unter die Haut gehende Balladen, lockere Bossas sowie Boogie und Blues – half- und doubletime inklusive. Das Publikum durfte nicht nur klatschen, sondern auch mitsingen, laut beim Preisen der Liebe und sicher leise und mit etwas (vorausfühlendem) Wehmut beim Verabschieden der Amsel (engl. Blackbird). Gut, dass vor 16 Jahren wenigstens in Köngen die jazzlose Zeit vorbei war, dank der Macher und Macherinnen vom Jazzclub Schloss Köngen.

Bilder vom Konzert

 

 

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