Konzertbericht

Nürtinger / Wendlinger Zeitung

Was ist eine kleine Big Band?

Allotria Jazzband brachte das Schloss zum Kochen

Allotria Jazzband - Konzert im Jazzclub "Schloss Köngen" am 25.05.2018

Die Besucher der proppenvollen Köngener Schlosskapelle bekamen die Antwort auf obige Frage: Die international renommierte Allotria Jazzband mit Hauptwohnsitz München (tatsächlich kommen die Musiker aus verschiedenen Ecken der Republik) präsentierte mit vier Bläsern und einer herrlich swingenden Rhythmusgruppe einen Sound wie der einer Big Band. Bandleader Rainer Sander hält die Gruppe seit 49 Jahren zusammen, wobei außer ihm niemand mehr aus der Gründerzeit dabei ist.

Das Markenzeichen der Band ist der vierstimmige Bläsersatzmit Rainer Sander an Klarinette und Altsaxophon, dem Posaunisten Mathias Götz und den beiden Trompetern Martin Auer – aus Berlin eingeflogen für den anderweitig verpflichteten Colin Dawson – sowie Andrej Lobanov. Eine Band, die mit zwei Trompetern spielt, weckt unwillkürlich Erinnerungen an die legendäre Band von King Oliver, in der Louis Armstrong die zweite Trompete spielte. Die in den dazwischen liegenden ca. 90 Jahren weiter entwickelten Jazzstile flossen natürlich in die Spielweise der Allotria Jazzband ein. Die ausgefeilten und anspruchsvollen Arrangements wurden mit einer technischen Perfektion gespielt, die kaum zu überbieten ist.

Einen bedeutenden Anteil an der mitreißenden Spielweise der Bläser hatte die unwiderstehlich swingende Rhythmusgruppe mit Thilo Wagner am Klavier, Peter Cischeck am Bass und Gregor Beck am Schlagzeug. Alle drei Rhythmiker bekamen ausreichend Gelegenheit, sich als Solisten zu präsentieren. Besonders eindrucksvoll gerieten die Bass-Soli in „Blue Beard Blues“ sowie Neil Heftis „Neil’s Deal“. Gregor Beck glänzte mit fulminanten Schlagzeugsoli in „Beyond the Blue Horizon“ und nach Art Gene Krupas in „Sing, Sing, Sing“. Pianist Thilo Wagner war sozusagen im Dauereinsatz und brillierte mit perlenden Läufen und raffinierten Harmonieeinwürfen.

Das Repertoire der Band bewegt sich im Bereich des klassischen Jazz der 1920er und 1930er Jahre. Mit den interessanten und raffinierten Arrangements klangen auch so alte und oft gehörte Stücke wie Jelly Roll Mortons „Wolverine Blues“ wieder neu und frisch. In verschiedenen Feature-Stücken wurden einzelne Musiker vorgestellt. So kam in „Stars fell on Alabama“ der strahlende Posaunenton von Mathias Götz besonders zu Geltung. Thilo Wagner zeigte mit „Them there Eyes“, dass ihm auch nach dem fünften Chorus die Einfälle nicht ausgingen.

Ein besonderer Leckerbissen waren natürlich die Duette (bzw. Duelle) der beiden Trompeter, etwa in „All the Cats joined in“. Faszinierend war auch, wie sie Louis Armstrongs Paradestück „Cornet Chop Suey“ unisono zelebrierten. Als beim angesagten Schlussstück, Jelly Roll Mortons „King Porter Stomp“, die Musiker noch einmal alles gaben, einschließlich Trompetenduell und Schlagzeugsolo, flippte das Publikum regelrecht aus und an Aufhören war natürlich nicht zu denken. Mit der gemütvollen Zugabe „Every time we say Goodbye“ beendete die Allotria Jazzband ihr furioses Konzert in Köngen. 

Bilder vom Konzert

 

 

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